Benzinpreise bringen Schub für die Hybrid-Technik

Seit gut einem Jahr ist Baustellen-Kontrolleur Ludger Hoffterheide Elektro-Vielfahrer. Das Aufladekabel hat er immer im ELE-Fiat  dabei.
Seit gut einem Jahr ist Baustellen-Kontrolleur Ludger Hoffterheide Elektro-Vielfahrer. Das Aufladekabel hat er immer im ELE-Fiat dabei.
Foto: WAZ FotoPool
Die hohen Spritpreise bewegen manche zum Elektro-Einstieg. Fürs Autohaus Glückauf ist der Toyota Yaris ein Erfolgsmodell. Die Lieferfrist liegt aktuell bei fast fünf Monaten. Die ELE-Stromflotte ist im Dauereinsatz – und hat sich in der Praxis bewährt.

Gelsenkirchen. Benzinpreise jenseits der 1,70 Euro pro Liter und Hochpreis-Schlachten an den Zapfsäulen erzeugen durchaus Krisen-Gewinnler. Im Autohaus Glückauf darf man sich derzeit wohl auf der Sieger-Seite fühlen. Die Nachfrage nach Hybrid-Fahrzeugen hat beim Toyota-Händler in Gelsenkirchen rasant zugenommen.

Hybrid, diese Mischung aus Verbrennungs- und Elektromotor, das ist bisher – wie das Fachblatt Auto Motor und Sport schreibt – „kein Markt, das ist eine Mission“. Nur 0,4 Prozent von 3,1 Mio zugelassenen Fahrzeugen waren 2011 Hybride. (Reine) Elektrofahrzeuge wie Opel Ampera oder „Mischlinge“ wie Volvo V 60, BMW Active Hybrid 5 (Basispreis rund 63.000 Euro) oder Citroen DS 5 zählen noch zur Exoten-Liga: selten und teuer.

Fünf Monate Lieferzeit

Doch Elektro zieht kräftig an. Anfang des Jahres bekamen Kunden einen neuen Toyota Yaris nach sechs bis sieben Wochen geliefert. Aktuell müssen sie fast fünf Monate warten. „Durch den Preis ist der Typ für die breite Masse interessanter geworden. Die Europa-Produktion ist schon für dieses Jahr ausverkauft.

[kein Linktext vorhanden]Das Auto ist so gut angelaufen, dass Händler keine Wagen mehr haben. Und ihre Vorführfahrzeuge geben sie natürlich nicht her“, sagt Stefan Kownatka. Für den Filialleiter im Toyota-Haus an der Feldhauser Straße läuft’s derzeit rund, auch wenn er keine konkreten Verkaufszahlen nennen mag. Mit den Modellen Auris und Yaris hat das Thema Hybrid 2010 und 2012 richtig Schub bekommen. Auch weil die Marke aktuell werbemäßig äußerst präsent ist.

Es ist nicht nur die Promi-Wirkung

Das Tatort-Duo aus Münster gibt mit gewohnt trockenem Humor in TV-Spots Gas, Sängerin Stefanie Heinzmann fuhr auf Werbetour als Hybrid-Taxifahrerin durch die Republik und machte auch bei Glückauf Station. Doch die Promi-Wirkung ist es nicht allein. „Viele Leute suchen Alternativen. Sei ärgert der hohe Spritpreis“, sagt Kownatka, der Kunden der typischen Zielgruppe als durchaus „grün angehaucht“ und technisch fortschrittlich beschreiben würde. Und so landen sie beim Marktführer.

Die Fahrleistung pro Kopf geht in Deutschland zurück. Für Kurz- und Mittelstrecken ist die Hybrid-Technik „am effizientesten“, nur für Vielfahrer bleibt der Diesel (vorerst) erste Wahl, meint der Händler. Der Aufklärungsbedarf der potenziellen Kundschaft bleibt dennoch hoch. „Viele fragen immer noch, ob die Wagen zwischendurch an die Steckdosen müssen“ – nein, müssen sie nicht. Und selbst bei Vollhybrid-Fahrzeugen wie dem Lexus ist eine externe Stromzufuhr nicht mehr nötig. Die Batterie wird beim Bremsen und im Schubbetrieb immer wieder automatisch aufgeladen.

Bis zu 100 Kilometer täglich

Noch an den Stecker müssen die reinen Elektrofahrzeuge, die für die ELE (und die Stadt) im Einsatz sind. Der Energiedienstleister hat, auch aus Imagegründen, Fiat 500 in der E-Version und einen Citroen in der Dienstwagenflotte. Langsam, sagt Unternehmenssprecher Peter Efing, „gehen die Preise für die Fahrzeuge ja auf Zahlen zu, die man sich ernsthaft vorstellen will.“ Sprich: bisher waren Elektroautos keine rechnerische Alternative.

Im Dauereinsatz bewegt Ludger Hoffterheide einen der ELE-500er. Täglich ist er für die Stadt als Baustellenkontrolleur unterwegs. „Da kommen so 100 bis 110 km zusammen“, sagt er. Die Reichweite des Fiats mit einer Batterieladung reicht für 150 km. Bislang ist Hoffterheide nie der „Saft“ ausgegangen. „Die Beschleunigung ist gut, und 110 km Höchstgeschwindigkeit reichen, um auf der Autobahn mitzuschwimmen.“ Im Praxisalltag hat sich bei dem älteren E-Modell der Winter als Herausforderung gezeigt. Nicht, weil das Auto nicht losschnurren würde. Die Heizung, aus einer Benzin-Standheizung gespeist, macht’s nicht gerade muckelig. Italiener halt.

 
 

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