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Essen: Obdachloser feiert Weihnachten auf der Straße – er hat nur diesen einen Wunsch

Essen: Ein Obdachloser erzählt, was Weihnachten für ihn bedeutet. (Symbolbild)
Essen: Ein Obdachloser erzählt, was Weihnachten für ihn bedeutet. (Symbolbild)
Foto: imago images / Rolf Kremming

Essen. Die ganze Familie versammelt sich um den Tannenbaum, tauscht Geschenke aus. Im Hintergrund brennen vier Kerzen auf dem Adventskranz und das Kaminfeuer knirscht.

Das ist für viele Menschen in Essen vielleicht die ideale Vorstellung vom Weihnachtsabend. Aber wie feiern die Menschen in Essen, die weder Familie, noch Zuhause haben, Weihnachten?

Essen: Weihnachten auf der Straße – für Norbert Realität

Im Fall von Norbert (55) ist die Antwort einfach: Gar nicht. „Ich feiere kein Weihnachten. Schon seit sechs Jahren nicht mehr", erzählt der Obdachlose. Es mache für ihn keinen Unterschied, ob es gerade Dezember sei oder Januar.

Über den Weihnachtsmarkt läuft er dennoch fast jeden Tag – notgedrungen, denn in der Umgebung sucht er sich jede Nacht sein Quartier. Die bunten Lichter gefallen ihm. „Doch, ich mag den Weihnachtsmarkt. Aber was habe ich davon? Ohne Moos nix los“, sagt Norbert emotionslos.

Wenig Mitgefühl mit den Obdachlosen

Weniger mag er die Menschen, die mit jedem Dezembertag gestresster durch die Stadt laufen. „Sie schreien rum, sind unfreundlich“, sagt Norbert, das erlebe er in der Weihnachtszeit fast häufiger als im restlichen Jahr. Von der viel gepriesenen Großzügigkeit zum Fest der Liebe spüre er nichts.

In der Großstadt fehle ihm sowieso der Zusammenhalt zwischen den Menschen. Er selbst komme vorm Dorf, da sei das alles anders gewesen. Mehr Kameradschaft. Aber auch mehr Grün, mehr Platz, weniger Beton.

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Genau dorthin, nach Rheinberg, möchte der Obdachlose gern zurück. Vielleicht in eine kleine 1,5-Zimmer-Wohnung, mit Dusche und Toilette.

Seine Familie wohne noch dort, in seiner Heimat. Zu ihr hätte er gern mehr Kontakt – das ist sein persönlicher Weihnachtswunsch. „Ich habe viele Geschwister, viele von ihnen haben Kinder, manche sind sogar schon Großeltern“, erzählt er.

Das mit dem Kontakt sei allerdings verdammt schwierig, seit er auf der Straße lebt.

Kontakt zur Familie fehlt

Er wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel. In seiner Lage sei es hart, die angeknacksten Beziehungen zur Familie wieder zu kitten. „Mein Vater ist tot, meine Mutter dement im Heim – sie war meine einzige richtige Bezugsperson“, erzählt Norbert.

Vor zwei Jahren habe er zuletzt mit seiner Schwester gesprochen. So richtig traut er sich nicht, zur Weihnachtszeit erneut den Kontakt zu suchen. „Ich weiß ja nicht, ob sie mich wieder annehmen würden“, erzählt er. (vh)

 
 

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