Stadion-Affäre: Essen setzt Ex-Stadttochter-Chef vor die Tür

Wolfgang Kintscher
In Sachen Stadionbau hilft Andreas Hillebrand weder der Helm noch das Rückkehrrecht zur Stadtverwaltung: Der Ex-Chef der städtischen Grundstücksverwaltung GVE muss gehen und ist ab sofort beurlaubt.
In Sachen Stadionbau hilft Andreas Hillebrand weder der Helm noch das Rückkehrrecht zur Stadtverwaltung: Der Ex-Chef der städtischen Grundstücksverwaltung GVE muss gehen und ist ab sofort beurlaubt.
Foto: Thomas Schmidtke / FUNKE Foto Services
Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen greift durch: Der zur Stadtverwaltung zurückgekehrte Andreas Hillebrand wird mit sofortiger Wirkung beurlaubt.

Essen. Es sah alles nach einem weichen Fall aus, nach einem sanften Zurück in den Schoß der Stadtverwaltung. Dem vertraglich zugesicherten Rückkehrrecht sei Dank.

Doch nun folgt für Andreas Hillebrand offenbar doch noch der harte Aufschlag: Der ehemalige Geschäftsführer der affärengeschüttelten städtischen Grundstücksverwaltung GVE soll seinen erst vor vier Monaten angetretenen Ersatz-Job bei der Feuerwehr verlieren und wird bis zur Umsetzung dieses Schrittes „mit sofortiger Wirkung“ beurlaubt. Dies teilte die Stadt am Dienstagabend mit.

Es ist dies das Ergebnis einer Anhörung, zu der man den Ex-Chef der GVE eingeladen hatte, um sich noch ein letztes Mal dem Vorwurf einer Vielzahl von Pflichtverletzungen zu stellen. Dass Hillebrand diese bei dem Treffen rundheraus bestritt, wurde gestern nicht offiziell bestätigt. Augenscheinlich aber konnte der 60-Jährige die Vorbehalte gegen eine Weiterbeschäftigung dort nicht ausräumen.

Massive Anschuldigungen

Die Stadt will nun weitere rechtliche Schritte einleiten an deren Ende der Rauswurf stünde. Formell muss dazu nicht zuletzt der Personalrat der Stadt eingeschaltet werden. Dass dies etwas ändert, gilt als kaum wahrscheinlich.

Denn zu massiv sind die Anschuldigungen gegen Hillebrand, der sich dem Vorwurf ausgesetzt sieht, an herausgehobener Position seinen Job mehr schlecht als recht erledigt zu haben: vom Stadionbau bis zur „geplünderten“ Instandhaltungsrücklage fürs Museum Folkwang, bei der Inanspruchnahme finanzieller Mittel aus dem städtischen Cash-Pool genauso wie bei vertraglichen Zusagen für die Verpachtung des Saalbau-Restaurants „Wallberg“. Entsprechende juristische Gutachten wertete zuletzt auch das städtische Rechtsamt aus und kam zu dem Schluss, ein Rauswurf sei möglich.

Verwundern kann dies niemanden, denn obwohl eine ganze Reihe von Vorwürfen wohl verjährt sein dürften, dienen die Gutachten aus der Kanzlei Görg der GVE auch als Grundlage für eine Schadensersatzklage gegen Hillebrand in nicht bezifferter Höhe.

Millionen-Honorare für "Projekt Fußball"

Im Mittelpunkt dabei die nach wie vor verdächtig hoch erscheinenden Millionen-Honorare für die Unternehmensberatung Roland Berger beim „Projekt Fußball“, von denen eine letzte Rechnung über 420.000 Euro netto gerade noch einen Zugriff erlaubt. Ins Feld geführt werden aber auch der Streit um die am Ende womöglich teure Zusagen fürs „Wallberg“-Personal und ein sündhaft teurer Contracting-Vertrag fürs Stadion, mit dem der geschasste GVE-Chef seinem klammen Unternehmen finanziell Luft verschaffen konnte.

Die eher harte Linie gegenüber Andreas Hillebrand, sie dürfte vor allem auf den Wechsel an der Stadtspitze zurückzuführen sein: Während Ex-Oberbürgermeister Reinhard Paß eine große Nähe zu Hillebrand nachgesagt wurde, die in der Politik sogar in der Mutmaßung gipfelten, er lasse ihn nur deshalb nicht fallen, weil dieser dann unliebsame Informationen „auspacken“ könnte, hatte der neue OB Thomas Kufen stets signalisiert, das Affären-Geflecht konsequent lichten zu wollen.

Ob er damit bei Andreas Hillebrand Erfolg hat, wird sich womöglich erst vor Gericht klären lassen, wenn dieser gegen seinen Rauswurf angehen sollte. Hillebrand selber war gestern auf Anfrage nicht für eine Stellungnahme erreichbar.