Das Ranking spiegelt die Finanzlage wider

Elisabeth Höving
Damit kann die Stadt punkten: das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen.
Damit kann die Stadt punkten: das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen.
Foto: www.blossey.eu
Beim Kultur-Städteranking landete Gelsenkirchen auf dem drittletzten Platz. Verglichen wurden Ausgaben und Besucher in den 30 größten deutschen Städten. Für Gelsenkirchens Kulturdezernenten Dr. Manfred Beck ist das Ergebnis keine große Überraschung.

Gelsenkirchen. Wenn man es denn positiv sehen will: Die Rote Laterne im Kultur-Städteranking geht nicht an Gelsenkirchen. Aber: Die Lichter der Lampe sind deutlich zu sehen. Die Stadt landete beim Vergleich des Kulturlebens und des Kulturangebots der 30 größten Städte Deutschlands auf dem drittletzten Platz.

Das private Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut verglich im Auftrag der Privatbank Berenberg die Summen, die die Städte in die Kultur investieren und die Zahlen derjenigen, die diese Angebote wahr nehmen. Gelsenkirchen schneidet bei diesem Vergleich nicht schlechter, aber auch nicht besser ab als im Jahre 2012. Noch schlechter kommen nur Wuppertal und Duisburg weg. Platz 1 belegt Stuttgart.

Strukturschwache Region

In der Studie werden zum Beispiel die öffentlichen Kulturausgaben pro Einwohner errechnet (GE Platz 25), Ausgaben für Bibliotheken (Platz 22), die Zahl der Theater- und Opernsitzplätze je 1000 Einwohner (Platz 21) oder die Kinoplätze je 1000 Einwohner (Platz 14). Bei den Museumsbesuchen je Einwohner landet Gelsenkirchen gar auf dem allerletzten Platz, deutlich besser aber steht die Stadt bei den Musikfestival-Besuchern da (Platz 15).

Gelsenkirchens Kulturdezernent Dr. Manfred Beck überrascht das negative Abschneiden nicht: „Allerdings bin ich ohnehin kein Freund von Rankings, auch nicht, wenn wir ganz oben stehen würden. Das Problem ist, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden.“ Auf die Städte bezogen heißt das: Es gibt finanzstarke Kommunen wie Stuttgart und strukturschwache wie die im Ruhrgebiet. Beck weiß auch: „Spitzenreiter Stuttgart beschäftigt 7,4 Prozent Arbeitnehmer in der Kulturwirtschaft, das ist ein schönes Ziel, das wir aber nie erreichen werden.“ Eine Stadt wie Stuttgart, ist sich Beck sicher, hätte auch kein Problem, die Tariferhöhungen für ein Orchester wie die Neue Philharmonie zu stemmen. Gelsenkirchen schon. Wobei Beck auch hier inzwischen optimistisch ist: „Wir werden einen Weg finden. Der erfordert aber, dass neue Gespräche geführt werden.“

Das Ergebnis des Städterankings empfindet der Kulturdezernent als Disqualifizierung all derjenigen, die sich um die Kultur in der Stadt bemühen und bezieht da auch die freie Szene mit ein, aber auch die Initiative der Stadt, die Bochumer Straße in ein Kreativquartier zu verwandeln. Der schlechte Platz spiegele, so Beck, aber auch die Situation einer strukturschwachen Region wider, in der Zuschüsse nicht sprudeln, „in der wir uns dennoch bemühen, identitätsstiftende Einrichtungen wie das Musiktheater und die Neue Philharmonie zu halten.“