So viel verdienen die Chefs der Essener Stadttöchter

Marcus Schymiczek
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Die große Koalition in Essen will bei den städtischen Beteiligungen sparen. Das Ziel: weniger Gesellschaften und weniger Posten in den Chefetagen.

Essen. Alle Jahre wieder veröffentlicht die Stadt Essen in ihrem Beteiligungsbericht, wie viel Geld die Geschäftsführer und Vorstände städtischer Tochtergesellschaften so pro Jahr verdienen. Und wie immer hinkt die Stadt mit ihrer Veröffentlichung der Zeit hinterher. Der aktuelle Beteiligungsbericht gibt die Jahresabschlüsse und damit die Chefgehälter für das Jahr 2013 wieder.

So mancher aus den Chefetagen ist heute nicht mehr im Amt. Sei es, weil der Betreffende aus Altersgründen vorzeitig ausgeschieden ist wie Horst Zierold bei der Evag, weil der Vertrag nicht verlängert wurde wie der von Messe-Chef Frank Thorwirth, oder weil er es vorzog zu gehen, bevor man ihm die Tür weist wie Klaus Kunze bei den Entsorgungsbetrieben Essen.

Nicht nur aus solchen Gründen wird sich das Tableau der führenden Köpfe weiter verändern. Die Stadt muss sparen und verlangt dies auch von ihren Beteiligungsgesellschaften. Oberstes Ziel müsse der Ausgleich des städtischen Haushalts sein, betont SPD-Fraktionschef Rainer Marschan. Thomas Kufen, Fraktionschef der CDU im Rat und Aufsichtsrat der städtischen Holding EVV, die unter ihrem Dach so wichtige Tochtergesellschaften wie die Evag, den Allbau und die Stadtwerke vereint, gibt folgendes Ziel vor: „Am Ende müssen es weniger Gesellschaften sein“ – und damit weniger Chefs und weniger Aufsichtsratsposten, die es zu verteilen gäbe.

Rund 42 Millionen Euro musste der Rat der EVV jüngst als Liquiditätshilfe zuschießen

Wie groß die Leidenschaft unter den Entscheidungsträgern im Rat da ist, den eingeschlagenen Kurs fortzusetzen, wird man sehen. Die Zahlen sprechen für sich: Rund 42 Millionen Euro musste der Rat der EVV jüngst als Liquiditätshilfe zuschießen. Im kommenden Jahr will die EVV über die Runden kommen, weil die Stadt eine lukrative Finanzbeteiligung veräußern wird, im Jahr drauf könnte der Allbau „stille Reserven“ heben. Spätestens im Jahr drauf dürfte es aber kritisch werden. Und 2019 soll die EVV nicht weniger als 30 Millionen Euro einsparen. Wie das funktionieren soll, bleibt vorerst ein Rätsel.

Einen ersten Schritt in die gewünschte Richtung ist der Rat auf Antrag von SPD und CDU bereits gegangen: Die Verwaltung muss ein Konzept für eine Immobilien-Holding entwerfen, die dem Allbau der städtische Grundstücksverwaltung Essen (GVE) und wohl auch der Reinigungsgesellschaft Essen (RGE) ein Dach bieten soll.

„Kompetenzen bündeln“, lautet das Patentrezept. In der Tat darf man sich die Frage stellen, warum mit dem Allbau und der Grundstücksverwaltung Essen (GVE) zwei städtische Gesellschaften Immobilien als ihre Kernkompetenz verstehen. Eine Immobilien-Holding soll jedenfalls Geld sparen: 250 000 Euro 2016, dreimal so viel im Jahr drauf und 1,5 Millionen ab 2018. Genügen wird das nicht. Und so bleibt die Evag das größte Sorgenkind unter den Tochtergesellschaften. Bleibt es bei den finanziellen Vorgaben des Kämmerers, muss die Evag ihr Angebot kürzen. Die große Koalition will den Nahverkehr fördern. Es klingt nach der Quadratur des Kreises.