Suche nach Annette L. in Gelsenkirchen geht weiter

Sinan Şat und Jörn Stender
Seit 2010 spurlos verschwunden: Annette L. aus Gelsenkirchen. Die Polizei geht davon aus, dass ihr Mann sie umgebracht hat. Am Dienstag startete die Polizei erneut eine große Suchaktion.
Seit 2010 spurlos verschwunden: Annette L. aus Gelsenkirchen. Die Polizei geht davon aus, dass ihr Mann sie umgebracht hat. Am Dienstag startete die Polizei erneut eine große Suchaktion.
Foto: Oliver Mengedoht /Funke Foto Services
Seit Dienstag durchsuchen 200 Spezialkräfte das Areal um den Gelsenkirchener Zoo nach neuen Spuren im Fall Verbleib der verschwundenen Annette L..

Gelsenkirchen. Die großangelegte Suchaktion im Fall der verschwundenen Annette L., die am Dienstag rund um den Großraum des Gelsenkirchener Zoos gestartet wurde, geht auch am Mittwoch weiter. Rund 200 Polizisten, Experten der Spurensicherung, Taucher, Kräfte des THW, Förster und auch Baggerfahrer sind im Einsatz. Die Suche konzentriert sich vor allem auf ein Waldgebiet und eine Halde. Erste Funde werden untersucht.

Ende November 2014 hatte die Mordkommission Essen den Fall der vermissten Annette L. zu den Akten gelegt. Auch viereinhalb Jahre nach dem Verschwinden der vierfachen Mutter und ehemaligen Polizistin aus Gelsenkirchen hatten die Ermittler keine belastbaren Spuren gefunden. Die Akte wurde geschlossen. Am Dienstag dann rückten Spezialkräfte der Polizei überraschend zu einer Suchaktion nach Gelsenkirchen aus. Neue Zeugenhinweise hatten den Ausschlag gegeben.

Im Frühsommer 2010 verschwand Annette L. spurlos von einem auf den anderen Tag. Obwohl es keine eindeutigen Beweise gibt, sind sich die Ermittler sicher, dass Annette L. in ihrem eigenen Schlafzimmer von ihrem Ehemann, dem Polizeibeamten Dirk L., umgebracht wurde. Angeklagt wegen Mordes wurde er bis heute dennoch nicht. Ohne die Leiche gibt es keinen Mordprozess.

Ehemann von Annette L. wird verdächtigt

An einen Selbstmord glaubt die Kripo nicht, auch nicht daran, dass Annette L. ihre Familie verlassen haben könnte. Dazu passte nicht, dass vermutlich am 3. Juni an einer Halde in Gelsenkirchen-Scholven die Matratzen aus dem gemeinsamen Ehebett verbrannt wurden.

Wochen nach dem Verschwinden der Frau fand man den ausgebrannten Van der Familie in einem Waldgebiet bei Marl-Sinsen, ein schwarzer Mercedes Viano. Eine Hundertschaft durchkämmte damals das Terrain. Die Ermittler gingen davon aus, dass mit dem Fahrzeug Spuren beseitigt werden sollten. Eine Fährte gab es: Spürhunde, denen eine Geruchsprobe von Dirk L. vorgehalten wurde, liefen vom Wrack zum acht Kilometer entfernten Haus seines Vaters in Marl, in dem er sich oft aufhielt. Der Verdacht: Mit dem Fahrrad radelte er vom Brandort zum Haus des Vaters, wo er seinen eigenen Pkw abgestellt hatte.

Schon in den Tagen vor dem Fund des Autos hatte die „MK Buer“ ein Lügengeflecht des Verdächtigen ans Tageslicht gebracht. Und er hatte seit über einem Jahr ein Verhältnis mit einer 33 Jahre alten Kollegin, die seit dem Frühjahr schwanger von ihm war.

Suche nach dem Familienauto

International wurde nach der Vermissten und dem ebenfalls verschwundenen Familien-Van, einem schwarzen Mercedes Viano, mit dem Kennzeichen GE-AL 2701 gesucht. Während Annette L. bis heute verschollen ist, tauchte ihr schwarzer Van knapp vier Wochen später (Freitag, 25. Juni 2010) brennend in einem dichten Wald der "Haard" wieder auf. Die Ermittlungen konnten bis heute nicht klären, wo das Fahrzeug in der Zwischenzeit versteckt war.

Doch jetzt meldeten sich Zeugen, die den schwarzen Daimler Viano Tage nach dem spurlosen Verschwinden der Frau im Bereich Gelsenkirchen-Resse und -Bismarck gesehen haben wollen. Demnach sei der Wagen an der Münsterstraße (B 227), der Johannes-Rau-Allee und der Willy-Brand-Allee (B 226) in den Nachtstunden gesehen worden.

Polizei durchkämt Bereich rund um den Zoo in Gelsenkirchen

Eine Hundertschaft durchkämmt seit Dienstag ein Waldstück zwischen Kanal und Emscher an der Willy-Brandt-Allee, Taucher suchten in Bismarck den Grund des Rhein-Herne-Kanals ab, mit Baggern und Muldenkippern wurde ein riesiger Erdwall an der Münsterstraße nahe der Einfahrt zur Johannes-Rau-Allee abgetragen. Um den Erdwall am neuen Wohn- und Gewerbegebiet Graf Bismarck wurde ein Sichtschutzzaun gezogen. Währenddessen verteilten Einsatzkräfte Flugzettel jenseits der Stadtgrenze im Viertel Unser Fritz.

Auch am Mittwoch geht die Spurensuche weiter. Die Gegenstände, die die Polizei bisher gefunden hat, werden nun untersucht. "Es wurden Geldbörsen, Werkzeuge, Papiere, Kleidungsstücke und sogar ein Safe (Anm. d. Red.: im Kanal) gefunden. Wir überprüfen jetzt, ob diese Dinge mit dem Fall Annette L. im Zusammenhang stehen oder möglicherweise zu anderen Ermittlungen passen", erklärte Polizeisprecher Peter Elke.

Polizei bittet um Hinweise im Fall Annette L. 

Die Polizei bittet trotz der neuen Hinweise weiterhin um Hilfe und fragt:

Wer hat den schwarzen Mercedes-Van Ende Mai/Juni 2010 im Bereich Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen oder an einem anderen Ort gesehen?

Wer hat in diesem Bereich verdächtige Beobachtungen gemacht?

Jeder Hinweis kann der Polizei auch heute noch helfen, den bisher ungeklärten Fall zu lösen. Hinweise werden erbeten an die Polizei in Essen, Telefon 0201- 8290.