Veraltete Technik bei der Evag ärgert die Kunden - Besserung erst ab 2015

Marcus Schymiczek
Eine Minute kann im U-Bahnhof schon mal länger dauern als 60 Sekunden.
Eine Minute kann im U-Bahnhof schon mal länger dauern als 60 Sekunden.
Foto: Walter Buchholz
Die Essener Verkehrs-AG (Evag) kommt dem Informationsbedürfnis ihrer Fahrgäste nur mit Mühe nach. Zurückzuführen ist das nach eigenen Angaben auf eine veraltete Technik. Trotzdem versucht man, Schritt zu halten. Die Einführung von Digitalfunk lässt ab 2015 Besserung erwarten.

Essen. Für 2014 hat Michael Feller, der neue Mann an der Spitze der Essener Verkehrs-AG (Evag) eine „Serviceoffensive“ angekündigt. Aus gutem Grund. Auch in Zeiten von Twitter und Facebook hat die Evag noch Nachholbedarf, wenn es darum geht, ihre Kunden möglichst schnell darüber zu informieren, wenn Busse oder Bahnen nicht pünktlich sind. Zurückzuführen sei dies auf eine veraltete Technik, „die den Informationsbedürfnissen unserer Kunden nicht mehr entspricht“, räumt Evag-Sprecher Nils Hoffmann ein. Besserung dürften Fahrgäste erst ab 2015 erwarten, wenn die Evag wie geplant den veralteten Zugleitrechner ausmustert und auf Digitalfunk umgestellt hat.

WAZ-Leser Thomas Dette wunderte sich dieser Tage sehr darüber, dass auf den Hinweisschildern am U-Bahnsteig zwar „sofort“ zu lesen stand, die angekündigte Bahn aber auf sich warten ließ. Nicht nur das war ärgerlich: Den ganzen Tag über habe es massive Störungen gegeben, verursacht wohl durch eine Weichenstörung. Von der Evag darüber ausreichend informiert fühlte sich der Fahrgast nicht.

Nur noch 60 Sekunden und mehr...

Wer regelmäßig mit der U-Bahn fährt, weiß aus leidvoller Erfahrung, dass der Hinweis „sofort“ nicht immer „sofort“ bedeutet und dass eine Minute auch schon mal länger dauert als 60 Sekunden. Gespeist wird dieses „Dynamische Fahrgast-Informationssystem“ in der Evag-Leitstelle, wo ein Mitarbeiter per Hand eingibt, wann Fahrgäste mit der nächsten Bahn rechnen dürfen, sollte es auf der Strecke zu einer Störung gekommen sein.

Dabei handelt es sich nicht etwa, wie man vielleicht vermuten könnte, um eine von einem Computer berechnete Ankunftszeit, sondern um die Prognose des Schichtführers. „Leider ist die Prognose nicht immer so genau wie wir uns das wünschen würden“, so Hoffmann.

Erstmal nur "Betriebsstörung"

Trotz veralteter Technik sei die Evag bemüht, Schritt zu halten. Informationen, die Fahrgäste im Internet unter www.evag.de abrufen können, werden inzwischen automatisiert eingestellt. Bis vor wenigen Wochen noch musste die Leitstelle einen Umweg über die Kommunikationsabteilung nehmen, wo ein Redakteur die Informationen ins Netz einstellte.

Dort heißt es schlicht „Betriebsstörung“, wenn es auf einer Linie mal nicht weitergeht - ohne nähere Angaben von Gründen. Es gehe darum, die Kunden „ad hoc“ zu informieren, so Hoffmann. Dass es auch zu Verzögerungen kommen kann, bis eine Ad-hoc-Meldung den Weg ins Netz findet, räumt der Sprecher vorsichtshalber ein. Vorrangige Aufgabe der Leitstelle sei es dafür zu sorgen, dass das Verkehr auf der Strecke möglichst schnell wieder rollt. Der Kunden-Service muss dann hinten anstehen.