Evag-Mitarbeiter müssen für Raucherpausen ausstempeln

Michael Mücke
Mitarbeiter der Evag-Verwaltung an der Zweigertstraße müssen fürs Rauchen ausstempeln. Die Raucherpause wird von der Arbeitszeit abgezogen.
Mitarbeiter der Evag-Verwaltung an der Zweigertstraße müssen fürs Rauchen ausstempeln. Die Raucherpause wird von der Arbeitszeit abgezogen.
Foto: Essen
Die Essener Verkehrsgesellschaft auf Sparkurs: Mitarbeiter sollen den Gürtel etwas enger schnallen. Raucher müssen während der Arbeitszeit ausstempeln.

Essen. Raucher gönnen sich gerne mal ein Päuschen. Kurz mal raus vor die Tür. Fünf Minuten für eine Zigarette. Da meckert doch keiner. Oder? Oh doch! Weil es eben meist nicht bei einer Zigarette bleibt, sondern bis Ende der Schicht fünf, zehn, 15 oder gar mehr Kippen zusammenkommen. Bis vor kurzem hatte die Essener Verkehrsgesellschaft Evag da ein Auge zugedrückt.

Doch der aktuelle Sparzwang lässt dies nicht mehr zu. Zwar darf sie ihren Mitarbeitern das Rauchen nicht verbieten, aber wer davon nicht lassen kann, soll dies als Privatperson tun. Per Dienstanweisung müssen deshalb Evag-Mitarbeiter, die für eine Zigarettenlänge ihren Arbeitsplatz verlassen, ausstempeln. So wird die Raucherpause von der geleisteten Arbeitszeit abgezogen.

Regelung gilt nicht für Evag-Fahrer

Diese Regelung gilt nicht für die Fahrer, weil die am Ende einer Linienfahrt eh’ kurz verschnaufen können und der ein oder andere bei dieser Gelegenheit zur Packung greift. Die Raucher-Dienstanweisung ist nur ein Bestandteil der aktuellen Sparanstrengungen. Dabei sollen die 1765 Mitarbeiter den Gürtel etwas enger schnallen, aber ohne dass dabei der Bauch zu sehr kneift.

So ging es bei den Verhandlungen mit dem Betriebsrat, deren Ergebnisse dem Aufsichtsrat in der nächsten Sitzung präsentiert werden, darum, alle Betriebsvereinbarungen auf den Prüfstand zu stellen und – wo zumutbar – zum 1. Januar 2016 zu streichen. Welcher Betrag unterm Strich stehen könnte, das wird gerade ausgerechnet.

Überstunden-Konten der Mitarbeiter werden gedeckelt

Dass dabei – zumindest langfristig betrachtet - hier und da auch eine größere Summe herauszuholen ist, wird bei den Überstunden bei der Gleitzeitregelung in der Verwaltung deutlich. Wegen der sehr hohen Zahl an „Gutstunden“ musste die Evag laut Geschäftsbericht im Vorjahr rund drei Millionen Euro Rückstellungen für Gleitzeitguthaben bilden, um mögliche Personalengpässe ausgleichen zu können. Dem wird nun ein Riegel vorgeschrieben. Die Zeitkonten der Verwaltungsmitarbeiter werden auf 52 mögliche Gutstunden pro Jahr gedeckelt. Mehr geht nicht.

Kein Gratis-Ticket für Angehörige von Evag-Mitarbeitern mehr 

Den wohl größten Einschnitt macht die zum Jahreswechsel gültige neue Monatskarten-Regelung aus. Angehörige von Evag-Mitarbeitern bekommen kein Ticket mehr gratis, für Kinder muss ein Zuschlag von zwölf Euro für das Schokoticket gezahlt werden. Das Evag-Personal muss sich mit einem Ticket 1000 der Preisstufe A begnügen. Heißt: Wer außerhalb von Essen hierher kommt, zahlt künftig drauf. Überlegungen, das Gratis-Ticket gar komplett zu streichen, sind schließlich wieder fallengelassen worden. „Wir haben lange gezögert“, sagt Evag-Sprecher Nils Hoffmann. Aber im Ringen um neue Fahrer müsse die Evag etwas bieten können.

31 Verträge werden entfristet

Vom Tisch sind auch die drohenden Entlassungen von alllen Mitarbeitern und Auszubildenden, die nur über einen befristeten Vertrag haben. Wer gute Arbeit leistet, soll bleiben. Dafür werden in einem erstern Schritt bis zum März nächsten Jahres 31 Verträge, die auslaufen, entfristet. Auch die Erschwerniszulagen und Zuschläge für die Rufbereitschaft werden nicht gestrichen. Dafür wird sukzessive das Jubiläumsgeld abgeschmolzen, das in Einzelfällen bis 80 Prozent eines Monatsgehaltes ausmachte und künftig beim 25. Jubiläum auf bis zu 350 Euro gesenkt wird. Der Zuschuss für die Kontoführungsgebühr von genau 1,12 Euro wird gar ersatzlos gestrichen, Die alte Regelung von 1970, die die Umstellung von der Lohntüte auf Kontoüberweisung den Mitarbeitern schmackhaft machen sollte gilt inzwischen als überholt.

„Wir mussten Federn lassen“, resümiert Detlef Barz im Evag-Mitarbeitermagazin zu den Verhandlungsergebnissen. Evag-Vorsitzender Michael Feller gibt sich aber zuversichtlich, dass so der Deckungsbetrag, den die Stadt an die Evag zahlt , gesenkt werden kann.

Dass noch weitere Anstrengungen nötig sein, daran lässt Feller keinen Zweifel, der in diesem Zusammenhang darauf verweist, dass der Vertrag für den Linienbetrieb mit der Stadt bald abläuft. Bis Ende 2020 will die Evag einen neuen öffentlichen Dienstleistungsauftrag erhalten – für 15 oder 22,5 Jahre. Das Rathaus kann eine Direktvergabe für die Evag erwirken. Andernfalls wäre aber auch eine EU-weite öffentliche Ausschreibung möglich. Die Evag will bis dahin ihre Leistungsfähigkeit erhöhen und sich für die Stadt schick machen - vielleicht auch mit einem etwas kürzeren Kleid. Nils Hoffmann: „Wir müssen sexy werden.“