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Gesetz-Entwurf

Viele Förderschulen in Essen wegen Inklusion auf der Kippe

05.10.2012 | 08:00 Uhr
Viele Förderschulen in Essen wegen Inklusion auf der Kippe
Hier lernen sie schon zusammen: Lernbehinderte und Schüler ohne Behinderung an der Hauptschule Bischoffstraße, Altenessen.Foto: von Born

Essen.   Das Land will ernstmachen mit der Inklusion von Behinderten: Ein Gesetzesentwurf sieht vor, dass behinderte Kinder eine Regelschule statt der Förderschule besuchen dürfen. In Essen wären sieben der 19 städtischen Förderschulen von der Schließung bedroht, weil sie zu wenig Schüler hätten.

Einen drastischen Abbau der Förderschulen in NRW und in Essen sieht der Entwurf einer Änderung des Landesschulgesetzes vor, der vor einigen Tagen veröffentlicht worden ist. In Essen wären demnach sieben der 19 städtischen Förderschulen betroffen. Wenn der Entwurf umgesetzt wird, würden diese Schulen bereits zum kommenden Schuljahr an keine Eingangsklassen mehr bilden, würden also „auslaufen“. Dem Vernehmen nach könnten diese Schulen von der Stadt sogar direkt aufgelöst werden.

Der folgenschwerste Satz steht in Artikel 1, „Änderung des Schulgesetzes NRW“, Punkt 4b, Absatz 4: „Sonderpädagogische Förderung findet in der Regel in der allgemeinen Schule statt.“ Damit macht das Land Ernst mit der Richtlinie der Vereinten Nationen (UN), nach der auch Behinderte das Recht haben, eine allgemeine Schule oder „Regelschule“ zu besuchen, keine Förderschule.

Das Stichwort lautet Inklusion

Förderschulen hießen bis zum Jahr 2006 Sonderschulen. Sie sind hoch spezialisiert und unterrichten Schüler je nach Förderbedarf – es gibt Schüler mit attestierter Lernbehinderung, Schüler mit „Förderbedarf in sozialer und emotionaler Entwicklung“ – also jene, die als besonders verhaltensauffällig gelten. Es gibt aber auch Schulen, die auf geistig Behinderte oder auf Kinder und Jugendliche mit Sprachschwierigkeiten ausgerichtet sind.

Unter dem Schlagwort „Inklusion “ wird darüber diskutiert, welche Schüler man mit welchen Mitteln in Regelschulen integrieren kann. Die Zahl der „integrativen Lerngruppen“ an Grund- und weiterführenden Schulen steigt in Essen langsam, aber beständig. Um künftig als eigenständige Förderschule bestehen zu können, sind mindestens 144 Schüler nötig. In Essen sind sieben Schulen für Schüler mit Förderbedarf in „emotionaler und geistiger Entwicklung“ nach derzeitigem Stand zu klein. Sie gelten derzeit als am meisten gefährdet.

Förderschule nur auf ausdrücklichen Elternwunsch

Eindeutig gestärkt wird hingegen das Mitspracherecht der Eltern: Bislang entscheiden Schulen und Eltern gemeinsam, ob ein Kind auf eine Förderschule geschickt werden soll. Künftig gilt das Eltern-Votum allein. Eltern von behinderten Kindern haben ab dem kommenden Schuljahr das Recht, dass der Schulträger ihnen eine Regelschule vorschlägt. Auf eine Förderschule kommt das Kind nur, wenn Eltern dies ausdrücklich wünschen.

Von den Schließungen wäre auch die Schule am Steeler Tor (Südostviertel) betroffen. Die Schule arbeitet als „Kompetenzzentrum“, leiht Lehrer an benachbarte Regelschulen aus. „Ob die Qualität künftig aufrechterhalten bleibt, bezweifeln wir“, sagt Susanne Röder, die Leiterin der Schule.

Martin Spletter


Kommentare
06.10.2012
12:41
Viele Förderschulen in Essen wegen Inklusion auf der Kippe
von peerbeinstueck | #8

Schon die Überschrift zeigt das Problem:

Wenn die Förderschulen aufgrund der Inklusion schließen, haben Eltern behinderter Kinder eben demnächst nicht die Wahl zwischen Förder- oder Regelschule, sondern müssen ihr Kind mangels Alternativen auf der Regelschule anmelden.
Aber was, wenn das dann nciht funktioniert?


05.10.2012
19:07
Viele Förderschulen in Essen wegen Inklusion auf der Kippe
von lyx7 | #7

Zitat: "„Ob die Qualität künftig aufrechterhalten bleibt, bezweifeln wir“, sagt Susanne Röder, die Leiterin der Schule." Kurz und zutreffend gesagt!

