Sorge vor Menschenmassen - keine großen Namen mehr beim Pfingst-Open-Air

Jennifer Schumacher
Menschenmassen wie diese wird es dank des neuen Sicherheitskonzepts nicht mehr geben. Die Anzahl der Besucher wird beschränkt. Foto: Dennis Straßmeier
Menschenmassen wie diese wird es dank des neuen Sicherheitskonzepts nicht mehr geben. Die Anzahl der Besucher wird beschränkt. Foto: Dennis Straßmeier
Foto: Dennis Strassmeier
Die gestiegenen Sicherheitsanforderungen verlangen dem Festival und dem Rockförderverein in diesem Jahr vieles ab. So hat der Verein keinerlei finanzielle Reserven mehr. Die Stadt ist für 2013 auf Sponsoren angewiesen. Als erste Bands wurden Sharon Jones mit The Dap-Kings und Retro Stefson bestätigt.

Essen. Zusätzliche Sicherheitskräfte und -barrieren, eine Begrenzung der Besucherzahl auf 13.200 Menschen, die sich aus Sicherheitsgründen maximal zum gleichen Zeitpunkt auf dem Areal aufhalten dürfen, keine großen Namen auf der Bühne: Das nach der Loveparade-Katastrophe von Duisburg verlangte Sicherheitskonzept für Großveranstaltungen wird dem Pfingst-Open-Air Werden am 28. Mai Einiges abverlangen.

Darunter leiden wird vor allem der Rockförderverein, der das Festival gemeinsam mit dem Essener Jugendamt organisiert und mit 59.300 Euro den Löwenanteil der Gesamtkosten in Höhe von 132.450 Euro trägt. „Wir sind damit faktisch pleite und haben keine Reserven mehr“, sagt Sprecher Markus Kalbitzer. Durch die gestiegenen Sicherheitsanforderungen steigen die Gesamtkosten im Vergleich zu 2010 um etwa 40.000 Euro. Zudem müsse der Verein mit geringeren Einnahmen aus dem Getränkeverkauf kalkulieren, da weniger Besucher auf das Gelände dürfen.

Elektronische Wiese hat sich etabliert

Die Festivalfans werden in diesem Jahr über das Sportgelände im Löwental aufs Gelände geleitet, die Zuwege muss Grün & Gruga eigens für das Festival noch schaffen - was ebenfalls Mehrkosten bedeutet. Um auf Nummer sicher zu gehen, heißt es außerdem in einer Vorlage des Jugendhilfeausschusses: „Die auftretenden Bands werden bewusst nicht den Bekanntheitsgrad der letzten Veranstaltungen haben, um die potenzielle Zuschauerzahl etwas zu reduzieren.“ Vor allem Bands wie Kreator, Soulfly und die Berliner Elektrokapelle The Whitest Boy Alive hatten in der jüngsten Vergangenheit die Massen ins Löwental gezogen. Markus Kalbitzer beweist trotz der Einschränkung seinen musikalischen Feingeschmack. Er bestätigte gestern Soulqueen Sharon Jones, die gemeinsam mit The Dap-Kings auftritt - der Band, mit der Amy Winehouse ihr Album „Back to Black“ einspielte. Außerdem unter Dach und Fach ist die Verpflichtung von Retro Stefson, einer Band aus dem isländischen Reykjavík, die spätestens seit dem Auftritt beim Haldern Pop im vergangenen Jahr kein Geheimtipp mehr ist. Das komplette Programm, das vor allem durch regionale Bands bestritten wird, soll in der kommenden Woche bekannt gegeben werden. Bereits in trockenen Tüchern sei auch die Elektronische Wiese, die sich bei den vergangenen Auflagen des Festivals immer mehr etabliert hat.

Sponsoren nötig

„Wir haben trotz widriger Umstände ein attraktives Programm auf die Beine gestellt“, sagt auch Jugendamtsleiterin Christina Bäuerle. Die Stadt habe schlichtweg keinen Handlungsspielraum beim Thema Sicherheit. Zudem wolle man mit dem nun angefertigten Sicherheitskonzept in diesem Jahr erst einmal Erfahrungen sammeln. So müsse noch sicher gestellt werden, dass nicht zu viele wartende Besucher am Eingang stehen. Hier gelte es noch, mit der Polizei an einem Konzept zu feilen. Die Besucher sollen am Eingang gezählt werden, um dafür zu sorgen, dass es nicht zu voll wird.

Zur Zukunftssicherung des Festivals sei dringend die Aquise von Sponsoren nötig, sagt Bäuerle. Das bestätigt auch Markus Kalbitzer. Seiner Meinung nach wäre mit Hinweis auf die gestiegenen Kosten für Sicherheit bereits in diesem Jahr ein kleines Eintrittsgeld, etwa in Höhe von fünf Euro, vertretbar gewesen. Die Politik habe sich darauf verständigt, die Linie „Umsonst und draußen“ weiter zu fahren, um möglichst vielen, vorwiegend jungen Leuten den Besuch zu ermöglichen. Auf den Rockförderverein als größte Finanzierungssäule wird man aber 2013 nicht mehr setzen können.