Vielfalt auf Zollverein bei Vollmondwanderungen entdecken

Thorsten Schabelon
Der Biologe Andreas Sarazin bei seiner Führung auf Zollverein.
Der Biologe Andreas Sarazin bei seiner Führung auf Zollverein.
Foto: Alexandra Roth / WAZ FotoPool
Industriebrachen sind Urwälder: Auf dem Gelände der Zeche Zollverein gibt es 480 Pflanzen- und 40 Vogelarten. Einige von ihnen können die Teilnehmer der Vollmondwanderung des Regionalverbandes Ruhr entdecken. Biologe Andreas Sarazin führt dann über das Weltkulturerbe-Gelände.

Essen. Sich die Zeche Zollverein anschauen? Das kann jeder. Und das hat wahrscheinlich auch jeder Essener schon einmal (oder mehrmals) gemacht. Aber hören, fühlen und riechen, was sich auf Zollverein tut? Das kann ein erlebnishafter Genuss sein. Eine Wanderung für die Sinne.

„Machen Sie mal. Wenn Sie Fragen haben, fragen Sie mich“, sagt Andreas Sarazin. Er ist Biologe und führt die abendliche Vollmondwanderung auf Zollverein an. Die gehört zum Erlebnisprogramm „Unter freiem Himmel“ des Regionalverbandes Ruhr.

40 Vogelarten und 480 Pflanzenarten auf Zollverein

Das „Welterbe Zollverein“ bietet lebendige Vielfalt. 40 Vogelarten stimmen ständig Konzerte an. Singvögel machen mehr Musik, Eulen und Raubvögel weniger. Die Flora auf Zollverein, lehrt die Exkursion schnell, ist so multikulti wie das Ruhrgebiet, in dessen Herzen das Gelände liegt. Chinesischer Fliederspeer. Kanadische Goldrute. Armenische Brombeere. Die Einflüsse aus anderen Ländern sind allgegenwärtig.

„Wir haben hier 480 Pflanzenarten, ein Fünftel des Bestands in Nordrhein-Westfalen“, erklärt Andreas Sarazin. Der Biologe, dem man zutraut, alle diese Arten am Geschmack zu erkennen, rupft kurz ins Grüne und hat zehn unterschiedliche Pflanzen in der Hand. Weißer Flieder. Gelbes Johanniskraut. „Wenn Sie diese gelben Blumen in der Hand zerreiben, haben Sie rote Finger.“ Stimmt!

Industriebrachen sind Urwälder

Sarazin motiviert die Teilnehmer, auch in die Pflanzenvielfalt zwischen Schienen und Steinen einzutauchen. Er lächelt durch seine Nickelbrille: „Aber aufgepasst, brechen Sie sich kein Bein.“ Es wird langsam dunkel. „Und Industriebrachen sind Urwälder. Hier kann sich die Natur entwickeln.“

Langsam gehen die Taschenlampen an. Ihre Strahlen machen die Nacht für Momente zum Tag. Wo kein Licht hinkommt, zirpen Heuschrecken. Kröten und Schnecken kreuzen die Wege, Füchse und Bisamratten bleiben unter Tage. Andreas Sarazin hat eine Lampe mit UV-Licht dabei. „So sehen wir Farben, die wir nicht sehen.“ Der Vollmond darf sich bei der Vollmondwanderung nicht zeigen. Die Wolken lassen ihn nicht durch. Auch auf diesen Fall ist Andreas Sarazin vorbereitet: Aus seinem Rucksack holt er eine Laterne mit Gesicht hervor. „So lächelt der Mond sonst auf Zollverein herab.“

Die nächste RVR-Vollmondwanderung auf Zollverein steht am 8. Oktober von 19 bis 21 Uhr an. Weitere Informationen auf www.metropoleruhr.de.