Bereits beerdigter Ausbau der A52 in Essen lebt wieder auf

Janet Lindgens
Die Einmündung der A52 auf die A40 in Höhe Essen-Frillendorf. Von dort könnte die Verlängerung der A52 nach Norden bis zur A42 führen.
Die Einmündung der A52 auf die A40 in Höhe Essen-Frillendorf. Von dort könnte die Verlängerung der A52 nach Norden bis zur A42 führen.
Foto: WAZ FotoPool
Der Bund will prüfen, ob der umstrittene Ausbau der Autobahn 52 durch das Essener Stadtgebiet nun doch in den nächsten Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird – obwohl NRW-Minister Groschek den Plan schon beerdigt hatte. Die Essener Wirtschaft feiert dies als ihren Erfolg.

Essen. Eigentlich galt der umstrittene Ausbau der A52 mitten durch Essener Stadtgebiet als beerdigt. Doch so tot, wie viele geglaubt haben, ist das Autobahn-Projekt zwischen dem Autobahn-Dreieck Essen-Ost und dem A 42-Kreuz Essen-Nord doch nicht. Das Bundesverkehrsministerium will nun auf Initiative der Wirtschaft prüfen, ob das Teilstück doch in den neuen Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden soll. Das bestätigte eine Sprecherin von Landesverkehrsminister Michael Groschek (SPD). Das Bundesministerium habe das Land NRW aufgefordert, entsprechende Unterlagen für eine Kosten-Nutzen-Analyse nach Berlin zu schicken.

Groschek hatte im Sommer vergangenen Jahres eigentlich einen Schlussstrich unter das seit vielen Jahrzehnten kontrovers diskutierte Thema ziehen wollen und dem kostspieligen A52-Ausbau plus Ruhrallee-Tunnel eine endgültige Absage erteilt. Entsprechend meldete er die A52 auch nicht für den neuen Bundesverkehrswegeplan an. Auch wenn der Plan nur eine Wunschliste für den weiteren Ausbau der Bundesautobahnen darstellt, wäre klar gewesen: die A52 hätte bei weiteren Planungen keine Rolle mehr gespielt.

Weg zur Neubewertung geebnet

Ein Fakt, mit dem sich vor allem die Industrie- und Handelskammer Essen nicht abfinden wollte. Sie nutzte ihr Vorschlagsrecht und fand offensichtlich Gehör in Berlin. „Wir freuen uns, dass nun der Weg zur Neubewertung geebnet wurde. Die Vorhaben werden somit nicht einfach aus politischen Gründen liegen gelassen“, teilte der IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Püchel gestern mit.

Auch bei der CDU, die den A52-Ausbau schon länger befürwortet, stieß die neueste Wendung auf Wohlwollen. „Wir begrüßen das natürlich“, sagte der planungspolitische Sprecher Uwe Kutzner. Um den Essener Norden vom Verkehr zu entlasten, könne das Endziel nur eine A52-Lösung sein. Dennoch sehen die Christdemokraten das Ganze auch nüchtern: „Selbst wenn der Bund die A52 wieder in den Bundesverkehrswegeplan aufnimmt, wird er nicht dort investieren, wo es nicht gern gesehen wird“, so Kutzner.

"Mausetot und nicht reanimierbar"

Die Grünen dagegen übten heftige Kritik an dem Vorstoß aus Berlin: „Die Planungen der A 52 durch Essen und des A44-Ruhralleetunnels sind mausetot und nicht reanimierbar“, so Vorstandssprecher der Grünen, Mehrdad Mostofizadeh. Statt in solche Wolkenkuckucksheime zu investieren, solle der Bund das Geld für den Ausbau der Schienenwege im Ruhrgebiet verwenden.

Für die Stadtplaner ist das Projekt Fluch und Segen zugleich. Als Verkehrsplaner müsse man für die A52 sein, so Ronald Graf, Leiter des Planungsamtes. Aber: Wenn die A52 wieder im Bundesverkehrswegeplan steht, darf die Trasse weiterhin nicht überplant werden. Das durchkreuzt vor allem die angedachte Erschließung der nationalen Kohlenreserve der RAG als Gewerbegebiet an der Daniel-Eckardt-Straße.