Inklusion könnte Essen etwa 40 Millionen Euro kosten

Die Inklusion könnte die Stadt etwa 40 Millionen Euro kosten. Eine Größenordnung, die kaum zu stemmen ist.
Die Inklusion könnte die Stadt etwa 40 Millionen Euro kosten. Eine Größenordnung, die kaum zu stemmen ist.
Foto: dpa
Die Inklusion an Essener Schulen könnte die Stadt eine Menge Geld kosten. Laut eines Gutachtens, das der Städtetag NRW, der Landkreistag NRW und der Städte- und Gemeindebund NRW in Auftrag gegeben hatten, könnten auf die Stadt Investitionskosten in Höhe von 40 Millionen Euro zukommen.

Essen. Die von der NRW-Landesregierung geplante Inklusion an den Schulen dürfte für Essen finanziell kaum zu stemmen sein. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten der kommunalen Spitzenverbände, das gestern in Düsseldorf vorgestellt wurde. Die Bildungs- und Finanzwissenschaftler hatten sich für Essen und Borken als Beispielkommunen entschieden. Essen müsste demnach bis zum Jahr 2019/2020 mindestens 18 Millionen Euro investieren, vor allem für Barrierefreiheit und zusätzliche Räume. Dazu kämen in den Jahren danach laufenden Kosten für die Inklusion in Höhe von zwölf Millionen Euro pro Jahr.

Bei einer pädagogisch sinnvollen Verkleinerung der Klassen für den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern und Jugendlichen wären sogar Investitionen für die Stadt in Höhe von über 40 Millionen Euro nötig, so das Gutachten, das der Städtetag NRW, der Landkreistag NRW und der Städte- und Gemeindebund NRW in Auftrag gegeben hatte.

Erhebliche zusätzliche laufende Ausgaben kommen hinzu

Die Investitionskosten werden vor allem für den Bau, den Umbau und die Ausstattung der erforderlichen Klassen- und Differenzierungsräume, der Fach- und Therapieräume sowie für die Herstellung von barrierefreien Zugängen zu den Schulgebäuden fällig: „In einer pädagogisch sinnvolleren, erweiterten Reformvariante, bei der die Größe der Klassen zum Beispiel an weiterführenden inklusiven Schulen auf 25 Schüler begrenzt ist, beliefen sich die notwendigen Investitionen im selben Zeitraum in Essen schon auf mehr als 40 Millionen Euro.

Hinzu kommen erhebliche zusätzliche laufende Ausgaben für die Ganztagsbetreuung von Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf, für Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter, Integrationshelfer und Lehr- und Lernmittel in Höhe von jährlich zwölf Millionen Euro ab dem Zielperspektivenjahr 2019/2020“, begründen die Gutachter ihr Zahlenwerk.

Gutachter bemängeln fehlende Standards

Sie bemängeln vor allem, dass es das Land bislang versäumt habe, Standards zu benennen und festzulegen. Dies sei aber für die Entwicklung eines inklusiven Schulsystems unabdingbar. Im Gutachten habe man sich nicht unbedingt am hohen Level der Förderschulen orientiert, sondern häufiger an Mindeststandards: Darüber müsse endlich gesprochen werden, denn die Standards bestimmten ganz entscheidend die Kosten für die Kommune. Ohne finanzielle Entlastung für die Städte drohe aber das Scheitern der Inklusion.

Dies bekräftigte im NRZ-Gespräch auch Essens Schuldezernent Peter Renzel: „Diese Zahlen sind nicht vom Himmel gefallen. Ich bin froh, dass wir eine der Beispielkommunen in dem Gutachten waren. Und es zeigt, dass die Inklusion ohne die Hilfe des Landes für eine Kommune wie Essen nicht zu schaffen ist.“

"Wir brauchen heute verbindliche Standards"

Gleichzeitig könne er die Aussagen der Gutachter nur unterstreichen: „Wir brauchen heute verbindliche Standards, sonst wird das eine Inklusion nach Kassenlage und wir haben in jeder Stadt ein anderes Niveau. Damit ist keinem geholfen.“ In Essen wird an 60 Grundschulen der gemeinsame Unterricht angeboten, 14 integrative Lerngruppen kann die Stadt an den weiterführenden Schulen anbieten. „Die Inklusion steckt bei uns noch in den Kinderschuhen“, sagte der Schuldezernent. „Um so wichtiger ist es jetzt, dass wir eine gute Grundlage schaffen.“

 
 

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