05.10.2012
17:58
Viele Förderschulen in Essen wegen Inklusion auf der Kippe
von bb | #6

Die Idee hinter der Inklusion ist ja nicht falsch. Jeder, der trotz seiner Behinderung am normalen Unterricht erfolgreich teilnehmen kann, soll das dürfen. Die Umsetzung wird dagegen ein Skandal:
Jeder muss am normalen Unterricht teilnehmen, egal ob er geeignet dafür ist.
Grund: Das Sparpotential.
Die für ihre unterschiedlich behinderten Schüler optimierten Förderschulen mit ihren kompletten Kollegien sind pro Platz sehr viel teurer, als die Unterbringung in einer Regelschule.
Die Sonderschullehrer werden auf die Regelschulen verteilt, damit zu Einzelkämpfern. Der Anteil an sonderpädagogisch optimierten Unterricht für die Sonderschüler sinkt dabei drastisch ab. Von ein paar Wochenstunden abgesehen werden sie im allgemeinen Klassenverband unterrichtet. Gelegentlich sitzt ein Sonderschullehrer dabei und gelegentlich sammelt ein Sonderschullehrer die vereinzelten Schäfchen um sich. Passend, dass heute wieder eine Studie zu Schulleistungen vorgestellt wurde.

05.10.2012
16:32
Viele Förderschulen in Essen wegen Inklusion auf der Kippe
von Dr.Bluesky | #5

Das Problem ist ganz einfach, da es überall im Land, Sekundarschulen geben soll, werden dort auch die Sonderschüler untergebracht. Hier haben euch die Politiker sehr gut an der Nase Rumgeführt, auf der Sekundarschule gibt es keine Förderung im Konzept mehr, also schaffen Sie alle Schulen ab, ****** auf die bildung der Kinder, die Kosten müssen reduziert werden. Es wird nun nur noch Sekundar, Gymnasium und Gesamtschule geben. Hauptsache die Kosten reduzieren ohne Rücksicht auf Verluste, Castrop hat einen Bürgerentscheid, mit der Hoffnung das es dann endet mit der Sekundarschule, und somit auch mit der Schließung der Förderschule, Realschule.

05.10.2012
14:26
Viele Förderschulen in Essen wegen Inklusion auf der Kippe
von 1980yann | #4

@2
Hannelore Kraft hat genau einen Sohn - aufgrund seines eigenen politischen Engagements ist auch bekannt, auf welche Schule er geht ( http://www.muelheim-ruhr.de/cms/shared/datei_download.php?uid=8e2043ff8a9ab9c8fe0ea34c59a49256 ) - und das ist keine Privatschule.

Ansonsten ist Inklusion zu begrüßen, solange die inkludierten Schüler dem Unterricht (Sport nehme ich bei körperlich-beeinträchtigten Kindern davon mal aus) im vollen Umfang folgen können. Sicherlich ist an der einen oder anderen Stelle mal die Leistung nach einer abweichenden Methode zu prüfen, die den Bedürfnissen der Kinder gerecht wird - aber es müssen dieselben Maßstäbe zur Bewertung angelegt werden.
Es macht schlichtweg keinen Sinn, wenn 24 Kinder Dreisatz lernen und in der Ecke dem 25. Kind im Flüsterton das kleine 1x1 vermittelt wird.

05.10.2012
12:30
Sieben von 19 Förderschulen in Essen auf der Kippe
von el-kommentante | #3

wo gibt es in essen eine privatschule die behinderte aufnimmt?

05.10.2012
10:09
Unruhe an den Förderschulen
von Tante.Otti | #2

Macht es wie die Politiker in NRW: Kinder nur auf Privatschulen schicken (Hannelore Kraft ist da sehr vorausschauen gewesen) oder kein Kind anschaffen (Bildungsministering Löhrmann), dann muss man sich mit dem Pböel auch nicht abgeben.

05.10.2012
09:30
Unruhe an den Förderschulen
von Dr.Akula | #1

Wohl dem, der sein Kind auf eine Privatschule schicken kann. Der Rest ist dann wohl Ausschußware für Kriege und Niedriglohn. Oder beides. Ich freu mich das selbst dritte Welt Länder in der Bildung bald an uns vorbeirauschen werden.

1 Antwort
Unruhe an den Förderschulen
von LFIgor | #1-1

Schönes Stammtischgerede, leider ohne Belege!
Europaweit ist Deutschland am unteren Ende was Inklusion angeht - und das ist nicht zu unserem Vorteil! Bei Interesse am Thema doch bitte mal dazu informieren und eventuell Vorhandene Vorurteile nochmal überdenkn, danke ;)

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