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Pfefferspray in Apotheken? Warum ein Essener Waffenhändler das gar nicht gut findet

Peter Sieben
Neben Hustenbonbons und Gummibärchen gibt es am Verkaufstresen mancher Apotheken auch: Pfefferspray. (Symbolbild)
Neben Hustenbonbons und Gummibärchen gibt es am Verkaufstresen mancher Apotheken auch: Pfefferspray. (Symbolbild)
Foto: Lars Heidrich/Funke Foto Services
  • In manchen Apotheken steht neben Hustenbonbons auch Pfefferspray
  • Essener Waffenhändler sagt: Das Personal ist dafür gar nicht geschult
  • Apotheke hält dagegen: Besser bei uns, als im Drogeriemarkt

Essen. Hustenbonbons, Gummibärchen, Taschentücher - Dinge, die man als Kunde nochmal eben schnell dazukauft. In einigen Filialen der Easy-Apotheke liegen aber auch: Dosen mit Pfefferspray.

Auch in anderen Apotheken finden Kunden neuerdings solche Sprays, die man eigentlich eher im Waffengeschäft vermuten würde.

„Apothekern fehlt die Erfahrung mit solchen Mitteln“

Dort werden solche Verteidigungssprays normalerweise verkauft. „Dass es sowas jetzt auch in Apotheken gibt, find ich nicht so toll“", sagt Christoph Küttner vom Waffengeschäft Isenberg in Essen.

Denn: „Apotheker fehlt die Erfahrung mit solchen MItteln. Die können die Kunden ja kaum über die Risiken beraten, geschweige denn über rechtliche Folgen, die sich ergeben, wenn man solche Mittel benutzt“, sagt er.

Wer ein so genanntes CS-Spray gegen Menschen einsetzt, begeht nämlich schwere Körperverletzung. Inwieweit so ein Angriff dann später als Notwehr gewertet wird, das muss dann ein Gericht klären.

„Ich dachte, ich ersticke und werde blind“

„Viele denken, dass sie das Zeug auspacken können, wenn sie zum Beispiel von irgendwem beleidigt werden“, sagt Küttner. Und dann machen sie sich möglicherweise strafbar.

Und: Das Pfefferspray kann auch dem Besitzer ganz schön schaden. Das hat Küttner am eigenen Leib erfahren müssen. „Bei einer Lieferung war eine Dose defekt. Beim Auspacken ist mir das Spray ins Gesicht gespritzt. Das war der schlimmste Schmerz, den ich je erlebt hab“, erzählt er. „Ich dachte, ich ersticke und werde blind.“

So eine Dose könne eben auch in der Tasche platzen - etwa bei großer Hitze. Negative Langzeitfolgen habe das Spray zum Glück nicht. „Deshalb ist es mir immer noch lieber, dass die Leute das Zeug kaufen, als ein Messer.“ Noch besser aber seien spezielle Taschenlampen mit Stroboskop-Effekt, mit denen sich Angreifer vorübergehend blenden ließen.

Apotheke: „Unsere Mitarbeiter wurden geschult“

Jürgen Wunderlich, Inhaber einer Filiale der Easy-Apotheke in Düsseldorf, sagte auf Anfrage von DER WESTEN: „Die Ware ist in unserer easyApotheke direkt an der Kasse zu finden, damit jeder Käufer auf die rechtliche Situation und die sichere Anwendung hingewiesen werden kann.“ Die Mitarbeiter seien durch die Hersteller geschult worden.

Und Lars Horstmann, Vorstand der Easy-Apotheke, hat noch ein anderes Argument: „Der Verkauf besagter Sprays ist besser in Apotheken aufgehoben als auf dem unregulierten Markt. Die Beratung durch unser Fachpersonal kann dazu beitragen, das nicht das aufs Spiel gesetzt wird, was uns am Herzen liegt: Die Gesundheit unserer Kunden.“

Ein Stück gefühlte Sicherheit

Christoph Küttner sieht das nur bedingt so. „Stimmt schon, lieber in der Apotheke als in irgendeiner Drogerie. Aber irgendwie finde ich es falsch, dass gesundheitsgefährdende Mittel ausgerechnet in einer Apotheke verkauft werden. Die Menschen kaufen sich dann da ein Stück gefühlte Sicherheit, geben Geld aus, bekommen so die Sicherheit aber nicht. Das ist Selbstbetrug.“

Viel sinnvoller als Pfeffersprays seien zum Selbstverteidigungskurse. „Was nützen mir irgendwelche Waffen, mit denen ich nicht umgehen kann, und mit denen ich mich im schlechtesten Fall selbst verletze?“