Gelsenkirchen setzt in Schalke ein Zeichen gegen Rassismus

Buntes Fahnenmeer am Schalker Markt: Hier demonstrierten über 70 Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit.
Buntes Fahnenmeer am Schalker Markt: Hier demonstrierten über 70 Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit.
Foto: Martin Möller
Dort, wo eine Woche zuvor ein rumänischer Familienvater verprügelt wurde, trafen sich Menschen zu einer von Gelsenzentrum initiierten Anti-Rassismus-Kundgebung. Auch die Schalker Fan-Initiative gegen Rassismus und die IG Metall machten mit und zeigten Flagge gegen rechte Gesinnungen.

Gelsenkirchen.. „Wir haben das gelesen, und hier sind wir“: Helmut Schiffer und weitere Kollegen von der Schalker Fan-Initiative gegen Rassismus zeigen Samstagmittag Flagge im wahren Wortsinn. Königsblau-Weiß weht bei starkem Wind neben den dominierenden roten Fahnen der Linken und Ultralinken, neben Rot und Weiß auf dem Banner der IG Metall, neben dem weißen, beschrifteten Laken einer Gruppe junger Leute aus dem Stadtteil.

Über 70 Leute – das sind mehr als erwartet – drängen sich bei der von Gelsenzentrum initiierten Kundgebung gegen Rassismus auf dem Bürgersteig am Häusereck Gewerkenstraße/Schalker Markt.

Bürgerschaftliche Motivation

Hier hatte es Sonntag vor einer Woche einen Vorfall gegeben, der „Dank eines mutigen Anwohners öffentlich geworden ist“, sagt Andreas Jordan. Den Vorfall beschreibt das Bündnis gegen Rechts als rassistischen Angriff auf eine rumänische Familie, die erst wenige Tage am Schalker Markt 6 wohnte. „Bei der Attacke brüllten die Angreifer fremdenfeindliche Parolen.“

Aber es stehen auch Leute hier, die „nur“ politisch interessiert und angesichts des Vorfalls bürgerschaftlich motiviert sind. „Wir wollen zeigen, dass es in Gelsenkirchen Jugendliche gibt, die sich engagieren“, sagt etwa ein junger Mann aus der Gruppe Jüngerer, die eigens zu dem Zweck ein Bettlaken beschriftet haben. Namen? Nein, die möchte niemand von ihnen sagen. Weil eben nicht auszuschließen sei, „dass irgendwann einer vor deiner Haustür steht“.

Jordan kündigt an: „Wir kommen wieder“

Auch ein Neu-Gelsenkirchener, junger Familienvater, ist mit Frau und Kind gekommen. Er fragt mit Blick auf die Linken, warum man unbedingt mit Parteifahnen gegen Ausländerfeindlichkeit demonstrieren muss. „Viel wichtiger ist doch, dass man als Bürger Flagge gegen Rechts zeigt“, meint er. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen Leute, zum Teil im Rentenalter, die das Geschehen mit Abstand beobachten bzw. zuhören.

Hören, wie etwa Andreas Jordan sagt: „Wir stehen hier gemeinsam für eine solidarische Gesellschaft.“ Und falls sich so ein Vorfall wiederholen sollte, kündigt er gleich an: „Die Leute sollen wissen: Wir kommen wieder!“ Der 22-jährige Taylan Can nimmt das Mikrophon in die Hand. Der Kandidat für den Integrationsrat betont: „Ich möchte, dass wir hier bunt leben, gemeinsam und friedlich.“

IG-Metall-Erklärung für tolerantes Miteinander

IG Metall-Bevollmächtigter Robert Sadowsky verliest schließlich die Gelsenkirchener Erklärung seiner Gewerkschaft „für ein friedliches, tolerantes Miteinander aller Menschen in Gelsenkirchen“. Alle Redner verurteilen den Vorfall vom Schalker Markt 6 zutiefst. Dafür stehen sie an diesem Samstag hier und zeigen Flagge.

 
 

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