Angelika Kordfelder will OB-Kandidatin der SPD Essen werden

Frank Stenglein
Angelika Kordfelder will Oberbürgermeisterin in Essen werden.
Angelika Kordfelder will Oberbürgermeisterin in Essen werden.
Foto: Stadt Rheine
Angelika Kordfelder, gebürtige Essenerin und Bürgermeisterin in Rheine, hat gegenüber der Essener SPD-Chefin Britta Altenkamp ihre Bereitschaft zur Oberbürgermeister-Kandidatur erklärt. OB Reinhard Paß sagte dazu: „Ich nehme die Herausforderung an.“ Der frühere Kulturdezernent Oliver Scheytt sagt ab.

Essen. Die Essener SPD hat neben dem amtierenden Oberbürgermeister Reinhard Paß eine weitere potenzielle OB-Kandidatin: Angelika Kordfelder, Bürgermeisterin im münsterländischen Rheine, hat entschieden, sich am 31. Januar auf dem Parteitag der Essener SPD für eine Kandidatur zu bewerben. „Ich habe der Essener SPD gegenüber meine Bereitschaft dazu erklärt“, sagte die 59-Jährige am Freitag auf Anfrage der WAZ. Essens Parteivorsitzende Britta Altenkamp bestätigte das. In Rheine will Kordfelder nach zehn Jahren an der Stadtspitze nicht mehr antreten. In beiden Städten - wie auch in anderen in NRW - werden am 13. September 2015 die Stadtoberhäupter neu gewählt.

Altenkamp ließ im WAZ-Gespräch offen, ob sie die Kandidatur der promovierten Verwaltungs- und Erziehungswissenschaftlerin Kordfelder unterstützen wird. „Das besprechen wir am 18. November im Parteivorstand.“ An diesem Tag endet die Frist für mögliche Bewerber, die auf dem Ticket der SPD für das OB-Amt antreten wollen. Altenkamp bestätigte aber: „Es gibt bislang keinen weiteren Kandidaten, der sich bei mir gemeldet hätte.“

Essens OB Reinhard Paß: "Wahlkampf ist eröffnet“

Ausgenommen ist natürlich Reinhard Paß, der seinen Wunsch und seine Bereitschaft für eine zweite OB-Periode bereits am Abend der Ratswahl am 25. Mai dieses Jahres erklärt hatte und dies am Freitag noch einmal bekräftigte: „Ich nehme die Herausforderung an, der Wahlkampf ist eröffnet“, sagte Paß der WAZ. Und: „Die Wahlchancen der SPD bei der OB-Wahl werden dadurch natürlich nicht verbessert. Einen freiwilligen Rückzug schließe ich aber aus.“ Angesprochen auf seine Gegenkandidatin, sagte der OB: „Ich nehme das zur Kenntnis.“

Britta Altenkamp hatte bereits im Sommer deutlich gemacht, dass aus ihrer Sicht Paß „als OB die falsche Person ist“. Kordfelder dürfte daher mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits jetzt die Unterstützung der Parteivorsitzenden genießen. Das gilt auch deshalb, da weitere aussichtsreiche Kandidaten allesamt absagten. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty hat andere, landespolitische Ambitionen.

Oliver Scheytt sagte aus privaten und beruflichen Gründen ab

Auch der frühere Essener Kulturdezernent Oliver Scheytt stellte am Freitag gegenüber der WAZ klar: „Ich bin von Frau Altenkamp und Herrn Kutschaty gefragt worden, ob ich kandidieren will, habe aber nach reiflicher Überlegung verzichtet.“ Neben privaten Gründen nannte Scheytt auch berufliche: „Ich bin mit meiner Beratungsfirma im Kulturbereich glücklich und sehr gut ausgelastet.“ Abgesagt hat laut Britta Altenkamp auch der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Hempelmann, der ebenfalls gehandelt worden war.

So wird es wohl auf ein innerparteiliches Duell zwischen Angelika Kordfelder und Paß hinauslaufen, auch einen Mitgliederentscheid hatte Altenkamp ausdrücklich als mögliches Mittel der Entscheidungsfindung ins Gespräch gebracht. Zunächst ist aber ein Parteitag am Zug.

Essens CDU-Parteichef ist „gespannt wie die SPD mit dieser Bewerbung umgeht“

DemokratieKordfelder saß vor ihrer Zeit in Rheine mehrere Jahre im Rat der Stadt Essen, ohne hier allzu große Spuren zu hinterlassen. In der zweitgrößten Stadt des Münsterlands – Rheine hat 73.000 Einwohnern – sieht sie sich einem starken, aussichtsreichen Gegenkandidaten der CDU gegenüber, der auch die Unterstützung der Grünen hat. Örtlichen Beobachtern zufolge konnte sich Kordfelder deshalb keine großen Chancen auf eine erneute Wiederwahl ausrechnen.

Betont gelassen kommentierte Essens CDU-Parteichef Franz-Josef Britz die Nachricht: „Es freut mich, dass sich Frau Kordfelder nach vielen Jahren wieder für ihre Heimatstadt interessiert. Ihre Wiederwahl in Rheine ist anscheinend so fraglich, dass sie glaubt in Essen als SPD-Kandidatin schon gewonnen zu haben.“ Er, Britz, sei nun zunächst „gespannt wie die SPD mit dieser Bewerbung umgeht“. Die CDU schickt Ratsfraktionschef Thomas Kufen ins OB-Rennen.