Uni Duisburg-Essen will Thurmfeld-Gelände in Essen nutzen

Den Campus mit den bunten Türmen und das Thurmfeld trennt kaum mehr als die B 224 – kein Wunder, dass man an der Uni interessiert auf das Areal blickt.
Den Campus mit den bunten Türmen und das Thurmfeld trennt kaum mehr als die B 224 – kein Wunder, dass man an der Uni interessiert auf das Areal blickt.
Foto: www.blossey.eu
Ulrich Radtke, Rektor der Uni Duisburg-Essen, plädiert in einem Brief an die Stadt für eine wissenschaftliche Nutzung des begehrten Thurmfelds. Bei Planungsdezernent Hans-Jürgen Best findet er damit Gehör.

Essen. Im Streit um das Thurmfeld-Gelände pocht auch die benachbarte Universität auf die Wahrung ihrer Interessen. Das Areal ist Gegenstand verstärkter Diskussion, seit Wirtschaftsförderungschef Dietmar Düdden jüngst dafür warb, dort eine Forschungseinrichtung anzusiedeln – und damit den Zorn von Schaustellern und Teilen der Stadtpolitik auf sich zog, die am Thurmfeld gerne einen neuen Kirmesplatz realsiiert sähen. Ulrich Radtke, Rektor der Universität Duisburg-Essen, plädiert – wenig überraschend, aber dafür umso deutlicher – für eine wissenschaftliche Nutzung der Fläche.

„Wir brauchen Areale zum Wachsen“, so Radtke, und die seien in der Umgebung des Campus nun mal rar. „Das einzige in der Nähe befindliche Areal zu verplanen, finde ich problematisch.“ Unabhängig von der aktuellen Diskussion habe er schon vor einiger Zeit einen Brief an die Stadt auf den Weg gebracht, „in dem wir unser Interesse deutlich machen“. Die Universität benötige „disponible Flächen“, heißt es in dem Schreiben, das die Rolle der Hochschule als Standortfaktor betont. Man wäre „dankbar, wenn die Stadt sich dieser Sichtweise anschließt“.

Ausweichen auf angemietete Gebäude außerhalb des Campus

Die Ansiedlung eines hochkarätigen außeruniversitären Forschungsinstituts, wie sie den Wirtschaftsförderern vorschwebt, würde Radtke selbstverständlich begrüßen. Ihm geht es zunächst einmal aber um die Uni als solche. Bei seinem Amtsantritt vor fünf Jahren zählte sie 32.000 Studenten, heute sind es 40.000. Hinzu kommen neue Forschungsprojekte und Mitarbeiter. „Wir mieten tausende von Quadratmetern an“, so Radtke mit Blick auf Vorlesungen im Cinemaxx, Büros in den Weststadttürmen und die Auslagerung ganzer Institute. „Wir können nicht immer nur mieten, irgendwann müssen wir auch bauen.“

Die Suche nach einem Standort für das neue Hörsaalzentrum habe gezeigt, „wie wenig Spielraum wir haben“. Der Komplex entsteht nun südlich des Campus, im Uni-Viertel. Noch schwieriger sei es gewesen, das geplante „Verfügungsgebäude“ unterzubringen. „Das müssen wir jetzt auf einem Parkplatz bauen.“ Radtke betont, das Thurmfeld sei als „Sonderbaufläche Gesamthochschule“ lange Zeit, von 1980 bis Ende der 90er, für eine universitäre Nutzung bestimmt gewesen. Dann aber habe das Land die Fläche an die Stadt zurückgegeben – „gegen das Interesse der Uni. Schon damals wurde das als Verlust von Entwicklungschancen gesehen.“

Nicht gegen den Plan der Kirmeswiese

Sein Plädoyer für eine Ausdehnung der Uni nach Norden gehe nicht gegen den Plan von der Kirmeswiese, so Radtke. Das „Entweder-Oder“ der jetzigen Diskussion missfällt ihm. „Platz für Wissenschaft ist die strategisch richtige Entscheidung. Das schließt andere Nutzungen nicht aus.“

Eine Antwort auf seinen Brief an den städtischen Planungsdezernenten Hans-Jürgen Best hat Radtke noch nicht. Doch was der zu dem Thema zu sagen hat, dürfte den Rektor freuen. Die Universität sei für Essen von hoher Bedeutung, so Best. „Als Stadt sind wir gut beraten, Entwicklungsflächen vorzuhalten.“ Die innerstädtische Lage des Essener Campus sei ein Glücksfall, der eine besonders sorgfältige Planung erfordere. „Bochum oder Dortmund können ganz anders mit Flächen umgehen.“

„Ein Forschungsinstitut ist von Dauer"

Den Plänen vom neuen Kirmesplatz am Thurmfeld steht Hans-Jürgen Best denn auch mindestens skeptisch gegenüber. „Man muss wissen, dass ein Kirmesplatz nur von wenigen Nutzern in der unmittelbaren Umgebung gewünscht wird“, formuliert der Planungsdezernent vorsichtig. Zudem: „Ein Forschungsinstitut ist von Dauer da, ein Kirmesplatz wird dagegen nur zeitweise benötigt.“

 
 

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