Schulministerin diskutierte über gemeinsamen Unterricht

Jutta Bublies
Sprach vor Lehrern und Schulleitern noch einmal über den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Schülern: Schulministerin Sylvia Löhrmann.
Sprach vor Lehrern und Schulleitern noch einmal über den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Schülern: Schulministerin Sylvia Löhrmann.
Foto: WAZ FotoPool
NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) nutzte den Abend des „Bildungsdiskurses“ am Mittwoch bei der Mercator-Stiftung in Essen, um vor Lehrern und Schulleitern noch einmal für die Inklusion zu werben. Rund 1700 Lehrerstellen an Grundschulen im Land würden erhalten.

Essen. Heiße Eisen wie das Thema Kosten oder die Frage, ob wirklich alle Kinder mit Behinderungen von einem gemeinsamen Unterricht mit Gesunden profitieren, wurden weitgehend ausgeklammert. Stattdessen nutzte NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) den Abend des „Bildungsdiskurses“ bei der Mercator-Stiftung, um vor Lehrern und Schulleitern noch einmal für die Inklusion zu werben.

Ab dem Schuljahr 2014/15 haben behinderte Kinder in NRW ein Recht auf gemeinsamen Unterricht mit Nichtbehinderten, was zunächst für die Klassen 1 und 5 gilt. Löhrmann, früher einmal selbst Englisch- und Deutsch-Lehrerin an der Städtischen Gesamtschule in Solingen, betonte, dass sie die Sorgen der Pädagogen ernst nehme, beim gemeinsamen Unterricht nicht allen Kindern gerecht werden zu können. Rund 1700 Lehrerstellen an Grundschulen im Land, die wegen des Rückganges der Schülerzahlen eigentlich wegfallen müssten, sollten aber erhalten bleiben. „Und das ist nicht nichts“, so die Ministerin.

„Wir brauchen für die Inklusion auch mehr Personal“

Außerdem fange man bei der Inklusion „nicht im luftleeren Raum an. „Wir haben in NRW ja schon seit 30 Jahren gemeinsames Lernen.“ Jede dritte Grundschule habe damit ihre Erfahrungen. Sören Link, Duisburgs Oberbürgermeister, der als ein starker Verfechter der Inklusion auf dem Podium mitdiskutierte, wies allerdings daraufhin, dass es sehr wichtig sei, Lehrer hierfür fortzubilden und auch mehr Sonderpädagogen einzusetzen. Auf die Frage nach der Schließung von Förderschulen entgegnete Löhrmann: „Das wird der Entwicklungsprozess zeigen.“ Kinder mit komplexeren Behinderungen behielten auf jeden Fall ihren Anspruch auf einen sogenannten Integrationshelfer.

Angelika Sass-Leich (59), Leiterin der Peter-Ustinov-Grundschule in Katernberg, eine der Gäste beim „Bildungsdiskurs“, war Folgendes wichtig: „Wir haben seit 2012 auch körperlich und motorisch eingeschränkte Schüler.“ Dies sei gut und richtig. „Denn Kinder sollten schon sehr früh die Gesellschaft in ihrer ganzen Vielfalt kennenlernen. Aber wir brauchen für die Inklusion auch mehr Rückhalt, mehr Personal!“