Essen

Wie eine Ärztin Jugendliche aus dem Essener Norden und Süden zusammenbringen will

Diese Ärztin bringt Jugendliche aus dem Essener Norden und Süden zusammen

Die Ärztin Shabnam Fahimi-Weber versucht mit einem Sprachprojekt Jugendliche aus dem Essener Norden und Süden zusammen zu bringen.

Die Ärztin Shabnam Fahimi-Weber versucht mit einem Sprachprojekt Jugendliche aus dem Essener Norden und Süden zusammen zu bringen.

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  • Ärztin aus Essen hat den Verein "Sprache- verbindet" gegründet
  • Der Verein soll Kinder aus dem Essener Süden und dem Norden zusammenbringen
  • Kinder sollen ihre Deutschkenntnisse verbessern

Essen. „Als Ärztin hatte ich meine erste Praxis in Altendorf. Schon zu dieser Zeit ist mir aufgefallen, dass es dort viele sozial-benachteiligte Kinder gibt,“ sagt die Essener HNO-Ärztin Shabnam Fahimi-Weber.

Heute arbeitet sie in zwei verschiedenen Arztpraxen. Täglich zeigen die zwei Standorte im Essener Süden und Norden der Ärztin oft große soziale Unterschiede auf: Die eine Praxis ist am Rüttenscheider Stern, die andere im Stadtteil Borbeck.

„Viele leben in dieser Stadt aneinander vorbei“

„In Essen passiert so viel, doch trotzdem leben in dieser Stadt viele Menschen komplett aneinander vorbei. Mit einem Kollegen kam ich dann auf einem Kongress auf die Idee, mit irgendeinem Projekt beide Gruppen zusammenzubringen“, sagt Shabnam Fahimi-Weber.

Auch bei Menschen aus dem Umfeld der Ärztin bekam sie mit, dass sie nur in Rüttenscheid und ähnlichen Stadtteilen ausgehen. „Viele meiner Freunde überqueren diese Grenze nicht." Den Norden der Stadt würden sie daher meist überhaupt nicht kennen, erzählt die Ärztin.

Durch ihre tägliche Arbeit mit kleinen Patienten und deren Eltern weiß sie: „Auch manche Kinder aus dem Süden waren noch niemals in Altendorf." Nach einer Weile dachte sie sich: Das kann doch nicht sein. Wichtig für den sozialen Aufstieg sei vor allem, die deutsche Sprache gut zu beherrschen, erklärt Fahimi- Weber.

„Die spricht zwar nicht gut deutsch, aber ist total intelligent“

„Auch ich gehörte zu den Kindern, die sprachlich gefördert werden mussten“ sagt Hals-Nasen Ohren Ärztin Shabnam Fahimi-Weber. Als Jugendliche kam sie einst aus dem Iran nach Düsseldorf. In Mathe und anderen Fächern war sie richtig gut, doch mit der deutschen Sprache haperte es anfangs noch.

„Die Kinder haben ja zum Teil überhaupt keinen Erwachsenen in ihrem Umfeld, der das Gymnasium besucht, geschweige denn das Abitur gemacht hat - das kennen sie gar nicht.“

Abiturienten: „Die wohnen zu siebt in einer Wohnung - das gibt's doch gar nicht“

„Die Idee des Zusammenbringens will ich irgendwie verwirklichen. So kam das Projekt zustande und ich will versuchen, damit Akzente zu setzen, die das erreichen werden.“

Jugendliche aus dem Essener Süden übernehmen im Projekt Patenschaften für kleinere Kinder aus dem Essener Norden und Umkreis.

Auch Klara und ihr Patenkind Lari (6) lesen zusammen Bücher und erzählen sich Geschichten.„Ich wohne in Essen- Süd und bin Patin von Lari, der im Nordviertel wohnt. Wir sehen uns jede Woche einmal und lernen zusammen ein wenig Deutsch,“ sagt Gymnasiastin Klara Horst.

Fahimi- Weber: „Das Schöne am Projekt ist, dass beide Seiten profitieren. Jeder lernt das Leben des anderen kennen. Manchmal wundern sich Abiturienten auch und erzählen uns bei den Treffen:, „Die wohnen zu siebt in einer Wohnung - das gibts doch gar nicht.“ Bisher nehmen 15 Kinder jeweils mit ihren Paten teil.

„Ganz neue Vorbilder“

Der Hals-Nasen-Ohren Ärztin liegen vor allem die Deutschkenntnisse der Kinder am Herzen. Gut deutsch sprechen zu können sei der Schlüssel zu allem. „Die Kinder verlassen sonst die Schule und sprechen nur noch türkisch, afghanisch oder iranisch. Mit ihrer Patin müssen sie aber deutsch sprechen und werden dadurch im Laufe der Zeit flüssiger im Erzählen.“

Doch am Bedeutendsten findet Fahimi-Weber den Vorbildcharakter des Projekts: Teilweise hätten Kinder aus dem Essener Norden kaum Menschen in ihrem Umfeld, die Abitur haben oder ein Studium abgeschlossen haben. „Es ist schön für die Kinder, mit den Paten ganz neue Vorbilder zu bekommen, da ist plötzlich eine attraktive Person, mit Abitur, zu der man aufschauen kann und sieht, was alles möglich ist.“

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