Gelsenkirchen

Holocaust-Gedenk-Aktion an Gelsenkirchener Schule - warum es dabei Probleme gibt

Das Weiterbildungskolleg Emscher-Lippe in Gelsenkirchen beteiligt sich an einer Aktion, um der Opfer des Holocausts zu gedenken. Muslimische Schüler protestieren dagegen.
Das Weiterbildungskolleg Emscher-Lippe in Gelsenkirchen beteiligt sich an einer Aktion, um der Opfer des Holocausts zu gedenken. Muslimische Schüler protestieren dagegen.
Foto: WBK/nh
  • Weiterbildungskolleg in Gelsenkirchen beteiligt sich an Internet-Aktion
  • Damit soll der Opfer des Holocausts gedacht werden
  • Dagegen protestieren muslimische Schüler des Kollegs

Gelsenkirchen. Es ist ein wichtiger Gedenktag, der jedes Jahr am 27. Januar weltweit begangen wird. Es ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit.

Um an die Opfer des Holocausts zu erinnern, gibt es nun eine Aktion, an der sich auch das Weiterbildungskolleg Emscher-Lippe in Gelsenkirchen beteiligt.*

Selfie mit Schild als Geste der Erinnerung

Dabei sollen Menschen weltweit Selfies machen, während sie ein Schild mit der Aufschrift „I Remember“ („Ich erinnere mich“) oder auch „We Remember“ („Wir erinnern uns“) in die Kamera halten.

Hintergrund ist die Tatsache, dass es immer weniger lebende Zeitzeugen des Holocausts gibt.

Diese Aktion trifft auf dem Kolleg an der Middelicher Straße größtenteils auf Zustimmung, allerdings auch auf Kritik und Ablehnung.

Von 550 Studierenden haben 40 Prozent einen Migrationshintergrund. Viele Schüler kommen aus der Türkei, einige haben einen arabischen, der größte Teil einen muslimischen Hintergrund.

Absichtlich polarisieren

Florian Beer, Studienrat am Kolleg, hat vorgeschlagen, sich an der Aktion zu beteiligen: „Wir polarisieren damit natürlich“, sagt er. Wenn etwas vom Jüdischen Weltkongress komme, dann sei es an der Schule erfahrungsgemäß umstritten.

„Wir provozieren aber auch absichtlich, weil es immer wieder Aktionen an der Schule gab, die einen antisemitischen Beigeschmack hatten.“

Mehrere Zwischenfälle

Beispielsweise hätte an einer Tafel mal der Satz gestanden: „Fuck Israel, free Palestine“. Niemand wusste, wer ihn geschrieben hat.

Einen anderen Zwischenfall gab es, als das Kolleg als „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ ausgezeichnet worden ist. Dabei sei von einem Unbekannten Buttersäure im Eingang der Schule verteilt worden.

Auch offene Kritik

Kritik wird aber nicht nur anonym gezeigt, sondern im Umgang mit diesem Projekt auch sehr offen, sagt Beer. Als das Thema in den Klassen besprochen wurde, hätten einige muslimische Schüler offen gesagt, dass sie sich nicht an der Aktion beteiligen würden.

Einer von ihnen hätte gesagt, dass er das Foto gern machen kann, es aber auf gar keinen Fall im Internet veröffentlicht werden dürfe.

Angst vor der Community

Der Schüler hatte demnach Angst, erkannt zu werden, weil er in einem Essener Bezirk mit starker islamistischer Community lebt.

Andere hätten gesagt: „Warum immer die Juden? Es gibt schließlich auch andere Probleme auf der Welt“, über die man sprechen müsse. „Dieser Vorwurf der einseitigen Beschäftigung trifft aber nicht zu“, sagt Beer.

Mindestens ein Projekt im Jahr

Denn antirassistische Schulen müssen mindestens einmal im Jahr ein Projekt umsetzen, das sich mit dem Thema Diskriminierung beschäftigt.

Dabei würden vielfältige Themen behandelt. An der Schule arbeitet beispielsweise auch ein Mitglied des Zentralrats der Jesiden, das sich für die Jesiden in Syrien einsetzt.

Eine Frage der Menschlichkeit

Der Großteil der Studierenden trage die Holocaust-Gedenk-Aktion aber mit: Mehrere Schüler hätten sich beispielsweise trotz ihres muslimischen Hintergrundes sehr aktiv an der Schild-Aktion beteiligt und auch fotografieren lassen. „Für sie war es keine Frage des Glaubens, sondern der Menschlichkeit. Sie fanden das eine gute Sache“, sagt Beer.

Dass es auch negative Stimmen zu der Schilder-Aktion gibt, findet Schulleiter Günter Jahn gut und richtig. „Sie soll ja ein Nachdenken auslösen“, sagt er. „Dabei ist wichtig, dass sie auch Kritik auslöst. Das ist die Basis einer Diskussion.“

Außerdem sei es in gewissen Millieus eben gefordert, sich israelkritisch zu zeigen. Man müsse verstehen, dass Menschen sich dem Druck der Gruppe nicht entziehen und damit angreifbar machen wollen.

*Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel löste in sozialen Netzwerken ein starkes Echo aus. Dazu halten wir fest: Die im Text genannten Zitate und Fakten wurden vor der Veröffentlichung dieses Artikels seitens der Schulleitung und des Studienrats bei uns freigegeben.

 

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