Bürger machen ihrem Unmut über Straßenstrich an Adenauerallee in Gelsenkirchen Luft

Redaktion
Ihrem Unmut über den Straßenstrich Adenauerallee haben bei einer FDP-Veranstaltung einige Anwohner Luft gemacht: Von öffentlichem Oralsex am hellichten Tag, von Dreck auf Parkplätzen, von obszönen Gesten war die Rede. Die FDP will am Ball bleiben.

Gelsenkirchen. Der Schloss-Herr übt sich in vornehmer Zurückhaltung: „Dialog Adenauerallee“ steht am Dienstagabend auf den dezenten Hinweisschildern, mit denen im Foyer von Schloss Berge der Weg zur FDP-Veranstaltung zum Thema Straßenstrich gewiesen wird. Im Dialog der FDP mit rund 20 empörten Bürgern (und Anwohnern) geht es dann aber richtig zur Sache.

Die Frage der FDP-Stadt- und Bezirksverordneten Anne Schürmann, welche Erfahrungen die Anwesenden mit den „Auswüchsen“ des Straßenstrichs gemacht haben, bleibt nicht lange unbeantwortet. „Was hier abgeht, ist unterste Schublade“, sagt eine Erlerin, die täglich mit Hund in den Berger Anlagen spazieren geht. Sie habe erlebt, wie eine Mutter mit Kind von einem Freier gefragt worden sei: „Ist das Mädchen inklusive?“

Unfall wegen eines heraushängenden Busens?

Von Freiern berichtet ein anderer Bürger, die sich am hellichten Tag („um 16.45 Uhr“) und für Passanten sichtbar oral befriedigen ließen. Von benutzten Kondomen und verschmierten Taschentüchern auf Parkplätzen rund um die Adenauerallee bis hin zur Gesamtschule Berger Feld. Vom Ärgernis mit dem wochenlang abgestellten Wohnwagen. Von obszönen Gesten der leichten Damen. Vom Bogestra-Wartehäuschen, das tagsüber als Anbahnungszentrale missbraucht würden. Und dann habe es auch noch mitten auf der Adenauerallee gebumst, sagt Anne Schürmann. Eine Prostituierte haben „ihren Busen herausgehängt“, woraufhin es drei Autos vor ihr zu einem Auffahrunfall gekommen sei, erzählt die Liberale aus eigenem Erleben.

Man ziehe nicht grundsätzlich gegen Straßenprostitution ins Feld, sondern gegen diesen Standort, begründet Schürmann noch einmal den Vorstoß der FDP. Die neue Kinderklinik, das Reha-Zentrum, das beliebte Naherholungsgebiet, Hotel und Restaurant in Schloss Berge – all das spreche gegen den Strich auf der Adenauerallee.

"Sperrbezirk durchsetzen"

„Wir brauchen Ihre Unterstützung“, appelliert FDP-Ratsfraktions-Chefin Susanne Schaperdot an die Anwesenden. Jeder Vorfall müsse künftig an Polizei oder Ordnungsamt gemeldet werden. Nur dann gebe es überhaupt eine Chance, dass die Stadt bei der Bezirksregierung einen Antrag auf Einrichtung eines Sperrbezirks Adenauerallee stelle. Auch die FDP will weiter trommeln - u.a. mit dem Sammeln von Unterschriften. Diverse Beschwerden bei Polizei und Stadt habe es bereits gegeben, berichten Bürger. Tenor: Man fühle sich nicht ernst genommen. Und: Das Ordnungsreferat zeige Verständnis, habe aber im „Behördendschungel“ resigniert.

Der Abend endet mit einem Versprechen: „Wir werden alles tun, um hier einen Sperrbezirk durchzusetzen“, sagt Anne Schürmann. Die Bürger applaudieren. Nicht vornehm zurückhaltend, sondern lautstark.