Bei InnovationCity gibt’s Zoff

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Gelsenkirchen/Herten. Es gibt Zoff bei InnovationCity: Die gemeinsame Bewerbung von Herten und Gelsenkirchen stößt bei einigen Konkurrenten des Städte-Tandems sauer auf. Zu üppig seien die Bewerbungsunterlagen und dann auch noch in zu kleiner Schrift.

Mit bunten Luftballons unter blauem Himmel empfingen Gelsenkirchen und Herten am Mittwoch auf der Zeche Westerholt die Jury, die die fünf InnovationCity-Finalstädte bereiste. Doch jetzt beschwert sich die Konkurrenz über die Bewerbung des Städte-Tandems.

Zu üppig – 110 statt der erlaubten 60 Seiten – sei die Doppelstadt-Bewerbung und dann auch noch in zu kleiner Schrift „mit besonders schmalen Buchstaben“, beklagen sich die Baudezernate von Bochum, Bottrop, Essen, Mülheim in einem Schreiben an die Organisatoren des vom Initiativkreis Ruhrgebiet ausgelobten Wettbewerbs um die Klimaschutz-Modellstatt im Revier.

Das sei kein „fairer“ Wettbewerb mehr, mokieren sich die Klageführer und zürnen zudem darüber, dass Gelsenkirchen und Herten ihre Bewerbung öffentlich gemacht und gar ins Internet gestellt haben. Außerdem lebten im Modellgebiet nicht wie gefordert 50 000 Einwohner, sondern 79 000, was auch noch über der möglichen Spannbreite von maximal 70 000 liege.

„Anschwärzerei“

Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski und Hertens Bürgermeister Ulrich Paetzel bleiben angesichts der „Anschwärzerei“ der Revierkonkurrenz bemerkenswert sachlich und halten den Ball flach: Sie „bedauern es ausdrücklich, dass im Rahmen der Bewerbung derzeit offenbar eher über Formalia als über Inhalte diskutiert wird“. Intern fallen andere Begriffe: „Kinderkram“ etwa. Auf Oberbürgermeister-Ebene war der Vorstoß der anderen Städte bisher kein Thema. Es habe auch keinen Vorabhinweis gegeben, heißt es.

Flugs hat man in beiden Städten die in der Tat aufwendig gestaltete Bewerbungsmappe all der Grafiken und Bilder entledigt, die bei den anderen Städten in einem üppigen Anhang extra angefügt waren. Und siehe da: Der reine Fließtext endet bei Seite 58. Und für die mit den lesbareren Grafiken verständlichere Fassung habe man die höhere Seitenzahl „bewusst in Kauf genommen“, um die Bewerbung auch der Öffentlichkeit zugänglich und für sie verständlich zu machen“, erklären Baranowski und Paetzel.

Bürgernähe und Bürgerbeteiligung

Stichwort Öffentlichkeit: Gerade in der geforderten Bürgernähe und Bürgerbeteiligung sehen Gelsenkirchen und Herten eine der Stärken ihrer Bewerbung. „Dann wollen wir die Bürger auch informieren“ , stellte Baranowski gegenüber der WAZ klar. Die Pressekonferenz vergangene Woche habe man mit dem Initiativkreis abgestimmt. „Es gab kein Einwände“, ergänzt Paetzel.

Beim Initiativkreis blieb man auf WAZ-Nachfrage gelassen: Zwar hieß es in einer Antwort an die Klageführer, dass die Veröffentlichung „nicht in unserem Sinne“ gewesen sei, Bewertungen seien aber Sache der Jury: „Wir mischen uns nicht ein:“

 
 

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