Essen

Versuchter Ehrenmord in Essen: Prozess kostet so viel Geld, dass jetzt sogar der Richter mahnt

Der Ehrenmord-Prozess in Essen ist ein wahrer Super-Prozess.
Der Ehrenmord-Prozess in Essen ist ein wahrer Super-Prozess.
Foto: Kai Kitschenberg/FunkeFotoServices

Essen. Der Ehrenmord-Prozess in Essen ist ein wahrer Super-Prozess: 13 Angeklagte, manche mit mehreren Verteidigern und jeder mit einem Dolmetscher, Staatsanwälte, Nebenklage-Vertreter, Richter, Schöffen, Schriftführer, Simultan-Übersetzer und Personenschützer, dazu ein massives Aufgebot an Justiz-Beamten.

Über 70 Personen sind im Gerichtssaal am Prozess beteiligt. Das führt dazu, dass der Ehrenmord-Prozess in Essen hohe Kosten verursacht.

Ehrenmord-Prozess in Essen kostet bis zu 3000 Euro pro Stunde

Der Vorsitzende Richter Jörg Schmitt gab am Donnerstag einen Einblick: Zwischen 2000 und 3000 Euro kostet der Super-Prozess die Staatskasse – pro Stunde!

Johannes Hidding, Sprecher des Landgerichts Essen, erklärt gegenüber DER WESTEN: Dabei handelt es sich nur um die Kosten für die Pflichtverteidiger und Übersetzer. Die Kosten beispielsweise für Justiz-Beamte, die Kammer und Gebäudekosten sind noch nicht einberechnet.

Selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass die bislang angesetzten 27 Prozesstage ausreichen, lägen allein die Kosten für Verteidigung und Übersetzung bei deutlich über einer viertel Million Euro.

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Bereits zu Prozessbeginn hatte Richter Schmitt klargestellt: „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit." Ein wichtiger Grundsatz in jedem Prozess - beim Ehrenmord-Prozess mit Blick auf das zu erwartende Strafmaß für die Mitglieder des syrischen Familienclans ganz besonders.

Darüber hinaus erklärt Landgerichts-Sprecher Hidding: „Diese Kosten versucht sich das Gericht von den Verurteilten zurückzuholen." Ein Versuch, der in diesem Fall wohl wenig erfolgversprechend sein wird: Alle Angeklagten leben von Sozialhilfe.

Richter mahnt: Sollten auch Kosten im Blick behalten

Ärgerlich ist jedoch für viele Beteiligte, dass sich der Ehrenmord-Prozess in Essen immer wieder in die Länge zieht. Keiner der bislang neun Prozesstage konnte pünktlich begonnen werden, plötzliche Anträge von Verteidigern der Angeklagten und andere Unwägbarkeiten sorgten für viele Unterbrechungen (>> hier mehr dazu).

Das ärgert auch Richter Schmitt: „Ich will festhalten, dass das ein sehr, sehr teurer Prozess ist und wir die Kosten – bei aller Konzentration auf die Aufklärung der Sache – ebenfalls im Blick haben sollten“, sagte er, als sich der Auftakt zum neunten Prozesstag um 45 Minuten verzögerte, weil einer der Verteidiger im Stau stand.

Auf viel Verständnis stieß Schmitt mit seinen mahnenden Worten offenbar nicht. Der Angeklagte Dlovan B. (29) entschied sich in den folgenden Stunden des Prozesses erstaunliche vier Mal um, ob er ein Geständnis ablegen will oder nicht.

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Erst kündigte B. eine plötzliche Aussage an, um sich Minuten später doch wieder dagegen zu entscheiden. Kaum konnte er sich kurz darauf doch zu einem (Teil-)Geständnis durchringen, ging es ihm nur zehn Minuten später laut Verteidiger Andreas Renschler nicht mehr so gut – so dass er doch (vorerst) verzichtete.

Ebenso ärgerlich: Vor den Türen des Gerichtssaals musste während dieser Zeit Mohammad A. (20), das Opfer des Killer-Kommandos, die ganze Zeit warten.

 
 

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