Stadt Essen lehnt Gebetsräume in Flüchtlingsheimen ab

Am „Tag der Offenen Moschee“ am 3. Oktober begrüßten die Essener Moscheen – so wie die im Bau befindliche „Ditib Merkez Moschee“ in Altendorf – Nachbarn, aber auch Glaubensbrüder aus den naheliegenden Flüchtlingsheimen.
Am „Tag der Offenen Moschee“ am 3. Oktober begrüßten die Essener Moscheen – so wie die im Bau befindliche „Ditib Merkez Moschee“ in Altendorf – Nachbarn, aber auch Glaubensbrüder aus den naheliegenden Flüchtlingsheimen.
Foto: WAZ
  • Stadt fürchtet Zunahme von Konfilkten, falls Gebetsräume eingerichtet würden
  • Aushänge in den Einrichtungen weisen auf die nächstgelegene Moschee und Kirche hin
  • Kommission Islam und Moscheen möchte sich künftig verstärkt um Flüchtlinge kümmern

Essen. Lange Zeit schien es so, als würden die alteingesessenen Muslime dieser Stadt ihre nach Essen geflüchteten Glaubensbrüder eher links liegen lassen. Damit soll nun Schluss sein. „Wir haben wirklich Nachholbedarf“, gesteht Muhammet Balaban, Vorsitzender der „Kommission Islam und Moscheen in Essen“.

Seiner Initiative im Integrationsrat, eigens Gebetsräume in Zeltdörfern und Flüchtlingsheimen für die überwiegend muslimischen Neuankömmlinge einzurichten, erteilte die Stadt allerdings eine kategorische Absage. „Wir lehnen dies strikt ab, weil wir fürchten, dass religiöse Konflikte in den Unterkünften dann eskalieren könnten“, stellt Ordnungsdezernent Christian Kromberg gegenüber dieser Zeitung klar. Der Spitzenbeamte verweist auf die Hausordnung in diesen kommunalen Einrichtungen, die die aktive und sichtbare Religionsausübung klipp und klar untersage. „Religion ist Privatsache, es gibt ja auch keine Gottesdienste im Ratssaal“, fügt er hinzu.

Moscheen laden Flüchtlinge ein

Das heißt: Versammlungsgebete wie etwa das traditionelle Freitagsgebet wird es in den städtischen Flüchtlingsasylen nicht geben. Vielmehr gebe es in den Einrichtungen Aushänge, die auf die nächstgelegene Moschee und Kirche hinweisen.

Schätzungsweise 40.000 Muslime leben seit geraumer Zeit in Essen, davon allein 30.000 mit türkischen Wurzeln. Mit der Ankunft der Flüchtlinge aus Syrien, Irak und anderen arabischen Ländern wird auch diese Zahl dramatisch in die Höhe schnellen. Vorsichtige Schätzungen gehen von bald 3000 neu zugewanderten Muslimen aus: Menschen, die beten, heiraten und seelsorgerisch betreut werden wollen.

Anlässlich des Opferfestes vor zwei Wochen haben etliche Moscheen Flüchtlinge eingeladen. „Die Moscheen in Kupferdreh und Katernberg waren gerappelt voll“, sagt Balaban. Auch die eher arabisch geprägte Abu-Bakr-Moschee in Altenessen hat neulich ein Fest für Flüchtlinge veranstaltet und Kleider sowie Kinderspielzeuge gespendet. „100 Flüchtlinge waren hier“, sagt der Vorsitzende Abdelghani Jaouhar (50). „Wir helfen, wo wir helfen können, unsere Türen stehen offen.“ Denkbar sei eine Unterstützung bei „Papierkram und Behördengängen sowie beim Deutschunterricht“.

Kommission Islam und Moscheen gründet „AG Flüchtlinge“

Die Kommission Islam und Moscheen werde beim nächsten Treffen am 6. Oktober eine „AG Flüchtlinge“ ins Leben rufen, kündigt Balaban an. Ferner seien die Moscheevereine bestrebt, sich künftig bei den zahlreichen „Runden Tischen“ zu engagieren.

Sadik Cicin, Vorsitzender der Migranten-Union und CDU-Mitglied, lehnt so genannte Versammlungsgebete in Flüchtlingsheimen ab und weist darauf hin, dass viele Neuankömmlinge „ja gerade zu uns gekommen sind, weil sie in ihren Herkunftsländern aus religiösen Gründen verfolgt worden sind“.

 
 

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