Essens Kämmerer Klieve wird Co-Chef der Stadtwerke

Wolfgang Kintscher
Bei der Vorstellung des Stadt-Etats vor knapp zwei Wochen klang seine Rede wie ein Abschied, jetzt weiß man warum: Kämmerer Lars Martin Klieve wird Co-Chef der Stadtwerke Essen.
Bei der Vorstellung des Stadt-Etats vor knapp zwei Wochen klang seine Rede wie ein Abschied, jetzt weiß man warum: Kämmerer Lars Martin Klieve wird Co-Chef der Stadtwerke Essen.
Foto: Stefan Arend/FUNKE Foto Services
  • Klieve sieht in Überlegungen zu seinem Wechsel einen „Ausdruck der Wertschätzung“
  • Abschied aus dem Rathaus soll bereits Mitte kommenden Jahres über die Bühne gehen
  • Noch-Kämmerer wird kaufmännischer Vorstand, Peter Schäfer wechselt ins Technik-Ressort

Essen. Als Lars Martin Klieve vor knapp zwei Wochen den ersten ausgeglichenen Stadt-Etat seit 25 Jahren einläutete, da klangen seine Worte fast ein bisschen nach Abschied: „Für heute ist die Arbeit getan, wir haben viel erreicht – die Zukunft kann beginnen!“

Der Eindruck, er täuschte nicht, denn für Essens Kämmerer zeichnet sich eine Zukunft jenseits des Rathauses ab: Klieve soll an der Seite von Peter Schäfer Co-Chef der Stadtwerke Essen werden.

Entsprechende Pläne stehen erst im November in den zuständigen Aufsichtsgremien auf der Tagesordnung – wohl deshalb gibt es die Bestätigung derzeit nur hinter vorgehaltener Hand. Einzig Klieve selbst hat sich für den Fall von Journalistenfragen eine Antwort zurechtgelegt: „Ich bin sehr gerne Kämmerer. Wenn andere mir anderes zutrauen, empfinde ich das als Ausdruck der Wertschätzung.“

Ärger über Klieves strenges Zahlenregiment

Er hat dieses (Selbst-)Vertrauen ja schließlich auch. Oft genug ließ der 46-Jährige in seinen sieben Jahren als Hüter der Stadtfinanzen durchblicken, dass er findet, der von ihm betriebene drastische Sparkurs in der Kernverwaltung lasse sich auch auf die städtischen Töchter übertragen. Zu deren schönsten zählen die immer noch ertragreichen und zu 49 Prozent in privater Hand (RWE, Thüga) liegenden Stadtwerke.

Mit solchen Ansagen und seinem rigorosen Einsatz, um den Stadt-Etat ins Lot zu bringen, brachte Kämmerer Klieve nicht nur so manchen Beschäftigten, sondern auch Teile der Politik gegen sich auf. Während etwa die CDU beharrlich „vom besten Kämmerer, den diese Stadt je hatte“ schwärmte, äußerten Sozialdemokraten immer wieder auch massiven Unmut – und spendeten dem Mann, der mit seiner „Klieve-Kurve“ raus aus den Miesen Eingang in die Annalen fand, zuletzt nur widerwillig Beifall.

So groß war der Ärger über Klieves strenges Zahlenregiment, dass seine im Frühjahr anstehende Wiederwahl für die im Oktober 2017 auslaufende Amtszeit zwischendurch arg gefährdet schien.

Offenbar soll Klieve den kaufmännischen Part übernehmen

Der nun ins Auge gefasste Wechsel in den Stadtwerke-Vorstand – mit den privaten Anteilseignern längst vorbesprochen – bedeutet da einen galanten Ausweg, der alle Interessen bedient. Möglich wird er durch den zum Jahresende bevorstehenden Abgang von Dietmar Bückemeyer als Technischer Vorstand der Stadtwerke. Offenbar soll Peter Schäfer, der einst von Eon-Ruhrgas kam, als Kenner der Materie ins technische Ressort wechseln und Klieve den kaufmännischen Part übernehmen.

Dabei drängt die Zeit so sehr, dass bereits fraglich scheint, ob Klieve seine achtjährige Amtszeit überhaupt im Rathaus am Porscheplatz zu Ende führt. Gut möglich, dass der Finanzfachmann bereits Mitte 2017 an seinen neuen Schreibtisch in der Rüttenscheider Straße wechselt, womit sich übrigens sein Gehalt weit mehr als verdoppeln dürfte: Rund 118.000 Euro beschert die Besoldungsgruppe B8 dem Kämmerer derzeit. Der aus dem Stadtwerke-Vorstand ausscheidende Technik-Vorstand Bückemeyer kam – inklusive Erfolgstantieme – im vergangenen Jahr auf ein Gehalt von 320.000 Euro.

Sorgen, dass Klieve nun bei den Stadtwerken einen strikten Sparkurs durchsetzt, begegnet er mit Verweis auf die Zahlen im gerade vorgelegten Haushalt: „Wer die nicht als Bedrohung empfindet, muss das bei meiner Person auch nicht tun.“ Und doch bietet Klieve Raum für Spekulationen, wenn er sagt, dass er „nicht plötzlich mit den Idealen brechen werde, für die ich angetreten bin“.