Wie das Ruhrgebiet zum Park wurde

Thomas Mader
Foto: WAZ FotoPool

Manchmal könnte man vor lauter Vorstadt ganz vergessen, was für ein komplexes Gebilde dieses Ruhrgebiet eigentlich ist. Diese von Menschenhand geformte Landschaft – eine neue Ausstellung auf dem Welterbe Zollverein erinnert nun daran, dass dieser wundersame Wandel einer ganzen Region von grauer zu grüner Infrastruktur kein natürlicher Prozess ist – sondern von Planern gestaltet wird.

Leider, muss man sagen, nimmt die Ausstellung „Produktive Stadtlandschaften“ des „M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst“ aber viel zu häufig die Perspektive dieser Planer ein.

Fachmagazin auf Stellwänden

Unter großformatigen Reviermotiven: Karten, viele bunte Karten, und Text, viel zu viel abstrakter Text zum „Emscher Landschaftspark“ – ein großer Teil der Ausstellung wirkt, als hätte man ein Fachmagazin auf Stellwände gezogen.

Wer jedoch Lust hat, sich vor allem auf die Karten einzulassen, gelangt zu erstaunlichen Erkenntnissen: Wie wenig Gewerbeflächen das Ruhrgebiet nur noch hat! Und wie wäre es mit einem Bio-Montan-Park im Revier: Auf Industriebrachen könnte Biomasse für die Energiegewinnung produziert werden – bis jemand eine bessere Idee hat.
Zukunftsmusik spielt auch bei einigen anderen Projekten mit, die hier vorgestellt werden: Im Brooklyn Bridge Park von New York wird privates Kapital eingebunden, um Parks zu gestalten; offenbar haben die Investoren ein Interesse, ihre anliegenden Immobilien aufzuwerten. Und Kopenhagen will 40 Prozent aller Pendler aufs Rad bekommen – die geplante Radautobahn entlang der A 40 lässt grüßen.

Auch die Urban-Gardening-Fläche mit Tomaten und Erdbeeren in Pflanzsäcken vor Industriekulisse – endlich mal was Sinnliches – ist nicht beliebig. In diesem Trend wird deutlich, wie Bürger öffentlichen Raum gestalten können, dass es ein Aufbegehren gibt, welche Kräfte sich gegenüberstehen.

Die Verflochtenheit des Reviers

Auf einer Stellwand finden wir das Zitat von Karl Ganser, dem Kopf der IBA Emscherpark: „100 Jahre folgte die Entwicklung der Logik Stadt frisst Landschaft. Nun wird diese für die nächsten 100 Jahre umgedreht: Landschaft frisst Stadt.“ Der letzte Satz ist zu recht Untertitel der Ausstellung – ein hübscher Perspektivwechsel.

Dies ist erst die zweite Schau, die das frisch renovierte Kammgebäude der Kokerei Zollverein bespielt – ehemalige Maschinenhäuser, aneinandergereiht wie die Zacken eines Kamms, so einige Installationen sind erhalten geblieben.

Ein neues Juwel auf dem Gelände des Welterbes. Sie finden es leicht: Studenten der Alanus Hochschule für Kunst bei Bonn haben ein kunstvolles Gespinst davor installiert. Es symbolisiert, genau: Das Revier in seiner ganz eigenen wunderbaren Verflochtenheit.