Verkehrsgesellschaft Via droht das Aus in Essen, Mülheim und Duisburg

Die Vorzeichen für das regionale Vorzeigeprojekt im NRW-Nahverkehr stehen wohl auf Rot.
Die Vorzeichen für das regionale Vorzeigeprojekt im NRW-Nahverkehr stehen wohl auf Rot.
Foto: WAZ FotoPool
Streit um die Verkehrsgesellschaft für Essen, Mülheim und Duisburg: Bis zum Jahresende soll eine Entscheidung darüber her, wie es mit der Via, dem regionalen Vorzeigeprojekt im Nahverkehr, weitergeht. Obwohl Evag, MVG und DVG so dauerhaft Millionen einsparen könnten, sorgen Pläne der einzelnen Verkehrsbetriebe für Zwist.

Essen. Steht die Via-Verkehrsgesellschaft drei Jahre nach ihrer Gründung vor dem Aus? Auf einer zweitägigen Krisensitzung wollen ab Dienstag die Geschäftsführer und die Betriebsräte der drei beteiligten Verkehrsunternehmen – die Essener Verkehrs AG, die Duisburger Verkehrsgesellschaft und die Mülheimer Verkehrsgesellschaft – „Klarheit schaffen“, wie einer der Beteiligten im Vorfeld unterstreicht: „Wir müssen endlich wissen, wie es mit Via weitergeht.“

Bis zum Jahresende soll eine Entscheidung her, so oder so. Dabei stehen die Vorzeichen für das regionale Vorzeigeprojekt im NRW-Nahverkehr vor der Runde eher auf Rot. Das Kirchturm-Denken scheint sich einmal mehr im Ruhrgebiet durchzusetzen.

Drei Städte, drei Unternehmen, 2700 Mitarbeiter, 581.000 Fahrgäste täglich – dafür steht Via seit 2010. „Weniger Aufwand entlastet die kommunalen Kassen“ – „grenzenlose Verbindungen“ – „Bürgernutzen statt Rendite“ – „regionale Kommunalgesellschaften können es besser“, all dies will die neue Verkehrsgesellschaft leisten und dafür die drei Nahverkehrs-Unternehmen auf allen Feldern zusammenführen: Von gemeinsamen Werkstätten über einen gemeinsamen Fahrbetrieb bis hin zur gemeinsamen Personalabteilung.

Bis 2020 wollen Evag, MVG und DVG so 13,5 Millionen Euro dauerhaft in ihren Unternehmensstrukturen einsparen. Bislang sind davon bereits sechs Millionen Euro realisiert, etwa die Hälfte davon entlastet das Essener Konto.

Mülheimer Pläne sorgen für Ärger

Trotz der positiven Zahlen und obwohl das Land den Via-Zögling mit vielerlei Förderungen als positives Beispiel begleitet, ist es mit dem Frieden längst vorbei. Da ist zum einen das Ärgernis mit den Mülheimer Plänen, aus dem Straßenbahn-Verkehr auszusteigen und auf Busse umzurüsten. Eine geplante Investition in eine Tram-Werkstatt auf Mülheimer Gebiet ist nun erstmal ins Stocken geraten.

Doch als deutlich problematischer erweist sich das Verhalten der Duisburger Verkehrs-Kollegen. Sie wollen sich sogar aus dem Via-Fahrbetrieb zurückziehen und sehen die Via-Zukunft eher als Infrastruktur-Gesellschaft, die sicherlich auch Werkstätten betreibt, einen zentralen Einkauf vorhält und etwa gemeinsame Werbeaktionen schaltet, sich aber ansonsten aus dem lokalen Geschäft bitteschön heraushält. Jeder möge vor seiner eigenen Tür fahren.

Personalfragen stoßen mächtig auf

Vor allem die Personalfragen stoßen am Rhein nach Einschätzung von Beobachtern mächtig auf. Gebe man die 400 bis 500 DVG-Kollegen in Via-Hand, verliere man hier an Einfluss. „Das ist eine Machtbasis, und die ist dann weg“, sagt ein Essener Gewerkschafter.

Denn klar ist: Wenn alle 2700 Mitarbeiter erst einmal unter dem Via-Dach vereint sind, gibt es auch nur einen Arbeitsdirektor und einen Betriebsrat: „Vor diesem Weg fürchten sich ganz offensichtlich die Duisburger“, ist man vor allem bei der Evag einigermaßen angefressen. Zu allem Überfluss liegen dazu auch noch widersprüchliche Ratsentscheidungen in Duisburg vor, die etwa der groben Linie folgen, die Via natürlich zu unterstützen, die DVG aber nicht zu schwächen.

Ob er da Klarheit schaffen könne auf dem politischen Parkett im Duisburger Stadtrat, dazu wollte sich DVG-Personalchef David Karpathy auf der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Freitag nur ausweichend äußern. Am 16. Dezember tagt das Via-Gremium zum letzten Mal in diesem Jahr. Es könnte für die Via ein trauriges Fest werden, so ganz allein unterm Baum.

 
 

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