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Bewegender Abschied von Aalto-Intendant Stefan Soltesz

Bewegender Abschied von Aalto-Intendant Stefan Soltesz

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Foto: WAZ
Intendant und Generalmusikdirektor Stefan Soltesz betrat am Sonntagabend das letzte Mal die Bühne des Aalto-Theaters in Essen. Es gab frenetischen Applaus und emotionale Momente, aber auch Enttäuschung über die Sprachlosigkeit der Stadt. Zuletzt hatte der Dirigent alle weiteren Auftritte abgesagt.

Essen. 

Als am Sonntagabend nach über vier Stunden schönsten Strauss-Schillerns der letzte Ton verklungen war und sich die Bravo-Rufe für das Ensemble zu einem Begeisterungssturm steigerten, als der scheidende Aalto-Intendant und -GeneralmusikdirektorStefan Soltesz die Bühne betrat; als das Publikum auch nach 15 Minuten immer noch nicht aufhören wollte, frenetisch zu applaudieren, da war klar, dass dieser Abend im Aalto ein ganz besonderes Finale verdient.

So gab es Sekt und Freibier für alle, und beim Anstoßen wurde die Frage diskutiert, ob der Hauptgast überhaupt zur eigenen Abschiedsfeier kommen würde, nachdem er zuletzt alle verabredeten Auftritte in Essen abgesagt hatte. Er kam. Und machte es wie immer kurz, aber an seinem letzten Abend nicht ganz schmerzlos. „Vielleicht habe ich das in den letzten 16 Jahren zu selten betont, aber ich habe es geliebt, hier zu arbeiten“, zeigte sich der scheidende Aalto-Chef durchaus bewegt: „Ich habe die 16 Jahre in Essen mit großer Begeisterung erlebt. Es war der wichtigste und schönste Lebensabschnitt. Behalten Sie mich in guter Erinnerung.“

Die beste Respektbezeugung gewesen

Für viele Soltesz-Fans, die zur letzten Vorstellung sogar aus Frankreich angereist waren, wie die ehemalige Aalto-Cellistin Annemarie Fritsche und ihr Kollege Florian Meyer-Langenfeld wäre das der Moment gewesen, an dem man ein Gruß-Wort von offizieller Seite erwartet hätte. Doch die von vielen erhoffte Ansprache blieb aus. „Jeder gestaltet seinen Abschied ja auch ein Stück selber“, erklärte Oberbürgermeister Reinhard Paß das städtische Schweigen. Das Angebot hätte gestanden, doch die Signale seitens Soltesz seien klar andere gewesen. Im Übrigen sei der furiose Schlussapplaus doch die beste Respektbezeugung gewesen, so Paß. „Eine Ansprache hätte das nicht toppen können“.

In der Tat begeisterte Soltesz sein Publikum noch einmal mit einer „Frau ohne Schatten“, die er zu seinem Abschied mit geradezu glühend heißer Nadel dirigierte. Da ließ er bisweilen die Zügel locker und die orchestralen Wogen wie wuchtige Druckwellen durchs Theater fluten. Das Orchester entfaltete den Klang so schön, voluminös, auch ein wenig selbstvergessen wie eine vierstündige Symphonie. Sängerfreundlich war das nicht immer. Vor allem die Damen forcierten an den Höhepunkten bis zur Schmerzgrenze. Nach wie vor ein Ereignis ist der mittlerweile 75-jährige Franz Grundheber als Barak mit immer noch mühelos ansprechender Stimme. Und Jeffrey Dowd, Kaiser der ersten Stunde, sorgte für eine der kultiviertesten Leistungen des Abends.

Soltesz-Fans wie Meyer-Langenfeld zeigten sich am Ende dennoch „enttäuscht“ vom Abend ohne Honneurs. Der ehemalige Cellist der Philharmoniker ist treuer Abonnent des Hauses. „Man ist doch stolz, dass man diesen Erfolg des Hauses miterleben kann.“