Zu teuer, zu anfällig – Essener Spurbus vor dem Aus

47 Spurbusse gibt es. Wird das Spur-System abgeschafft, könnten sie  als normale Busse weiter fahren. Archivbild: Ulrich von Born
47 Spurbusse gibt es. Wird das Spur-System abgeschafft, könnten sie als normale Busse weiter fahren. Archivbild: Ulrich von Born
Der Spurbus – ein ÖPNV-Modell made in Essen – ist zu teuer und zu anfällig, beklagt die Evag. Verkehrsplaner in Essen prüfen darum Alternativen zum Spurbus-System. Bis 2015 soll das Konzept fertig sein. Ein mögliches Szenario: Die Busspur auf der A40 wird zu einer Fahrbahn umgebaut.

Essen.. Es war ein so einzigartiges Pilotprojekt, das in den 80er Jahren sogar Delegationen aus Brasilien und Asien den langen Weg nach Essen nicht scheuten, um vor Ort das neueste Verkehrsmittel zu bestaunen: den Spurbus, der mit speziellen Rollen auf Betonspuren und gar auf Straßenbahntrassen fahren kann. Doch das einst so hoffnungsvolle ÖPNV-Modell made in Essen hat sich nicht durchgesetzt. Essen bleibt weit und breit allein auf dieser Spur zurück. Die EVAG klagt heute über zu hohe Reparatur- und Wartungskosten und immer größere Probleme bei Ersatzteilen, die es oft nicht mehr gibt. Die Verkehrsexperten suchen nach einem Ausstieg für den Spurbus, der derzeit noch von den vier Buslinien 142, 145, 146 und 147 benutzt wird.

Die Via-Verkehrsgesellschaft prüft die möglichen Szenarien. Für den Bereichsleiter des Verkehrsmanagements, Christoph Lademann, ist dabei entscheidend: „Wir schauen, was wirtschaftlich und verkehrlich sinnvoll ist.“ Anfang 2015 soll das Konzept stehen. Schaffen die Tüftler es, eine einigermaßen akzeptable Alternative anzubieten, dann wäre das Schicksal des Spurbusses endgültig besiegelt.

Ampelschaltungen müssten geändert werden

Das würde am ehesten noch für die etwa ein Kilometer lange Trasse auf der Wittenbergstraße zutreffen. Denn dort könnten die Busse auch auf der normalen Fahrbahn verkehren. Der Kfz-Verkehr ist nicht so stark, dass er die Busse ausbremsen würde. Allerdings müssten die Ampelschaltungen an den Kreuzungen geändert werden, um Zeitverluste zu vermeiden. Die Frage ist auch, wie dann künftig ein barrierefreier Einstieg an den Haltestellen gewährleistet werden kann, wenn die Busse am Straßenrand halten. Letztlich ist zu klären, was mit der Busspur-Trasse geschieht. Ein Rückbau könnte teuer werden. Eine Fahrrad-Trasse auf der Betonspur ist eigentlich überflüssig, da die Wittenbergstraße schon über einen Radweg verfügt. Möglich wäre ein begrünter Mittelstreifen - aber wer zahlt dafür?

Vor weitaus größeren Problemen stehen die Planer bei der Spurbus-Verbindung zwischen Kray und Wasserturm, die mitten auf der A40 entlang führt. Die Linien 146 und 147 schaffen diese Strecke in nur acht Minuten. Möglich wäre, die Trasse zu einer ganz normalen Fahrbahn mit einer neuen Tragschicht umzubauen. Dann wären die Rollen an den Bussen überflüssig. Aber: Die Strecke ist für einen gleichzeitigen Gegenverkehr an einigen Stellen zu schmal. Wo nur eine einspurige Benutzung möglich, müssten also Ampeln aufgestellt werden, vor denen der Bus aus der Gegenrichtung stoppen und warten muss. Der Nachteil: Der Fahrer braucht mehr Zeit für die Strecke. Wie viel mehr, steht noch nicht fest. Auch ein Schnellbus auf der Autobahn käme wohl nur langsamer voran.

Wäre die S-Bahnlinie S2 zwischen Kray und Hauptbahnhof eine Alternative? Wenn ja, dann müssten die S-Bahnen öfters als bisher fahren. Sie pendeln nur im Ein-Stunden-Takt.

 
 

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