Striktes Rauchverbot - Wirt in Essen fürchtet um Existenz

Janet Lindgens
Andreas Mais, Wirt der Kneipe „Die Alm“.
Andreas Mais, Wirt der Kneipe „Die Alm“.
Foto: WAZ FotoPool
Die rot-grüne Landesregierung will die Ausnahmen vom Rauchverbot abschaffen. Das träfe vor allem die kleinen Eckkneipen. Der Essener Wirt Andreas Mais kündigt schon an: Wenn das so kommt, werde ich schließen.

Essen. Kneipenwirt Andreas Mais lässt schon lange keinen Dampf mehr ab. Falls das strikte Rauchverbot in NRW kommt, so wie es sich andeutet, dann „werden wir schließen“, kündigt er an. Und seine Stimme klingt eher resigniert als drohend.

Mais steht seit fast neun Jahren als Wirt hinter der Theke der Kneipe „Die Alm“ an der Friederikenstraße. Als 2008 das Nichtrauchergesetz in NRW kam, hat er wie viele andere versucht, das Verbot zu umgehen. Er meldete einen Raucherclub an. Als das nicht mehr ging, beantragte er eine Raucherkneipe. Er entließ seine Köchin, bietet seither kein Essen mehr an. Genützt hat das alles nichts. Denn die rot-grüne Landesregierung will künftig keine Ausnahmen mehr zulassen. Die SPD hat sich am Wochenende auf ihrem Landesparteitag mit großer Mehrheit dahinter gestellt.

Der „Alm“-Wirt glaubt, dass ein großer Teil seiner Gäste dann nicht mehr käme, weil das Rauchen für sie ein wichtiger Bestandteil der Kneipenkultur sei. 98 Prozent seiner Gäste seien Raucher. „Viele kündigen jetzt schon an, dass sie lieber zu Hause bleiben, wenn sie hier nicht mehr rauchen dürfen“, erzählt Mais. Oder lieber ins Vereinsheim gehen. Ohnehin sei es schwer geworden, allein mit dem Verkauf von Bier und Spirituosen zu überleben. Doch ein Rauchverbot würde das endgültige Aus bedeuten, meint Mais. Und er sei sicher, dass er nicht der Einzige wäre.

„Kneipensterben wird beschleunigt“

Auch die Essener SPD-Landtagsabgeordnete Britta Altenkamp glaubt, dass ein striktes Rauchverbot die ohnehin ums Überleben kämpfenden Eckkneipen-Wirte weiter unter Druck setzen wird. „Es wird das Kneipensterben beschleunigen“, aber es sei nicht die eigentliche Ursache, meint sie. Sondern: „Die Leute gehen nicht mehr in eine Kneipe. Bier trinken und eine Zigarette rauchen, das ist den meisten Gästen heute zu wenig. Nicht umsonst boomt die Erlebnisgastronomie.“ Altenkamp hatte sich in der aktuellen politischen Debatte weiter für Ausnahmen für Raucherkneipen eingesetzt. „Aber es geht nicht, weil eine Ausnahme dann die nächste nach sich zieht.“

Aus ihrer Sicht erzeugt ein striktes Rauchverbot jedoch ein ganz anderes Problem: Wenn die Raucher künftig alle vor die Tür müssen, steigt möglicherweise der Lärmpegel vor den Kneipen. Anwohnerbeschwerden sind programmiert. „Wir müssen den Kommunen eine Handhabe geben, wie sie damit umgehen.“ Wenn der Raucherplatz vor der Kneipe als Außengastronomie gewertet würde, müsste dort ab 22 Uhr theoretisch sogar Schluss sein.

Auch Gastwirt Stefan Romberg vom Restaurant „Mittendrinn“ in der Klarastraße sieht im Lärm das größte Problem. Noch können die Gäste bei ihm in einem Extra-Raum rauchen. „Doch was soll ich machen, wenn die nachts vor der Tür stehen, und sich Nachbarn beschweren? Ich kann doch nicht alle Minute lang kontrollieren.“

Torsten Helbig vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Nordrhein kennt die neuerlichen Klagen der Wirte. „Für die meisten ist es besonders ärgerlich, weil sie das Gefühl haben, dass man sich auf die Politik nicht verlassen kann.“ Er meint: „Bei vielen geht die existenzielle Angst um.“