Schleier-Verbot an Essener Schule – viel Zuspruch für Rektorin

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Das Niqab-Verbot an der Bodelschwingh-Grundschule im Schmelztiegel Altenessen schlägt hohe Wellen. 96 Prozent der Schüler stammen aus Einwandererfamilien, die Schule gilt als Musterbeispiel für eine erfolgreiche Integrationspolitik. Doch Toleranz hat auch hier Grenzen. Die resolute Rektorin erfährt viel Zustimmung.

Essen. Zuerst jagte die vollverschleierte Mutter verängstigten Kindern der Bodelschwingh-Grundschule einen fürchterlichen Schrecken ein, nun schlägt ihr Fall Wellen weit über Essen hinaus. Denn die resolute Rektorin hat der muslimischen Mutter untersagt, fortan das Schulgelände mit Niqab zu betreten. Und damit die grundsätzliche Frage aufgeworfen, wie die Gesellschaft mit Frauen in Burkas und Niqabs umgehen soll. „Ich habe viel Zustimmung erfahren und sehe mich in meiner Haltung bestätigt“, sagt Hannelore Herz-Höhnke, die Schulleiterin.

Die Bodelschwinghschule im Schmelztiegel Altendorf: Von den 218 Schülern stammen 96 Prozent aus Zuwandererfamilien, Kinder mit 40 unterschiedlichen Nationalitäten lernen hier das Einmaleins. In vielen Klassen gibt’s kein einziges deutsches Kind mehr, selbst das Kollegium ist multi-kulti. Bezeichnend: Eine türkischstämmige Kollegin bringt den Schülern die Sprache Goethes bei. Integration wird hier erfolgreich gelebt. Die Kinder sagen freundlich „Guten Morgen“, essen ein gesundes Frühstück, umarmen die Lehrerinnen und lachen gerne. Heiterkeit durchweht den wuchtigen wilhelminischen Schulbau von 1907. „An dieser Schule ist man kein Ausländer“, sagt eine muslimische Mutter stolz.

Niqab-Affäre landesweiter Einzelfall

Die staatlich geprüfte Kinderpflegerin, in Borbeck aufgewachsen und selbst Kopftuchträgerin, stärkt der Rektorin demonstrativ den Rücken: „Ich bin gläubig, aber Vollverschleierung lehne ich total ab, auch mein Sohn fürchtete sich vor der Frau.“ Ein aus Tunesien stammender Vater, engagiertes Mitglied der Schulpflegschaft, pflichtet ihr bei: „Nirgendwo im Koran steht, dass die muslimische Frau eine Burka oder einen Niqab tragen muss.“

Die Niqab-Affäre an der Essener Bodelschwinghschule ist weit und breit ein Einzelfall. Ob bei der Bezirksregierung in Düsseldorf oder bei der Lehrergewerkschaft: Es gibt weder behördliche Leitlinien über den Umgang mit vollverschleierten Personen noch einschlägige Beschlüsse der GEW. Und wie reagiert das Schulministerium in Düsseldorf? Eine Sprecherin verweist auf das Hausrecht, das ein Schulleiter „in begründeten Fällen“ ausüben dürfe. Und eine vollverschleierte Mutter, die für niemanden erkennbar ist, stelle durchaus einen solchen Fall dar.

GEW-Vertreterin zeigt "volles Verständnis"

Vor Beifall aus der falschen, sprich rechtspopulistischen Ecke hat Schulleiterin Hannelore Herz-Höhnke keine Angst. „Ich möchte einer Mutter, mit der ich rede, in die Augen schauen können“. Aufgewachsen in Marxloh als eines von sieben Kindern einer alleinerziehenden Mutter, verkörpert die 54-jährige Rektorin den Typus moderne Frau. Die Mutter von vier Kindern trägt beim Judo den Schwarzen Gürtel und macht auch auf einer 1100er BMW eine gute Figur.

Ilse Führer-Lehner, im GEW-Landesverband zuständig für Frauen- und Bildungspolitik, zeigt „volles Verständnis“ für die Essener Schulleiterin. „Vollverschleierung – das ist für mich ein Stück Unheimlichkeit, die wir einfach nicht gewöhnt sind“, sagt die Referentin, und fügt hinzu: „Nein, in der Schule können wir vollverschleierte Frauen nicht tolerieren.“

Das Wohl des Kindes im Vordergrund

Präzise Zahlen, wie viele Frauen ihr Antlitz in diesem Lande verbergen, gibt es nicht. Fest steht aber, so das Ergebnis einer Dimap-Umfrage, dass mehr als 40 Prozent der Deutschen fürchten, dass sich der Islam in der deutschen Gesellschaft zu stark ausbreitet.

Auf den Straßen Altendorfs sind schon mehrere „Burka“-Frauen gesehen worden. Auch in Essen-Rüttenscheid wühlt ein Burka-Fall die Menschen auf. Betroffen ist hier eine evangelische Kita. Die Frage, wie die Erzieherinnen sich verhalten sollen, wenn eine vollverschleierte Mutter ihr Kind abholen möchte, hat der Kreissynodalvorstand kürzlich so beantwortet: Die Muslima wird in einen Nebenraum geführt und muss dort in Gegenwart einer Erzieherin den Schleier heben . . . Eine Praxis, die Superintendentin Marion Grewe verteidigt: „Das Wohl des Kindes steht für uns im Vordergrund – Religion und Kultur spielen keine Rolle.“

 
 

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