Essen

Sie starb in der „Verrichtungsbox“: Der furchtbar einsame Tod einer Prostituierten auf dem Essener Straßenstrich

Auf dem Essener Straßenstrich starb am Sonntagabend eine Prostituierte an einer Überdosis. (Symbolfoto)
Auf dem Essener Straßenstrich starb am Sonntagabend eine Prostituierte an einer Überdosis. (Symbolfoto)
Foto: Funke Foto Services
  • Jetzt steht fest: Prostituierte in Essen starb an einer Überdosis
  • Fixerbesteck neben der Leiche gefunden

Essen. Die Einstichwunde ist noch frisch. Die Frau liegt leblos in der grünen Box. Das Fixerbesteck neben ihr: Der goldene Schuss. Und das einsame Ende einer 38-jährigen Prostituierten. Mitten auf dem Essener Straßenstrich.

Am späten Sonntagabend konnte der Rettungsdienst nur noch den Tod der Frau feststellen. Eine andere Prostituierte hatte sie gefunden, rief den Notarzt. Schnell war klar, dass wohl eine Überdosis den Tod verursacht hatte.

Alles spricht für Drogentod

Das bestätigt nun auch die Polizei, nachdem sie die toxikologischen Untersuchungen ausgewertet hat. "Alle Umstände sprechen dafür", sagt Polizeisprecher Christoph Wickhorst gegenüber DER WESTEN.

Auf dem Straßenstrich auf dem früheren Kirmesplatz ist das Wetter am Sonntagabend gegen 21.45 Uhr ungemütlich. Es regnet. Normalerweise verirren sich jetzt nicht mehr viele Frauen und Freier her, weiß Sarah Hermes. Sie ist Mitarbeiterin von Strichpunkt, einem Projekt, das sich um die Prostituierten in Essen kümmert.

Montags bis samstags sind Sozialarbeiter für die Frauen da. Ein Container dient als Ruheraum. Nur am Sonntag ist niemand von Strichpunkt da.

Verrichtungsboxen sind nicht einsehbar

Rund 20 Prostituierte arbeiten an normalen Tagen auf dem Strich. Betonpöller weisen den Freiern den Weg. Die Frauen warten auf Kundschaft. Viele haben ein Heroinproblem.

Hermes: "In der Nähe war der ehemalige Drogenstrich. Der Platz wurde errichtet, damit die Frauen ihrer Arbeit sicher nachgehen können."

Dafür wurden Boxen gebaut. Zwei Arten gibt es: In zehn können Freier mit ihren Autos hinein fahren. Dazu stehen drei Stehboxen für Fußgänger bereit.

In einer solchen Box lag auch die tote 38-Jährige. Statt sich dort mit einem Freier aufzuhalten, setzt sie sich ihren letzten Schuss. Alleine war sie, als der Stoff in ihre Blutbahn floss und ihr Lebensgeist langsam erlosch.

Niemand bekam etwas davon mit. "Man kann nicht unbedingt sehen, ob sich in den Stehboxen eine Person aufhält", erklärt Hermes. Normalerweise helfen sich die Frauen untereinander. Doch ob sie sich einen Schuss setzen, kontrollieren sie nicht. (ds)

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