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Studentenverbindung „Unitas Ruhrania“ in Essen kämpft gegen Vorurteile

Studentenverbindung kämpft gegen Vorurteile

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Foto: WAZ FotoPool
Die Katholische Studentenverbindung „Unitas Ruhrania“ muss sich oft gegen Vorurteile wehren: Fechten, Saufgelage, tagelange Gebete. An den Klischees sei nichts dran, sagt Senior Christoph Weyer: „Hier wird nicht mehr gesoffen als im Knabenchor.“

Essen. 

Allein die Tatsache, dass „Unitas Ruhrania“ eine Studentenverbindung mit einem eigenen Feldschlösschen im Essener Stadtteil Borbeck ist, nährt Vorurteile bei anderen Studenten: Dort wohnt die abgehobene Elite, die fechtet, säuft und Visitenkarten von Führungskräften sammelt.

„An den Klischees ist nichts dran, von denen grenzen wir uns gerade als katholische Studentenverbindung besonders ab“, hält Senior Christoph Weyer (25), Musikwissenschaft-Student an der Folkwang-Uni, dagegen. „Hier wird nicht mehr gesoffen als in der Feuerwehr oder im Knabenchor. Wir sind nette, normale Menschen und keine Freaks.“

Die katholische Verbindung führt in diesem Jahr die so genannte Vorort-Präsidentschaft für alle Unitas-Verbindungen an 30 deutschen Hochschulen aus – noch dazu im Jahr des 100-jährigen Bestehens von „Unitas Ruhrania“. Studenten hatten den Verband im Februar 1911 in Münster gegründet.

Diskussion über Missbrauchs-Vorfälle

Konservativ kommt das Schlösschen schon daher: Der Esstisch ist in Eiche rustikal, an den Wänden hängen Wappen und Fahnen. Traditionen werden hier gepflegt. Im Turmzimmer treffen sich die Verbindungs-Mitglieder zu Gesprächen mit „Alten Herren“, den Ehemaligen, oder Experten, um über aktuelle Themen zu diskutieren – im Wintersemester etwa über den Umgang der Kirche mit den Missbrauchsvorfällen oder die umstrittenen „Scientology-Kirche“.

Auch Mädchen leben im 2008 renovierten Feldschlösschen Borbeck, der Fürsten-Version eines Studenten-Wohnheims. Eine der Bewohnerinnen ist Tamara Scholz. „Geh’ du mal zu deiner Sekte“, würden manche Kommilitonen reagieren, wenn sie erzählt, dass sie zur Verbindung „Franziska Christine“ gehört, benannt nach der gleichnamigen Essener Fürstäbtissin. Tamara kannte Studentenverbindungen vorher nur aus amerikanischen College-Filmen. Ins Feldschlösschen ist sie nicht wegen der günstigen und subventionierten Mieten eingezogen – rund 200 Euro Warmmiete für Zimmer bis zu 30 Quadratmetern, – sondern aus Überzeugung.

„Wir beten hier nicht die ganze Zeit.“

„Das Katholische schreckt viele junge Leute ab, die häufig von keiner Sache mehr überzeugt sind. Mir

gibt der Glaube vor allem in der Klausurenphase Kraft“, sagt die 22-Jährige. „Wir kapseln uns hier bewusst von der Ellenbogengesellschaft ab.“ Der Frauenverein will dem Unitas-Verband in diesem Jahr beitreten, da er „Prinzipien vertritt, die jeder vertreten sollte“. Sie sind im Unitas-Grundgesetz präzise formuliert: „Virtus-Scientia-Amicita“ (Tugendhaftigkeit, Wissenschaft, Freundschaft).

„Wir beten hier aber nicht die ganze Zeit“, klärt Anita Mainka auf und lacht. Sie ist eine so genannte „Alte Dame“, mit dem Studium fertig und bereits Lehrerin. Trotzdem ist sie noch gern ein Gast im Turmzimmer. Verbindungen seien schließlich „Bunde fürs Leben“, sagt Christoph Weyer.