Friedensangebot am Essener Hauptbahnhof

Kai Süselbeck
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Essen. Seit drei Jahren ringen Bahn und Stadt um Neubauten. In dieser Woche kommen nachgebesserte Pläne auf den Tisch. Gegen zwei Projekte gibt es Bedenken, unter anderem, weil ein neues Hochhaus den Bahnhof verstecken würde.

Rechts und links vom neuen Hauptbahnhof plant die Bahn AG weitere Neubauten, darunter ein Doppel-Hochhaus an der Stelle des Aurelis-Hochhauses. Seit 2007 dauert die Debatte um diese Pläne. Für diese Woche hat die Bahn ein Friedensangebot angekündigt, das den Bedingungen und Bedenken der Stadt Rechnung tragen soll.

Grünes Licht bekommen hat die Bahn bereits für den Neubau eines Parkhauses mit acht Geschossen und rund 530 Plätzen. Zwei weitere Projekte sind derzeit umstritten zwischen Stadt und Bahn: der Hochhaus-Neubau gegenüber dem Haus der Technik und der Neubau eines sechsgeschossigen Bürogebäudes gegenüber der Hauptpost.

Gegenüber dem Haus der Technik will die Bahn AG das angeschmuddelte Aurelis-Hochhaus abreißen und durch zwei versetzt angeordnete Gebäudescheiben mit 16 und 17 Geschossen ersetzen. Die Verbindung zum neuen Hauptbahnhof sollen zwei parallel angelegte sechsstöckige Gebäude bilden, in denen die Bahn bis zu 4000 Quadratmeter zusätzliche Verkaufsfläche für den Einzelhandel schaffen will. Zum Vergleich: Der neue Bahnhof umfasst 5700 Quadratmeter Verkaufsfläche.

„Der Hauptbahnhof muss als solcher erkennbar sein“

Gegen diesen Bau gibt es grundsätzliche Bedenken: „Der Hauptbahnhof muss als solcher erkennbar sein. Er darf nicht hinter dem neuen Hochhaus verschwinden“, formulierte der Planungsausschuss im Mai 2009. Planungsamtschef Thomas Franke hat der Bahn aber auch ganz praktische Probleme aufgezeigt: Der Platz vor dem Bahnhof soll sowohl als Anlieferungsweg für Lidl und andere Einzelhändler dienen, dazu als Zuweg zu den neuen Gebäuden und als Taxi- und Parkfläche. „Damit wird der Platz überfrachtet“, sagt Franke, „die Ein- und Ausfahrt wird zum Nadelöhr.“

Außerdem haben die Politiker die Hoffnung noch nicht aufgegeben, die Straßenbahnlinie 109 vom Krupp-Quartier bis zur Steeler Straße doch noch bauen zu können. Das strikte „Nein“ des ehemaligen Landesverkehrsministers Oliver Wittke zu einer Landesförderung wurde unter seinem Nachfolger Lutz Lienenkämper schon zu einem „Vielleicht“. Jetzt sucht die Stadt das Gespräch über die City-Straßenbahn mit dem neuen Minister Harry K. Voigtsberger (SPD). Die Weichen für die 109 hat sie am Beitz-Boulevard schon mal gelegt. Für alle Fälle.

Sollte die 109 aber jemals durch Hache- und Hollestraße rollen, wäre das Bahn-Hochhaus an der jetzt geplanten Stelle im Wortsinn im Weg. Deshalb müsse die Bahn sich und ihr Hochhaus ebenfalls im Wortsinn zurücknehmen, bekamen die Bahn-Vertreter im Juni zu hören.

Zweimal hat die Bahn AG bereits auf Kritik und Bedenken von Politikern und Stadtplanern reagiert und ihre Planungen nachgebessert sowie die Zustimmung des Hochhaus-Eigentümers eingeholt. Diese Woche werden die Berliner Bahnhofsplaner einen weiteren Entwurf vorlegen, der die Verkehrsfragen am Bahnhofsvorplatz im Sinne der Stadt lösen soll. Das kündigte Bahn-Sprecher Udo Kampschulte auf WAZ-Anfrage an und setzte hinzu: „Es wäre schön, wenn die Dinge jetzt in Bewegung kämen.“ „Endlich“ hat er nicht gesagt.