Essen

Frittenwerk, Vapiano, Five Guys: So reagieren Essener Gastronomen auf den Angriff der großen Ketten

Zweieinhalb Kilometer lang zieht sich die Rüttenscheider Straße durch den gleichnamigen Stadtteil. Wer hier lebt, arbeitet oder ausgeht, sagt meist nur "Rü" zu ihr.
Zweieinhalb Kilometer lang zieht sich die Rüttenscheider Straße durch den gleichnamigen Stadtteil. Wer hier lebt, arbeitet oder ausgeht, sagt meist nur "Rü" zu ihr.
Foto: Sebastian Konopka/Funke Foto Services

Essen. Bobby&Fritz statt alter Currywurst-Bude? Vapiano statt alteingesessenem Italiener? Immer mehr Ketten prägen das Essener Stadtbild.

Individualisten gegen Systemgastronomie?

Auch auf der Rü sind augenscheinlich immer mehr Riesen vertreten: Von WonderWaffel über Extrablatt bis hin zu Sausalitos. Doch gibt es wirklich solch einen kommerziellen Rush auf die Rü?

„Es gibt 179 Läden in Rüttenscheid, davon sind nicht mal zehn Systemgastronomen. Der Markt regelt sich von selber“, sagt Rolf Krane, der erste Vorsitzende der Interessengemeinschaft Rüttenscheid (IGR). Natürlich entsprechen die großen Ketten nicht dem, was für die Rü-typisch sei, also die Inhaber geführten Läden Jedoch sei Systemgastronomie nicht immer unsympathisch. Einige der Läden liefen sogar außerordentlich gut, erklärt Krane.

Wer was Individuelles sucht hat jede Menge Auswahl

„Ich glaube aber, dass die Rüttenscheider gelassen sind, da die Ketten keine Konkurrenz sind. Wenn sie nicht ankommen, werden sie irgendwann verschwinden. Genauso wie die Kleinen.“

Wer was Individuelles sucht habe jede Menge Auswahl, ergänzt Krane: „Die Franchise-Unternehmen und Systemgastronomen verändern nicht den Charakter Rüttenscheids.“

Konditorin Kötter setzt auf Qualität

Auch bei der Traditionskonditorei Kötter macht man sich nicht wirklich Sorgen. Susanne Köter führt das schöne Café auf der Rü: „Ich finde es natürlich nie toll, wenn Ketten kommen. Aber gerade durch die Riesen kommt es auch wieder zu Gegenbewegungen und so der Bedarf für neue Ideen und Lädchen.“

Gerade in den vielen Seitenstraßen würden immer wieder junge Leute ihre individuellen Ideen verwirklichen und damit gut ankommen. „Man ist dieses Uniformierte Leid. Die großen kommen zwar, weil der Stadtteil intakt ist. Doch die Rechnung geht meistens nicht für sie auf.“ Kötter ist sich sicher, dass Qualität sich immer bewährt. Ihre Konditorei, die auf klassische Spezialitäten setzt, sei der beste Beweis: Jung und Alt strömen seit 1977 in das Café.

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Auch Jung-Gastronomen, wie Fethi, der Geschäftsführer des Falafel-Paradieses „Habibiz“ sieht kein wirkliches Problem in den Riesen.: „Individuelle Läden sind natürlich immer besser. Ich kann aber verstehen, dass ein Vermieter sich der Sicherheit halber eher große Läden reinholt. Das ist halt ein Szeneviertel.“ Große Ketten seien auch nicht immer schlecht, da man eben wisse, was man bekäme. „Nach dem Individuellen muss man immer erst einmal suchen.“

„Gesunder Mix“ auf der Rü

Auch Tomislav Groseta, Mitinhaber des Istra Steakhouse, sieht es ähnlich: "Ich denke, wir haben auf der Rü einen gesunden Mix aus inhabergeführten Restaurants und Ketten. Das ist gut und lockt verschiedenes Publikum an.“ Doch bei zu vielen Ketten ginge der individuelle Charakter verloren. Das sei schade. „Als Nieschen-Anbieter habe ich bisher keinen Einbruch durch die Ketten festgestellt", so Groseta.

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