Workshop mit Bandbreite-Sänger "Wojna" als Kulturschocker

Elisabeth Höving
Hans Frey, ehemaliger MdL der SPD im NRW-Landtag und heute Vorstandsvorsitzender vom aktuellen Forum: „Der Workshop war erfolgreich.“ Foto: Martin Möller
Hans Frey, ehemaliger MdL der SPD im NRW-Landtag und heute Vorstandsvorsitzender vom aktuellen Forum: „Der Workshop war erfolgreich.“ Foto: Martin Möller
Foto: WAZ FotoPool
Der Workshop „Oper meets HipHop“ im Musiktheater im Revier mit Bandbreite-Sänger Wojna sorgt weiter für kontroverse Diskussion. Dass seine Gruppe unterschiedlichsten politischen Extrem-Richtungen zugeordnet wird, kommentiert der Rapper selbst so: „Wir sind eine linke Band.“

Gelsenkirchen/Duisburg. Der Workshop „Oper meets HipHop“ sorgt weiter für kontroverse Diskussion. Wie berichtet, hatte sich am letzten Freitag das Musiktheater im Revier nach massiver Kritik u.a. vom Internetforum „Ruhrbarone“ und nach Mails von Initiativen an die MiR-Geschäftsleitung von der geplanten Veranstaltung rund um die Opernpremiere „La Traviata“ distanziert und den Akteuren eine zuvor erteilte Filmerlaubnis wieder entzogen.

Abgesagt hat das Musiktheater den Workshop nicht. Darauf verweisen sowohl der Leiter der Veranstaltung, der Bandleader der in unterschiedlichsten Kreisen höchst umstrittenen Band „Die Bandbreite", Marcel „Wojna" Wojnarowicz, als auch der Auftraggeber dieses Workshops, das aktuelle Forum NRW (af).

Hans Frey, einstiges SPD-Landtagsmitglied, heute Vorstandsvorsitzender von af, einem Träger der politischen Bildung: „Das Musiktheater hatte hier gar nichts abzusagen, weil der Workshop zu La Traviata eine eigenständige Veranstaltung des af war und ist.“ Die Reaktion des MiR nennt Frey „deplatzierte Aufgeregtheiten“.

Wokshop "als Privatperson"

Auch habe nicht die Band „Bandbreite“ den Workshop durchgeführt, betont Frey. Tatsächlich leitete nach eigener Darstellung Marcel Wojnarowicz, Frontmann der zweiköpfigen Deutsch-Rocker-Formation, die dreitägige Veranstaltung. Der Duisburger Musiker im Gespräch mit der WAZ: „Ich leite den Workshop als Privatperson, nicht als Bandmitglied.“ Dass seine Gruppe unterschiedlichsten politischen Extrem-Richtungen zugeordnet wird, kommentiert der Rapper selbst so: „Wir sind eine linke Band.“

Der Gelsenkirchener Frey nennt den Workshop mit den Musiker Wojna (Künstlername) ein Angebot, um bei theaterfernen Jugendlichen das Interesse für die Oper zu wecken: „Der Workshop ist zudem eine vorbereitende Maßnahme für ein neues Projekt des af, das sich Kulturschocker nennt.“ Nach Auswertung des Workshops will das Forum sein geplantes Projekt „Kulturschocker“ vorstellen.

Klaus Amoneit, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Forums, betont in einem Schreiben an Dieter Kükenhöner, Geschäftsführer des MiR: „Mit Marcel Wojnarowicz als Kulturpädagoge arbeitet das af seit vielen Jahren erfolgreich in Jugendprojekten zusammen.“ Er sei im „im Sinne der demokratischen Bewusstseinsbildung ein Guter“.

Kritiker der Band sehen das deutlich anders, werfen ihr sexistisches Liedgut und Verschwörungstheorien beim Thema 11. September vor. Auch Journalisten ordnen die Band mal dem linken, mal dem rechten Spektrum zu.

MiR bleibt skeptisch

Das Musiktheater im Revier bleibt bei seiner skeptischen Haltung. Alleiniger Veranstalter und Initiator des „La Traviata“-Workshops sei das Aktuelle Forum NRW. Das Musiktheater habe die Aktivitäten des Forums weder beauftragt noch künstlerisch und inhaltlich befördert. Man begrüße aber auch in Zukunft die konstruktive Auseinandersetzung mit künstlerischen Inhalten und ihrer Vermittlung.

Ausdrücklich distanziert sich das Musiktheater, so Sprecher Christoph Nagler gestern auf Nachfrage der WAZ, in diesem Zusammenhang von „potenziell sexistischen, menschenverachtenden sowie politisch radikalen und extremistischen Haltungen und Äußerungen“. Inwiefern eine Zusammenarbeit mit dem Forum zukünftig möglich sei oder gar aussehe, sei momentan völlig unklar.