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Organspendeskandal in Essen? Uniklinik wehrt sich gegen die Vorwürfe

Die Uniklinik Essen wehrt sich gegen die Vorwürfe, die ihr gemacht werden. (Symbolbild)
Die Uniklinik Essen wehrt sich gegen die Vorwürfe, die ihr gemacht werden. (Symbolbild)
Foto: dpa
  • Eine Überwachungskommission hat Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen in Essen festgestellt
  • In 24 Fällen sollen Richtlinien nicht eingehalten worden sein
  • Die Klinik wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe

Essen. Droht der Uniklinik Essen ein Transplantationsskandal? Wie eine Prüfungskommission herausgefunden hat, soll es zwischen 2012 und 2016 Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Spenderlebern gegeben haben.

Die Prüfungs- und Überwachungskommission (PÜK) überwacht seit dem Organspendeskandal 2012 die Transplantationen in Deutschland. In ihrem Bericht heißt es, dass in Essen bei mindestens 24 Fällen gegen geltendes Recht verstoßen wurde.

Verstöße bei Alkoholerkrankungen der Patienten

In acht Fällen sollen Patienten eine neue Leber erhalten haben, obwohl sie das vorgeschriebene Mindestmaß an alkoholloser Zeit noch nicht erreicht hatten. Sechs Monate lang müssten Patienten eigentlich nüchtern bleiben, damit sie ein Spenderorgan bekommen können.

In 18 Fällen, so die PÜK weiter, sollen Leberorgane an Patienten vermittelt worden sein, deren Tumoren entweder zu klein oder zu groß gewesen sind.

Darüber hinaus beklagt die Kontrollinstanz, dass Organe beim sogenannten „beschleunigten Verfahren“ an falsche Patienten vermittelt wurden. Bei diesem Verfahren können Kliniken Zugriff auf ein Spenderorgan bekommen, das von anderen Krankenhäusern abgelehnt wurde.

In 120 Fällen den Patienten kurzfristig getauscht

Für diese Organe hat die Uniklinik einen 24-Stunden-Dienst eingerichtet. Ist ein Organ verfügbar, wird sofort der Chefarzt kontaktiert, dieser wählt einen Patienten aus. Dann meldet der Dienst dies Eurotransplant, die für die Verteilung der Organe zuständig ist.

Organ und Spender kommen so ungesehen zueinander. In 120 von 175 Fällen hat sich die Uniklinik kurzfristig für einen anderen kranken Patienten entschieden. Das passiert, wenn dieser nicht schnell genug für eine OP bereit steht. Oder wenn das Organ, nachdem es in Augenschein genommen wurde, doch nicht gut genug zum ausgewählten Patienten passt.

Die Uniklinik wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe, gibt aber zu, in dem angegebenen Zeitraum die eigene Dokumentationspflicht nicht vollständig eingehalten zu haben.

177 Seiten lange Gegendarstellung der Uniklinik

Die Uniklinik geht in ihrer Stellungnahme und ihrer 177 Seiten langen Gegendarstellung sogar so weit, den Medizinern vom PÜK die Fachkompetenz abzusprechen.

Dort heißt es: „Nachweisbar sind - von Personen ohne jede spezifische Fachkompetenz - in zahlreichen Fällen falsche Angaben über die Größe von Tumoren den Beanstandungen zugrunde gelegt worden. Entsprechendes gilt für die Rügen hinsichtlich der Alkoholabhängigkeit von Organempfängern.“

Auch bei der Handhabung der von anderen Krankenhäusern abgewiesenen Spenderorgane sieht die Uniklinik keine Versäumnisse.

Sie sagt vielmehr, ihr Bestreben wäre gewesen, „soweit medizinisch vertretbar, möglichst jedes grenzwertige Organ möglichst effektiv zu verwenden. In keinem Fall hat die Prüfungs- und Überwachungskommission nachweisen können, dass der jeweilige Empfänger ein Organ zu Unrecht bekommen hätte.“

Gutachten entlastet die Uniklinik

Bereits bevor die Mängel durch die PÜK in der letzten Woche öffentlich bekannt geworden sind, habe das Uniklinikum mit einer Aufarbeitung der Vorwürfe begonnen. Resultat ist die ausführliche Gegendarstellung. Darauf sei die Prüfstelle in ihren Ausführungen nicht eingegangen.

Auch habe die Uniklinik den Sachverhalt durch eine neutrale Stelle überprüfen lassen. „Beanstandungen waren nicht festzustellen“ heißt es von Klinikseite.

Am Dienstag will sich die Uniklinik auf einer Pressekonferenz erneut zu den Vorwürfen äußern. (ds)

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