Servicepool für Kulturarbeit in Essen soll Kosten sparen

Martina Schürmann
Kulturdezernent Andreas Bomheuer, der Leiter des Kulturbüros Bernd Mengede und Martin Vogelsang vom Servicebüro
Kulturdezernent Andreas Bomheuer, der Leiter des Kulturbüros Bernd Mengede und Martin Vogelsang vom Servicebüro
Foto: WAZ FotoPool
Das Verwaltungspersonal in einigen Essener Kultureinrichtungen wird neu strukturiert: Von Schloss Borbeck über die Alte Synagoge bis zum Haus der Geschichte wird Personal abgezogen. Übrig bleibt der Institutsleiter mit einem Mitarbeiter. Dafür wird ein neuer Dienstleistungs-Pool für Verwaltungs-Aufgaben entstehen.

Essen. Natürlich hätten sie Angebote weiter zurückfahren, Schließungen prüfen, Kürzungen beschließen können. Zehn Prozent Stellen-Einsparung bis 2015 sind kein Pappenstiel. Doch welche Verwerfungen Kürzungen im kulturellen Bereich auslösen können, hat das Bürgerbegehren Kulturgut ausreichend bewiesen. Im Kulturbüro haben sie eine andere Lösung gefunden. Sie trägt den schlichten Namen Servicebüro.

Denn der Wunsch der Kulturgut-Initiatoren, den Personalschlüssel für VHS und Schloss Borbeck, Folkwang Musikschule und Haus der Geschichte wieder auf den Ursprungszustand zu drehen, hat sich nicht erfüllt. Und doch sollte das personelle Minus irgendwie in ein organisatorisches Plus umgewandelt werden.

Nach langem Ringen wird Kulturdezernent Andreas Bomheuer die Lösung nun dem Kulturausschuss vorstellen. Was da unter der nüchternen Bezeichnung „Neuorganisation des Fachbereichs Kulturbüro“ firmiert, ist mehr als ein Stellenverschieben. Es soll ein Mehr an interner Abstimmung bringen und weniger Kannibalisierung unter den klammen Kultureinrichtungen.

Nur der Institutsleiter und ein Mitarbeiter bleiben in den Kultureinrichtungen

Es bedeutet aber auch ein Umdenken, ein Abschiednehmen von Gewohnheiten und wohl auch von Eigenständigkeit. Und dass die Veränderungen als nötig, aber vielleicht noch nicht von jedem Institutsleiter als Herzensangelegenheit gesehen wird, daraus macht der Dezernent keinen Hehl.

Klar ist: In einigen Kultureinrichtungen von Schloss Borbeck über die Alte Synagoge bis zum Haus der Geschichte wird Verwaltungs-Personal abgezogen. Übrig bleibt der jeweilige Institutsleiter mit einem Mitarbeiter, „weil man nicht alles zentralisieren kann“, sagt Bomheuer. Alle anderen Arbeiten übernimmt künftig das neue, im Kulturamt angesiedelte Servicebüro, ein Dienstleistungs-Pool für Verwaltungs-Aufgaben.

Was früher an jedem Haus von mehreren Kräften erledigt wurde, wird nun von einem vierköpfigen Team um Martin Vogelsang erledigt, angefangen beim Projekt- bis zum Gebäudemanagement, von der Abrechnung bis zur politischen Vorlage. Dazu stößt noch ein Mitarbeiter der Stiftung Zollverein.

Ist der Servicepool für Essens Kultur Entlastung oder Entmachtung?

Vor der vielen neuen Arbeit ist Martin Vogelsang nicht bange: „Wenn Sie gleichartige Aufgaben erfüllen, geht das schneller und besser.“ Durch den Pool soll sogar noch die Einrichtung einer weiterer Stelle für Fundraising möglich werden, um die kulturellen Einrichtungen bei der Akquise von Sponsorenmitteln zu unterstützen. Ein Signal dafür, dass man im Kulturbüro künftig nicht nur den finanziellen Mangel verwalten, sondern auch neue Akzente setzen will. „Wir wollen die Aufgabe des Kulturbüros neu beleuchten“, sagt der neue Fachbereichsleiter des Kulturbüros, Bernd Mengede, bislang für die Leitung des Kulturzentrums Schloss Borbeck zuständig.

Auch Bomheuer ist überzeugt, dass die vermeintliche Beschneidung am Ende neue Kräfte freisetzt. „Wir entlasten die Institutsleiter ja von alltäglichen Aufgaben.“ Dass mancher mit dieser Entlastung auch eine stückweise Entmachtung fürchtet, ist kein Geheimnis. Ein halbjähriger Probelauf soll nun zeigen, welche Ergebnisse der Servicepool bringt. Eine Erweiterung seiner Aufgaben ist nicht ausgeschlossen.