TMD Friction beginnt mit Ausbau des Werkes in Essen

Janet Lindgens
In Essen werden zurzeit 23 Millionen Bremsbeläge pro Jahr gefertigt. Nach dem Ausbau wird das Werk eine Kapazität von bis zu 65 Millionen haben.
In Essen werden zurzeit 23 Millionen Bremsbeläge pro Jahr gefertigt. Nach dem Ausbau wird das Werk eine Kapazität von bis zu 65 Millionen haben.
Foto: FUNKE
  • TMD Friction verlagert seine Produktion bis Ende 2018 von Leverkusen an den Standort Essen
  • Das Werk in Bergeborbeck wird dafür für 53 Millionen Euro ausgebaut
  • Mit der Zusammenlegung ziehen rund 500 Arbeitsplätze nach Essen

Essen. Der Bremsbelaghersteller TMD Friction beginnt mit der Verlagerung der Produktion von Leverkusen nach Essen. Im September werden die ersten 35 Mitarbeiter nach Essen wechseln, bis Ende 2018 soll dann die gesamte Fertigung mit fast 500 Beschäftigten an die Lüschershofstraße nach Bergeborbeck gezogen sein. Dann wird das Werk in Leverkusen dicht gemacht. Neben der Bremsbelag-Produktion gehen auch der Prototypenbau, der Fahrversuch und der Vertrieb nach Essen. Der Hauptsitz bleibt in Leverkusen.

Parallel zum Umzug erweitert das Unternehmen, das zur japanischen Nisshinbo-Gruppe gehört, seine Produktion in Essen. Die Höhe der Investition beträgt 53 Millionen Euro. „In unserer Unternehmensgeschichte ist es das größte Projekt seiner Art“, betonte Berthold Schlinge, Geschäftsführer für den Bereich Pkw-Erstausrüstung. Er sprach von einem Technologiesprung, der mit dem Ausbau der Produktion einhergehe. „Was wir hier in Essen planen, ist für die Zukunft angelegt.“

Nicht jeder Mitarbeiter aus Leverkusen will nach Essen wechseln

Grundsteinlegung für den ersten Neubau auf dem Gelände ist am 15. September. Damit ist auch klar: TMD Friction hat seine ursprünglichen Planungen nach hinten schieben müssen. Eigentlich sollte der Umzug schon ein Jahr früher, bis Ende 2017 über die Bühne gehen.

Das lag vor allem an den teils zähen Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Sozialplan und Interessenausgleich, die sich zwei Jahre hinzogen. Denn von Beginn an dürfte klar gewesen sein, dass nicht jeder Mitarbeiter aus Leverkusen nach Essen wechseln will. „Ein Arbeitsplatzangebot bekommt aber jeder in Essen“, betont Schlinge. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben.

Auch Verlagerung nach Rumänien war Thema

Der Betriebsrat hat u.a. ausverhandelt, dass das Unternehmen entweder Umzugs- oder Pendelkosten übernimmt. Für jede Schicht wird außerdem ein Werkbus zwischen Essen und Leverkusen eingesetzt. Hinzu kommen Abfindungsangebote oder Vorruhestandsregelungen. Wie viele der rund 500 Beschäftigten am Ende mit nach Essen gehen, kann Schlinge noch nicht sagen. „Die Gespräche laufen gerade“.

Dass sich TMD für den Zusammenzug nach Essen entschieden hat, ist einzig dem Umstand zu verdanken, dass das Unternehmen in Bergeborbeck noch genügend Platz zu Erweiterung hat, den es in Leverkusen nicht gibt. Ursprünglich hatte das Unternehmen sogar über die Schließung beider Standorte nachgedacht und die Option geprüft, nach Rumänien zu gehen. „Wir haben uns aus Qualitätsgründen und aus Gründen der Nähe zu den europäischen Automobilherstellern dagegen entschieden“, sagte Schlinge.

Am Standort Deutschland zu bleiben, bedeutet gegenüber anderen Wettbewerbern zunächst einen Kostennachteil. Den will TMD mit neuen Technologien und Automatisierung wettmachen. Das hat längerfristig Auswirkungen auf die Mitarbeiterzahl in Essen: Derzeit arbeiten in Leverkusen und Essen zusammen 930 Beschäftigte in der Produktion. In vier Jahren sollen es 200 Stellen weniger sein. Kündigungen seien nicht geplant, sondern der Stellenabbau soll über altersbedingtes Ausscheiden geregelt werden.