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130-Kilo-Mann wegen Missbrauchs vor Gericht – doch er behauptet: „Sie hat mich fast vergewaltigt“

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Foto: imago/biky

Essen. 

Der Vorwurf wiegt schwer: In der Nacht zum 7. Mai 2016 soll der 46-jährige K. seine Nachbarin G. im Garten eines Mehrfamilienhauses in Essen-Stoppenberg vergewaltigt haben.

Mit 130 Kilogramm soll er auf ihr gelegen haben

Laut Staatsanwaltschaft begann mit einem gemeinsamen Grillabend mit Freunden und Kindern. Doch je später der Abend wurde, desto mehr Alkohol floss. Irgendwann gingen die Freunde. Und auch die Ehefrau von K. ging ins Haus, um nach dem gemeinsamen Kind zu schauen. Nur noch K. und G. saßen zusammen im Garten.

Laut Anklageschrift griff er ihr plötzlich ans Ohr und warf sie zu Boden. Als sie dort auf dem Rücken lag, legte er sich mit seinen 130 Kilogramm auf sie und versuchte sie zu küssen.

Während er ihr gesagt habe, dass er sie liebe, habe er die Hose bis zu den Knien runtergezogen und vergewaltigt. Nachdem er in ihr kam, klingelte sein Handy, so die Staatsanwalt.

Daraufhin sei er aufgesprungen und in seine Wohnung gegangen. Auch G. ging nach Hause, rief ihren Ex-Mann an und verständigte dann die Polizei.

„Sie hat mich fast vergewaltigt“

Der Angeklagte hat das Geschehen ganz anders Erinnerung: „Sie hat mich fast vergewaltigt.“ Er verstehe nicht, warum sie ihn angezeigt hat. Sie sei immer willkommen gewesen, sie sei oft auf einen Kaffee oder eine Zigarette vorbei gekommen – auch oft mitten in der Nacht.

Auch an besagtem Abend. „Wir haben sie zum Essen eingeladen.“ Nachdem einiges an Alkohol geflossen und seine Frau in die Wohnung gegangen sei, habe sie geweint, da sie Probleme mit ihrem Partner gehabt hätte. Ruhig schildert K. seine Geschichte.

Dabei zupft er sich immer wieder sein ordentlich gebügeltes weiß-blaues Hemd zurecht. Auch als er erzählt, dass er sich nicht mehr genau erinnern kann, wie es genau abgelaufen sei – aber vergewaltigt habe er sie nicht, dabei bleibt er.

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„Ich hätte nie was mit ihm angefangen“

Sie habe sich auf ihn gesetzt, dann sei er tatsächlich zum Orgasmus gekommen – und habe realisiert, dass das ein Fehler gewesen sei. Als er kurz darauf wieder in seiner Wohnung gewesen sei, stand die Polizei plötzlich vor seiner Tür.

„Ich hätte nie was mit ihm angefangen“, sagt G., das mögliche Opfer. Sie und K. hätten immer ein gutes Verhältnis gehabt. Aber er sei verheiratet und außerdem bevorzuge sie eigentlich gar keine Männer mehr – und wenn, möge sie lieber nordische Typen.

Derzeit steht Aussage gegen Aussage. Merkwürdig: Die Beteiligten und ihre Partner haben sich am Tag nach der mutmaßlichen Tat im Garten getroffen, über den Vorfall geredet.

Sie solle ihre Anzeige zurückziehen, hätten zwei Cousins von K. zu ihr gesagt, als K. kurz im Haus war – vielleicht lasse sich das ja mit Geld reden. „Aber dann hätte ich meine Ehre verloren“, so G.

Der Prozess soll am 13. Oktober fortgesetzt werden.

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