Vom Obdachlosem zum Herausgeber eines Essener Straßenmagazins

Julia Witte
Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool
Alexandros Ahmet ist frischgebackener Herausgeber des Essener Straßenmagazins "Paperboy", das auf Eigeninitiative von Obdachlosen oder Hartz IV-Empfängern verkauft wird. So will Ahmet "anderen, armen Menschen helfen". Der 40-Jährige war selbst ganz unten und hat sich wieder hochgekämpft.

Essen. Wir treffen Alexandros Ahmet in einem Café am Isenbergplatz. Der 40-Jährige mit dem weißen Hemd und dem schwarzen Sakko ist seit kurzem stolzer Herausgeber. Im Oktober feierte sein Magazin „Paperboy“ Premiere; im November folgte Heft Nummer zwei. Und das, obwohl Ahmet keinerlei journalistischen Erfahrungen hat.

Dafür kennt er sich aber bestens mit dem Konzept aus, denn bei „Paperboy“ handelt es sich um ein Straßenmagazin, das auf Eigeninitiative von Obdachlosen oder Hartz IV-Empfängern auf der Straße verkauft wird. Genau mit solch einem Magazin hielt sich der frischgebackene Herausgeber selbst eine ganze Zeit lang als Obdachloser über Wasser.

Sein Leben auf der Straße begann, als er nach Griechenland reiste, um dort seinen Vater zu suchen. 20 Jahre hatte er ihn nicht mehr gesehen, fand ihn letztlich über einen griechischen Fernsehsender. Doch das Wiedersehen war eher ernüchternd als erfreulich, und das Schicksal nahm seinen Lauf: „Ich jobbte auf Olivenplantagen, verdiente mir mit Betteln etwas dazu und fing das Trinken an“, blickt Ahmet zurück.

In der Schweiz verkaufte Alexandros Ahmet zum ersten Mal ein Straßenmagazin

Von Griechenland aus ging es schließlich nach Italien, von Italien in die Schweiz. Überall ohne Geld, ohne Job, ohne ein Dach über dem Kopf. „In der Schweiz verkaufte ich zum ersten Mal ein Straßenmagazin. Es ist ein viel besseres Gefühl, sein Geld mit ehrlicher Arbeit zu verdienen. Beim Betteln fühlte ich mich so erniedrigt“, so Ahmet.

Zurück in Essen machte er mit dem Verkauf einer Straßenzeitung weiter, bekam nach einer Therapie seine Alkoholsucht in den Griff und geht seitdem einem 400-Euro-Job in einem Supermarkt nach. Und: Er schläft nachts in einer Wohnung, die er sich mit einem Hund und mit einer Katze teilt.

Erstes eigenes Straßenmagazin für Essen

ObdachlosigkeitWenn man sich Ahmet so anschaut und ihm zuhört, mag man eigentlich kaum glauben, dass dieser Mann einst so tief gesunken ist. Man mag es weder glauben, noch merkt man ihm seine Vergangenheit an - denn: „Heute geht es mir so gut wie nie“, erzählt er freudestrahlend.

Einen Job und eine Wohnung zu haben – für viele Menschen sei das selbstverständlich; für manche aber eben nicht. In der Hoffnung, dass auch andere Obdachlose vielleicht eines Tages ihren Weg finden, gründete er „Paperboy“. „Ich möchte anderen, armen Menschen helfen. Außerdem gibt es auch kein Straßenmagazin für Essen“, sagt Ahmet. Die anderen Zeitungen kämen aus den umliegenden Städten im Ruhrgebiet.