Herbststürme bedrohen Zelte in Essens Flüchtlingsdörfern

Dunkle Wolken über dem Flüchtlingsdorf an der Planckstraße.
Dunkle Wolken über dem Flüchtlingsdorf an der Planckstraße.
Foto: Funke Foto Services
Am Mittwoch blieb die Unwetterwarnung noch ohne Folgen. Doch die Herbststürme stehen vor der Tür. Bläst’s zu stark, müssen die Zeltstädte evakuiert werden.

Essen. Bomben, Matsch und Materialnot: Bei der Unterbringung von Flüchtlingen im großen Stil sieht sich die Stadt Tag für Tag mit neuen Unwägbarkeiten konfrontiert – da macht jetzt selbst das Wetter keine Ausnahme mehr. Als am Mittwochmorgen die ersten Warnungen für den Nachmittag aufkamen, dürfte es für Thomas Lembeck und seine Mannen bei der Feuerwehr ein beruhigendes Gefühl gewesen sein, sich auf solche Eventualitäten und eine schnelle Evakuierung der neuen Flüchtlingsdörfer vorbereitet zu haben.

Ein Sondereinsatzplan liegt fertig in der Schublade des stellvertretenden Feuerwehr-Chefs und soll in der kommenden Woche dem verantwortlichen Ordnungsdezernenten Christian Kromberg vorgestellt werden. Auch wenn man am Mittwoch schon in Habachtstellung war – das neue Konzept kam am Ende glücklicherweise nicht zum Tragen.

Plan in der Schublade

Von dem angekündigten Unwetter blieb nicht mehr als ein strammes Lüftchen, dem die beiden bereits bewohnten Zelte am Altenbergshof im Nordviertel und an der Planckstraße in Holsterhausen mühelos standhielten. Doch der Herbst steht vor der Tür und mit ihm wahrscheinlich Stürme mit Windstärken von zehn, elf und mehr, die die Sicherheit von bald fast 4000 Menschen in den bis zu zehn künftigen Flüchtlingsdörfern akut gefährden können.

Spätestens dann kommt ein bislang noch nicht da gewesenes Notfall-Szenario auf die Verantwortlichen zu – aber sie haben sich darauf eingestellt, versichert Lembeck. Es gebe bereits verbindliche Absprachen mit der Evag, „schnellstmöglich“ Busse zu mobilisieren, die die Menschen zu einer Lagerhalle der Malteser an der Hilgerstraße im Nordviertel fahren. Vor Wind und Wetter geschützt, werden die Flüchtlinge dort mit Getränken und Snacks versorgt. Die Verpflegung und auch Bierzeltgarnituren befinden sich bereits vor Ort, sagt der Feuerwehr-Vize.

Lagerhalle der Malteser bietet ausreichend Platz

In der Halle müssen die Betroffenen unter Umständen ein paar Stunden ausharren, bis sich das Wetter beruhigt hat, und werden – wenn die Schäden an den Zelten nicht zu groß sind – von dort zurück in ihre Unterkünfte gebracht. Die Halle jedenfalls biete ausreichend Platz, um die derzeit 370 Flüchtlinge, die am Altenbergshof und an der Planckstraße in Zelten leben, vorübergehend zu beherbergen.

Sollte die Unterbringung von mehr Menschen nötig sein oder sogar das eine oder andere Zeltdorf durch ein Unwetter zerstört werden, gibt’s weitere Alternativen. „Insgesamt 13 Objekte sind ausgeguckt“, sagt Lembeck. So hätten Kirchengemeinden sich bereit erklärt, den Menschen im Notfall ein Dach über dem Kopf zur Verfügung stellen zu wollen. Und die Feuerwehr ist bereits im Besitz der Schlüssel für zwei Schulturnhallen an der Ruschenstraße in Bredeney und an der Prinz-Friedrich-Straße in Kupferdreh. Dort stehen acht große Überseecontainer, in denen sich all das befindet, was für eine schnelle Aufrüstung der Gebäude notwendig werden kann: Böden, Betten, Tische und mehr.

Werden weitere Kapazitäten benötigt, ist selbst die Grugahalle nicht tabu.

 
 

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