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Tomáš Netopil leitet ab Herbst 2013 die Philharmonie in Essen

Tomáš Netopil leitet ab Herbst 2013 die Essener Philharmonie

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Foto: WAZ FotoPool
Tomáš Netopil leitet ab Herbst 2013 die Essener Philharmoniker. Jetzt unterzeichnete er seinen Vertrag, der etwa 140 Tage Anwesenheit in Essen vorsieht. Dazu bleibt Netopil weiter Musikchef des Prager Nationaltheaters.

Essen. 

Sein Deutsch klingt noch holperig, deshalb wechselt Tomáš Netopil bei seiner Vorstellung als künftiger Generalmusikdirektor der Philharmoniker lieber ins fließende Englisch. Seit vorgestern Abend war der gebürtige Tscheche und amtierende Musikdirektor des Prager Nationaltheaters in Essen unterwegs. Treffen mit dem Aufsichtsrat der Theater- und Philharmonie GmbH (TuP), der ihn einstimmig berief. Termine mit der Geschäftsführung, dem Kulturdezernenten, den Intendanten von Schauspiel, Philharmonie, dem Orchestervorstand der Philharmoniker und natürlich dem künftigen engsten Kollegen in der Stadt, Hein Mulders.

Der Niederländer saß selbst vor einem Jahr und einem Monat auf diesem Podium und stand Rede und Antwort. Jetzt gehörte er zu den Protagonisten, die nach langer Wartezeit den Nachfolger von Stefan Soltesz als Musikchef der Stadt präsentierten, für dessen Auswahl er maßgeblich mitverantwortlich war. Nachdem das Kandidatenkarussell sich seit Wochen nicht mehr drehte, sei es um steuerrechtliche Fragen gegangen. Die wollte man wasserdicht geklärt haben, damit auf die Stadt keine böse Überraschung in Form möglicher Nachzahlungen von Sozialabgaben o.ä. zukäme.

Auch slawische Opernliteratur in den Fokus setzen

Denn Netopil behält weiter seinen Hauptwohnsitz in Prag. „Dort leben meine Frau und die kleinen Kinder, das wäre schwer, sie aus ihrer Umgebung zu holen“, sagt der 37-Jährige. Außerdem bleibt er zunächst Musikdirektor am dortigen Nationaltheater. Was bleibt dann für Essen? „Etwa 140 Tage Präsenz, zwei der insgesamt fünf Opernneuproduktionen und die Hälfte der Philharmonischen Konzerte.“ Mit Hein Mulders scheint er sich einig: Nach bisherigen Schwerpunkten mit Wagner, Verdi und Strauss müssen wir auch anderes bringen. Beide denken da an die große slawische Opernliteratur, Mozart, für den Netopil in Prag fast naturgemäß tiefe Verehrung zollt oder die schillernde Welt des Belcanto. In der Oper wird man mehr Gastdirigenten hören. Gemeinsam mit den Intendantenkollegen sollen die wunderbaren Philharmoniker auch stärker nach außen positionieren. Tourneen, Radio oder Fernsehen, mehr Auftritte in der Philharmonie: Das klingt nach Zukunftsmusik. Gestern unterzeichnete man erstmal den Vertrag.