Wie das Museum Folkwang neue Besucher gewinnen will

Martina Schürmann
Publikums-Schlangen wie diese erlebt das Museum Folkwang nur bei seinen großen Sonderschauen, wie hier beim „Farbenrausch“ Ende 2012.
Publikums-Schlangen wie diese erlebt das Museum Folkwang nur bei seinen großen Sonderschauen, wie hier beim „Farbenrausch“ Ende 2012.
Foto: Kerstin Kokoska
Direktor Tobia Bezzola plant mehrmals pro Monat freien Eintritt, damit mehr Besucher in die ständige Sammlung kommen. Sponsoren sollen Einnahmeausfälle tragen. Zwischen den Sonderschauen ist das Haus oft zu leer.

Essen. Für den verstorbenen Chef der Krupp-Stiftung Berthold Beitz war das neue Museum Folkwang ein „Geschenk der Stiftung an die Essener Bürger“. Folkwang-Direktor Tobia Bezzola möchte dieses Geschenk jetzt noch zugänglicher machen. Wenn es nach dem Willen des Museums-Chefs geht, soll die ständige Sammlung mit ihren berühmten Meisterwerken zumindest am Wochenende ohne Eintritt zu besichtigen sein: „Das wäre ein starkes Signal in die Stadt.“

Grund für diesen Vorstoß: „Das Museum ist lange fast ein bisschen wie ein Festspielhaus geführt worden, immer auf die nächste Großausstellung hin ausgerichtet. Aber dazwischen ist das Haus dann zeitweise beinahe leer“, sagt Bezzola. „Wir werden auch andere Wege finden müssen, das Museum zu beleben. Das wird vermutlich eine Weile dauern“, mutmaßt der Folkwang-Chef. „Viele wissen gar nicht, dass hier immer etwas los ist.“

Unterstützung bekommt er von Kulturdezernent Andreas Bomheuer,: „So erfahren auch Menschen von den Folkwang-Schätzen, die sonst vielleicht nicht ins Museum gegangen wären.“ Allerdings gelte das Gebot: „Wer auf Einnahmen verzichtet, muss den Verlust kompensieren.“ Geplant ist deshalb, Unternehmen als Sponsoren für eintrittsfreie Tage zu gewinnen.

"Inspiration Japan" ab September 2014

Hintergrund der Überlegungen ist zum einen die Frage, wie man das Publikum jenseits der großen Sonderschauen künftig stärker für die erlesene Osthaus-Sammlung begeistern kann. „Wenn Sie die Bestände in Berlin zeigen würden, hätten sie 1000 Besucher am Tag, das wäre ein Selbstläufer“, weiß Bezzola. In Essen kann der schöne große Chipperfield-Bau zumal an Werktagen schon mal etwas ausgestorben wirken. Vor allem junge Leute, Familien, Studenten, Schüler will Bezzola mit dem eintrittsfreien Zugang deshalb langfristig gewinnen. Die letzte Besucher-Erhebung zur „Farbenrausch“-Ausstellung hat schließlich ergeben: 75 Prozent der Gäste waren über 70.

Zudem bleibt die Frage, wie solche spektakulären Kunst-Großereignisse, mit denen Folkwang in den vergangenen Jahren Rekordzahlen und Schlagzeilen geschrieben hat, angesichts der wirtschaftlichen Lage künftig zu stemmen sind. Für 2014 sind die Kooperationsvereinbarungen mit Großsponsor Eon schon abgeschlossen.

Ab September 2014 zeigt Folkwang die „Inspiration Japan“ mit Gemälden von van Gogh, Gauguin und Monet. Doch Bezzola will künftig kontinuierlichere Anreize für den Folkwang-Besuch schaffen. Noch in diesem Herbst startet ein Reigen von Ausstellungsprojekten, nach Bildhauer-Star Thomas Schütte wird im November erstmals die Sammlung Scheidegger mit den weltberühmten Foto-Ikonen von Robert Capa gezeigt. 2014 ist bereits eine Balthus-Austellung und eine Karl Lagerfeld-Schau geplant.