Mini-Kraftwerke senken Strom- und Heizkosten in Essener Kliniken

Felix Rentzsch
Blick in den Heizungskeller des Elisabeth-Krankenhauses in Essen-Huttrop.
Blick in den Heizungskeller des Elisabeth-Krankenhauses in Essen-Huttrop.
Foto: Christof Koepsel / FUNKE Foto Services
Die Nachfrage nach dezentralen Energielösungen ist groß. Betreiber können ihre Kosten meistens deutlich senken. Stromkonzerne versuchen, auf den Zug aufzuspringen.

Essen. Das Elisabeth-Krankenhaus hat es getan, das Lutherhaus auch, ebenso das Huyssenstift, die Kliniken in Werden und Kupferdreh und das Knappschaftskrankenhaus, um nur einige zu nennen. All diese Häuser haben ihre Energieversorgung in den vergangenen Jahren selbst in die Hand genommen. Mittlerweile verfügen die meisten Essener Kliniken über leistungsfähige Blockheizkraftwerke (BHKW), die sowohl Wärme als auch Strom erzeugen – also direkt vor Ort Energie produzieren. Der Wirkungsgrad dieser Aggregate liegt bei traumhaften 90 Prozent und mehr. Logisch, dass sich für die Betreiber dadurch erhebliche Einsparmöglichkeiten ergeben.

Wolfgang Siewert, Technischer Direktor der Contilia-Gruppe (fusionierte im März 2014 mit den Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel), bilanziert die Kostensenkung im Elisabeth-Krankenhaus auf etwa 330.000 Euro pro Jahr. Gleichzeitig konnte der CO2-Ausstoß in den Gebäuden auf dem Klara-Kopp-Weg um circa 1500 Tonnen gesenkt werden. „Wir decken inzwischen 90 Prozent unseres Energiebedarfs selbst, teilweise sogar zu 100 Prozent“, so Siewert. Vier von sechs Häusern der Gruppe wurden bereits auf BHKWs umgerüstet, die beiden anderen sollen in den kommenden Jahren folgen.

Für die großen Stromkonzerne wird die dezentrale Energieversorgung zunehmend zum Problem. Zumindest im Moment, denn Großversorger wie EON und RWE verlieren im ersten Schritt zahlende Kunden, die Heizung und Licht aus eigener Kraft betreiben. Der größte deutsche Stromanbieter EON gab erst gestern einen Verlust von 3,2 Milliarden Euro bekannt. Das klassische Geschäft mit der zentralen Energieproduktion rechnet sich immer weniger, auch wenn Alexander Ihl, Sprecher von EON, betont, dass sich beide Erzeugungsarten nicht gegeneinander aufrechnen lassen.

Stromkonzerne investieren in dezentrale Energieproduktion

Das Unternehmen aus Düsseldorf versucht nun, auf den Selbstversorger-Zug aufzuspringen und investiert in den Bereich der dezentralen Energien. Bundesweit hat EON im vergangenen Jahr 111 Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen errichtet. Darunter fallen auch Blockheizkraftwerke, wie die in den Essener Kliniken. „Mit einem Umsatz von einer Milliarde Euro gehören wir zu den Top-Playern in diesem Segment“, erklärt Ihl. Das Unternehmen wachse in dem Bereich sogar schneller als der Markt. Auch die Essener STEAG (der frühere Name lautete übrigens Steinkohlen-Elektrizität AG) versucht den Schwenk zu grüner Energie. Der Kohlekessel im Heizkraftwerk Rüttenscheid wurde vor einem Jahr gegen ein BHKW getauscht, das nun mit Biogas betrieben wird. Die Anlage versorgt unter anderem die Uniklinik über Fernwärme.

Doch nicht nur für Krankenhäuser lohnt sich der Betrieb von eigenen Mini-Kraftwerken. Auch Hotels, Schwimmbäder und große Industrieunternehmen könnten vom System der Kraft-Wärme-Kopplung profitieren, findet Christian Lipski, Technischer Leiter bei GASAG in Kettwig. „Das Potenzial ist riesengroß. Es gibt sehr viele Liegenschaften, in denen so etwas einsetzbar wäre. Blockheizkraftwerke machen überall da Sinn, wo es einen konstant hohen Bedarf an Strom und Wärme gibt“, erklärt Lipski. Sein Unternehmen hat im vergangenen Jahr fünf Krankenhäuser mit neuen Anlagen ausgestattet, darunter auch das Elisabeth-Krankenhaus. Die Energiekosten konnten gleich im ersten Jahr durchschnittlich um 19 Prozent gesenkt werden.

Blockheizkraftwerk: Entscheidend ist die Auslastung

Doch nicht in allen Fällen bringen solche Anlagen den erhofften Erfolg. Der größte lokale Wohnungsanbieter Allbau fährt mit seinem BHKW in Kray derzeit Verluste ein, wie Michael Jürißen, Bereichsleiter für technische Anlagen, gegenüber der NRZ bestätigt. „Die Wartungskosten sind zu hoch“, sagt Jürißen. „Unsere Anlage am Zehnthof ist relativ klein, wir versorgen das Areal zu 15 Prozent, größere Systeme rechnen sich eher.“

Ab wann sich ein BHKW lohnt, hängt vor allem von den Betriebsstunden ab, wie Wolfgang Siewert von Contilia erklärt. „Das Jahr hat 8765 Stunden, davon muss man zum Beispiel Inspektionen abziehen. Wir liegen mit unseren Anlagen bei etwa 7800 Betriebsstunden.“ Fünf bis acht Jahre wird es wohl dauern, bis sich die Anschaffung des neuen Aggregats im Elisabeth-Krankenhaus rechnet. „Krankenhäuser brauchen vor allem vormittags sehr viel Energie, also dann, wenn sie am teuersten ist“ betont Siewert. „Daher versorgen wir uns selbst. Vielleicht braucht man dadurch irgendwann ein Atomkraftwerk weniger.“