Warum Essens Politik dem Fastenbrechen mit Muslimen fernbleibt

Markus Grenz
Voll war es 2012 beim Fastenbrechen im Zelt auf dem Katernberger Markt. Die Veranstaltung hat hohen Symbolwert. In diesem Jahr jedoch werden nicht allzu viele Gäste kommen.
Voll war es 2012 beim Fastenbrechen im Zelt auf dem Katernberger Markt. Die Veranstaltung hat hohen Symbolwert. In diesem Jahr jedoch werden nicht allzu viele Gäste kommen.
Foto: WAZ FotoPool
Einer der wichtigsten Termine der Integrationspolitik in Essen wird am Samstag ohne Oberbürgermeister Reinhard Paß und die örtliche Politik stattfinden. Einer der Mitveranstalter, der Islamische Bund Essen, ist seit langem im Visier des Verfassungsschutzes.

Essen. Jahr für Jahr bringt die Kommission „Islam und Moscheen in Essen“ in Zusammenarbeit mit dem „Initiativkreis Religion“ hunderte Gäste beim Fastenbrechen an einen Tisch – vom Oberbürgermeister bis zum neugierigen Nachbarn. Dieser Tisch wird am kommenden Samstagabend ab 21 Uhr in der Moschee an der Altenessener Heßlerstraße wohl ziemlich leer bleiben. Ein Mitveranstalter, der Islamische Bund Essen, steht seit längerem im Fokus von Polizei und Verfassungsschutz. Auch Oberbürgermeister Reinhard Paß kommt nicht.

Ein Verfahren u. a. wegen Volksverhetzung und Bildung einer terroristischen Vereinigung mit „unbekanntem Ausgang“ im Jahr 2005; ein Auftritt des bundesweit bekannten Islamisten Pierre Vogel aus dem Jahr 2008; Hinweise darauf, dass die Moschee „durchaus salafistisch geprägt“ ist: Das sind nur einige Beispiele aus dem Schreiben des NRW-Innenministeriums über die Abu Bakr Moschee an der Altenessener Straße. Die Moschee beheimatet den Islamischen Bund Essen. Den Text hat Dezernent Andreas Bomheuer bei der Behörde anfordern lassen. Er liegt dieser Zeitung vor. Bomheuer hat bereits aus „privaten terminlichen Verpflichtungen“ Abstand vom Samstagabend genommen. Auch auf andere Vertreter der Stadtspitze wird man vergeblich warten, ebenso auf zumindest große Teile der Politiker der örtlichen Bezirksvertretung.

„Absoluter Blödsinn“

Organisator Mohammet Balaban, Ex-Vorsitzender des Integrationsrates, ist „sehr enttäuscht“: „Es ist nicht in Ordnung, die Veranstaltung durch Gerüchte in den Schmutz zu ziehen. Wer von einer Plattform keinen Gebrauch macht, auf der geredet werden kann, meint es nicht gut.“ Von alten Plänen, 700 Gäste in einem Zelt auf dem Altenessener Markt unterzubringen, ist er abgerückt. Der Treff in der kleinen Ditib-Moschee an der abgelegenen Heßlerstraße wird weit weniger Resonanz erfahren.

Ob die Anwürfe nur Gerüchte sind, ist schwer festzustellen. Das Ministerium schreibt auch, dass dem Verfassungsschutz keine „eigenen aktuellen Erkenntnisse zu den Aktivitäten innerhalb der Moscheegemeinde“ vorliegen. Jedoch scheine sich die Moschee bis in die jüngste Zeit „im Spektrum des politischen Salafismus bewegt zu haben.“

Kein "Salafismus-Stempel" erwünscht

Die Verantwortlichen der Moschee räumen Fehler in der Vergangenheit ein. „Uns aber als Salafisten abzustempeln, ist absoluter Blödsinn. Wenn man mit uns reden möchte, sind wir immer bereit“, sagt Abdelghani Jaouhar, Vorstandsvorsitzender des Islamischen Bundes. Er sieht die Ursache der „Gerüchte“ in den Plänen des Vereins, sich in Altenessen zu vergrößern: „Die Menschen haben Angst.“