Wenn Deutschlands größte Tanzstars in Essen feiern

Klaus Albrecht
Die Preisverleihung wurde von einer imposanten Show begleitet. Im Bild: Das Aalto-Ballett mit „Deca Dance – Echad Mi Yodea“
Die Preisverleihung wurde von einer imposanten Show begleitet. Im Bild: Das Aalto-Ballett mit „Deca Dance – Echad Mi Yodea“
Foto: WAZ FotoPool
Das Aalto-Theater in Essen als Treffpunkt der Ballett-Elite: Am Opernplatz wurden am Samstagabend die Deutschen Tanzpreise verliehen. Die Gala geriet zu einer hochkarätigen Leistungsschau der Szene. Zu den Geehrten gehören Bertram Müller, Nina Hümpel und Demis Volpi.

Essen. Bertram Müller gehört nicht zu den Preisträgern, die von der Pike auf die Tanzbühne erobert haben. Dennoch hat der gelernte Theologe, Lehrer und Psychotherapeut den Tanz in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt und mit der Gründung des „tanzhaus nrw“ etwas europaweit Einzigartiges geschaffen. Einen „Ort der interkulturellen Begegnung“, so NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze in ihrer Laudatio, den er 35 Jahre lang als Intendant geformt hat: offen für alle Generationen, Nationalitäten und Tanzströmungen. Dafür erhielt Bertram Müller am Wochenende im Aalto-Theater aus der Hand von Jaš Otrin den Deutschen Tanzpreis 2014.

Zu einer hochkarätigen, abwechslungsreichen Leistungs-schau der Tanzszene geriet die vierstündige Ballett-Gala, der auch Bundestagspräsident Norbert Lammert als Schirmherr des Fördervereins Tanzkunst Deutschland und „Schutzengel des Tanzes“ (Bertram Müller) beiwohnte.

„Zukunfts“-Preis für Demis Volpi

Allein für den Geehrten fuhr man die ganze stilistische Vielfalt auf: War Israel Galván Tänzer und Musiker in einer Person, wenn er seinen Körper als Perkussionsinstrument auslotete, feierte Ben van Cauwenbergh mit „Non, je ne regrette rien“ die umjubelte Wiedergeburt des Spitzentanzes. Die Brutalität von „reading tosca“ (Toula Limnaios) mit der bemerkenswert guten elektronischen Musik von Ralf Ollertz kontrastierte mit dem reinen, präzisen Tanzvergnügen à la William Forsythe zu Schuberts „Siebter“.

Der Deutsche Tanzpreis „Zukunft“ ging an den 28-jährigen Demis Volpi, einen der führenden jungen Choreographen. Vivien Arnold vom Stuttgarter Ballett betonte, dass sich der gebürtige Argentinier in seinem Schaffen viele Gedanken über die Freiheit mache. So auch in seinem ersten abendfüllenden Ballett „Krabat“ mit seiner enorm eindrücklichen Bildersprache und Musik – einem Werk um den Magier des Bösen und seinen Zauberlehrling, der sich aus dem Bann des Meisters befreit.

Als Pionier auf dem Gebiet des Internet wurde schließlich Nina Hümpel mit dem diesjährigen Anerkennungspreis geehrt. Mit ihrer Website „tanznetz.de“ habe sie 1996 vorausschauend dem Tanz eine aktuelle, zeitgemäße Plattform geschaffen, auf der von Fachjournalisten sowohl aus den großen Metropolen wie auch aus der Provinz berichtet werde. Laudatorin Bettina Wagner-Bergelt vom Bayerischen Staatsballett hatte für sie das Stück „New 45“ mitgebracht: clowneske Körperakrobatik in federleichter jazziger Unbeschwertheit.

Die reine Freude, wie alle Beiträge an diesem Abend.