Straßenbahn soll in Essen den Spurbus auf der A40 ersetzen

Ein Bus der EVAG auf der Mitteltrasse der A40 in Essen am 9. Januar 2015. Foto: Sebastian Konopka / FUNKE Foto Services
Ein Bus der EVAG auf der Mitteltrasse der A40 in Essen am 9. Januar 2015. Foto: Sebastian Konopka / FUNKE Foto Services
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Die Spurbusse auf der A40 in Essen sollen einer Straßenbahnlinie Platz machen. Das schlägt nun der SPD-Ortsverein Essen-Mitte vor.

Essen/Innenstadt.. Um die Zukunft der bald letzten Spurbus-Strecke zwischen Wasserturm und Kray ist ein Wettstreit entbrannt. Die Stadt Essen will sich jede Option offen halten und hat die Sanierung der Spurbus-Trasse zwischen Kray und Huttrop, die sich in der Mittellage der A 40 befindet, für den neuen ÖPNV-Bedarfsplan NRW (2017-2022) angemeldet. Denn: Nur Großprojekte, die aus Landessicht relevant sind, haben Aussicht auf Zuschüsse. Ob sie auf die Wunschliste kommen, entscheidet das Land.

Kurios: Der SPD-Ortsverein Essen-Mitte warf ebenfalls seinen Hut in den Ring und will den Spurbus durch eine Straßenbahn ersetzen. Da Verkehrsminister Michael Groschek ausdrücklich Vorschläge von Bürgern, Verbänden und Vereinen wünschte, ließ sich das der SPD-Ortsverein Essen-Mitte nicht zweimal sagen, und meldete ihr Anliegen offiziell an. Ortsvereinsvorsitzender Matthias Vollstedt (von Beruf Verkehrsdezernent der Düsseldorfer Bezirksregierung) glaubt, die besseren Argumente zu haben. Denn: Die Verkehrsgesellschaft Evag ist gesetzlich verpflichtet, bis zum Jahre 2022 für einen barrierefreien Zugang zu sorgen. Doch auf der Spurbustrasse sind mehrere Haltestellen an der A 40 nur über ganz normale Treppen zu erreichen. Für Aufzüge oder gar Rolltreppen ist der bisherige Platz zu knapp. Matthias Vollstedt: „Eine Barrierefreiheit mit dem Spurbus halten wir technisch fast für unmöglich. Aber mit der Straßenbahn wäre das ohne weiteres umsetzbar.“ Weil die Bahnen rund 20 Zentimeter schmaler als Busse sind, und weil notfalls auch eine eingleisige Lösung an einer Haltestelle möglich ist.

Erinnerung an alte Zusage

Der SPD-Ortsverein konnte sich noch nie für den Spurbus erwärmen, zumal für dieses Pilotprojekt die alte Straßenbahnstrecke der Linie 103 nach Kray damals plattgemacht wurde. „Der Spurbus ist ein Auslaufmodell, er ist ein Fremdkörper in unserem Verkehrsnetz“, findet Vollstedt. Er erinnerte an die in den 80-er Jahren vom damaligen Bundesverkehrsminister Werner Dollinger (CSU) gemachte Zusicherung, dass dort wieder eine Straßenbahn fahren soll, falls sich der Spurbus nicht bewährt.

Auch die Evag erwägt, sich langfristig von den Spurbussen der Linien 146 und 147 trennen. Zwar schaffen die Busse die Strecke zwischen Wasserturm und Kray in nur acht Minuten, ohne dass der Fahrer lenken muss, weil der Bus über spezielle Rollen entlang einer Führungsschiene geführt wird. Aber für diese Sonderanfertigungen gibt es immer weniger Ersatzteile. Die Instandhaltung wird zu teuer. Der Fortbestand ist daher nur noch für die nächsten Jahre gesichert.

Deshalb plädiert der SPD-Ortsverein für den Bau einer Straßenbahn-Linie – mit Verlängerung zur Haltestelle Kronprinzenstraße, um einen Anschluss an die Linien 101, 105 und 106 zu ermöglichen. Vollstedt warnt: Wenn der Spurbus eines Tages nicht mehr fahren darf, und es bis dahin keine Alternative gibt, „dann ist die Gefahr groß, dass die Nahverkehrs-Trasse ganz verschwindet und die A 40 sechsspurig ausgebaut wird.“

 
 

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