Staun! Comicforscher kommen zur Uni

Ein Batman-Heft von 1966.
Ein Batman-Heft von 1966.
Foto: DC/Taschen

Essen. Deutsche Comic-Forscher tagen demnächst an der Uni Duisburg-Essen. Lehrende des Studiengangs „Literatur und Medienpraxis“ haben das dreitägige „Comic-Kolloquium“ organisiert. Auf dem Programm stehen Vorträge wie „Zur Anwendung strukturalistischer Ansätze am Beispiel von Frank Millers Batman-Arbeiten“. Andere Beiträge beschäftigen sich mit Themen wie „bilderzählerischen Herausforderungen“ oder der „Historisierung des Erzählbegriffs“.

Auch Studenten stellen aktuelle wissenschaftliche Arbeiten vor, die sich mit der Rezeption oder medienwissenschaftlichen Analyse von Comics beschäftigen.

Comics notorisch unterschätzt

Das „Comic-Kolloquium“ findet vom 21. bis 23. März statt. Etwa 30 Fachbesucher haben sich angemeldet. Die Veranstaltung ist nicht-öffentlich. Der Lehrbeauftragte Markus Engelns hat die Tagung maßgeblich organisiert. Im Gespräch erklärt er, warum Comics bis heute notorisch unterschätzt werden, und dass es eigentlich erstaunlich ist, dass wir Comics überhaupt lesen und verstehen können.

Herr Engelns, was ist an Comics wissenschaftlich?

Markus Engelns: Man kann wissenschaftlich untersuchen, wie Zeichenverbünde in Comics funktionieren oder Mythen erzählerisch aufbereitet werden.

Was meinen Sie damit?

Engelns: Bei „Batman“ zum Beispiel geht es um den traditionellen Gegensatz von Kultur und Natur, der ja auch durch Batman selbst repräsentiert wird – er ist Mensch und Fledermaus zugleich.

Was ist an Comics noch interessant für Sie?

Engelns: Comics werden oftmals unterschätzt. Es handelt sich um eine hochkomplexe Darstellungsform.

Warum das denn?

Engelns: Wenn man es genau betrachtet, ist es eigentlich fast eine Überraschung, dass wir Comics lesen können. Die Kombination aus Text und Bild ist äußerst komplex. Wir sind gewohnt, Texte von links nach rechts zu lesen, außer bei Mangas natürlich, aber Bilder erfassen wir als Ganzes. Mit diesem Phänomen spielen viele gute Comics ganz gezielt. Wie wir Comics lesen und verstehen, ist deshalb ein anderer Vorgang als das Lesen von, sagen wir, Romanen. Bei Romanen handelt es sich schließlich nur um ein Zeichensystem: das der geschriebenen Sprache.

Was würden Sie denen entgegnen, die sagen, Comics sind Schund?

Engelns: Die Wahrnehmung ändert sich nur langsam. Mittlerweile gibt es sogar eine Deutsche Gesellschaft für Comic-Forschung, aber die Zeiten, in denen Eltern ihren Kindern sagten, von Comics wird man zum Analphabeten, sind noch nicht so lange her. Ich bin aber sicher: In zehn Jahren werden wir weiter sein. Die Akzeptanz von Comics als ernstzunehmendes Medium steigt derzeit stark an.

Was ist für Sie ein guter Comic?

Engelns: Einer, der intellektuell ansprechend gezeichnet ist und allein durch die Montage der Bilder Spannung erzeugt.

Haben Sie ein Beispiel?

Engelns: „Tim und Struppi“ ist sicher ein gutes Beispiel. Auf den ersten Blick sind die Bilder klar strukturiert und einfach gezeichnet. In Wirklichkeit aber handelt es sich um sehr komplexe Bilder, die hervorragend erzählen. „Asterix“ dagegen, zum Beispiel, ist weitaus profaner, wesentlich weniger subtil.

 
 

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