Thyssen-Krupp verkauft Bredeneyer Villa von Berthold Beitz

Gerd Niewerth
Weg zur Platte 37 - Berthold und Else Beitz lebten hier gut sechs Jahrzehnte. Von der Straße aus sind weder die Dimensionen von Haus und Grundstück noch die sehr exponierte Aussichtslage zu erahnen.
Weg zur Platte 37 - Berthold und Else Beitz lebten hier gut sechs Jahrzehnte. Von der Straße aus sind weder die Dimensionen von Haus und Grundstück noch die sehr exponierte Aussichtslage zu erahnen.
Foto: Ulrich von Born
Thyssen-Krupp hatte die Villa zuvor der Familie angeboten, doch diese lehnte ab. Immobilienbranche stark interessiert an dem Prachtgrundstück. Abriss denkbar.

Essen. Bald zwei Jahre nach dem Tod des Krupp-Patriarchen Berthold Beitz will der Thyssen-Krupp-Konzern nun ein weiteres Kapitel schließen. „Das Unternehmen wird das Privathaus von Berthold Beitz veräußern“, bestätigt eine Konzernsprecherin auf Anfrage dieser Zeitung.

Die Beitz-Villa am Weg zur Platte in Bredeney, umgeben von einem riesigen parkähnlichen Garten und mit einer grandiosen Sicht auf den Baldeneysee, zählt zu den attraktivsten Adressen im Essener Süden. Wie die WAZ aus Immobilienkreisen erfuhr, hat die Branche schon seit einiger Zeit ein Auge auf dieses Prachtgrundstück geworfen.

Verkauf „in enger Abstimmung mit der Beitz-Familie“

Thyssen-Krupp legt größten Wert darauf mitzuteilen, dass der Verkauf „in enger Abstimmung mit der Beitz-Familie“ erfolgt sei. „Wir haben der Familie das Privathaus zum Kauf angeboten, aber sie hat dieses Angebot abgelehnt“, so die Sprecherin. Inzwischen sei die Beitz-Villa leer übergeben worden. Sie gehört seit jeher dem Unternehmen. Als Alfried Krupp Berthold Beitz 1953 zum Krupp-Generalbevollmächtigen machte, stellte er ihm das Grundstück über dem Ruhrtal zur Verfügung. Beitz durfte sich hier auf Kosten des Unternehmens ein Haus nach seinen Vorstellungen bauen, das mit seinen großen Fensterfronten Richtung Ruhrtal nach den damaligen Maßstäben sehr modern war. Von der Straße aus ist von der exquisiten Lage nur wenig zu erahnen.

Beitz lebte gut sechs Jahrzehnte in dieser Villa. Der Öffentlichkeit gewährte er in den frühen 1960er Jahren bei einigen journalistischen „Homestorys“, später auch bei besonderen Ehrungen dosierten Einblick in sein Privathaus.

Von einer Umwidmung in ein Beitz-Museum hält man wenig

Eine weitere Nutzung des Beitz-Bungalows als Wohnhaus komme für das Unternehmen nicht infrage, heißt es. Auch von einer Umwidmung etwa in ein Beitz-Museum hält man wenig. Gleichwohl soll die Erinnerung an den Patriarchen hochgehalten werden. „Der Ort der Erinnerung an Berthold Beitz ist für uns das Gebäude der Krupp-Stiftung im Hügel-Park“, sagt Konzernsprecher Alexander Wilke. „Das Privathaus war stets privat.“

Wie aus der Immobilienbranche verlautet, könnten sich potenzielle Investoren vorstellen, auf dem Beitz-Grundstück künftig „exklusive Wohnungen“ zu bauen. Angesichts der Lage dürften diese Wohnungen Preise im obersten Segment erzielen. Denkmalschutz besteht für das Haus nicht, Abriss wäre daher möglich - ein Schicksal, das bereits einige alte Villen in unmittelbarer Nachbarschaft ereilte Der genaue Zeitpunkt des Verkaufs steht noch nicht fest. „Wir sind in der Vorbereitung“, heißt es.

Unterdessen wurde bekannt, dass Teile von Beitz’ Nachlass - darunter wertvolle Kunstwerke - versteigert wurden.

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